Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2000

13:53 Uhr

Spekulationen um Finanzvorstand

VW feuert seinen Vertriebschef

Der Absatzrückgang bei Volkswagen in Deutschland hat im Vorstand des Autokonzerns zu personellen Konsequenzen geführt.

dpa WOLFSBURG. Das Unternehmen trennt sich von dem erst vor einem Jahr berufenen Vertriebsvorstand der Marke VW, Hans-Ulrich Sachs. Durch eine umfassende Personalrotation besetzt VW gleich eine ganze Reihe führender Positionen im Vertrieb neu. VW-Händler begrüßten den Schritt. Sie bräuchten dringend mehr Unterstützung durch den Vertrieb von VW.

Sachs - ehemals Chef des Stuttgarter Handelshauses Schwabengarage - war von VW-Chef Ferdinand Piech eigens nach Wolfsburg geholt worden, um den VW-Vertrieb auf Vordermann zu bringen. VW-Händler berichteten jedoch, dies sei ihm nicht gelungen. Das Fass zum Überlaufen brachte womöglich eine peinliche Panne bei der Präsentation der neuen VW-Autostadt vor VW-Händlern vorige Woche. Die geplante Anlieferung neuer Modelle in die Autostadt habe überhaupt nicht funktioniert, berichtete ein Händler.

Nachfolger von Sachs wird zum 1. Juli der bisherige Vertriebschef der Tochtermarke Skoda, Detlef Wittig. Dieser wiederum wird laut VW ersetzt vom bisherigen Seat-Vertriebschef Detlef Schmidt. In den Seat-Vorstand zieht als Vertriebschef Lars-Henner Santelmann ein, bislang Leiter des VW-Vertriebs in Süd-Ost-Europa. Unberührt von dem Personalkarussell im Vertrieb bleibt die Position von Konzernvorstand Robert Büchelhofer als oberster Vertriebschef des VW-Konzerns.

Volkswagen hatte in den vergangenen Monaten in Deutschland deutlich weniger Autos verkauft als im vorigen Jahr. Allerdings war der Autoabsatz in Deutschland insgesamt noch stärker zurückgegangen. Das Votum der Händler ist eindeutig: Am VW-Vertrieb im Inland muss einiges getan werden. Kunden seien meist besser informiert gewesen als die Händler. Die Liefersituation habe sich verschlechtert.

Trotz mehrmaliger Nachfrage seien bestellte Dieselmodelle nicht zu bekommen, klagte der Geschäftsführer eines VW-Autohauses in Wunstorf bei Hannover. Auch die Preispolitik von VW stößt auf Kritik. Versuche, mit dem Vertrieb ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert. Am VW-Callcenter für die Händler wird bemängelt, dass es "schlecht besetzt" sei. "Dadurch werden häufig falsche Ersatzteile geliefert", erklärte der Geschäftsführer eines Wiesbadener Autohauses.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet darüber hinaus von Spekulationen über die Zukunft von VW-Finanzvorstand Bruno Adelt. Er müsse möglicherweise vor Ende seines Vertrages 2002 gehen. Als mögliche Nachfolger nennt das Magazin in seiner neuesten Ausgabe VW-Vorstandsmitglied Jens Neumann und den Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Krumnow, der dem VW-Aufsichtsrat angehört. Ein VW-Sprecher erklärte hierzu nur: "Wir kommentieren keine Personalspekulationen."

Aufgewertet wird die Sparte VW Nutzfahrzeuge in Hannover. Sie steht jetzt als eigenständige Marke neben den anderen Konzernmarken. Der bisherige Leiter von VW Nutzfahrzeuge, Bernd Wiedemann, wird Sprecher des neuen Markenvorstandes. Die VW-Beteiligung am schwedischen Lkw-Hersteller Scania gehört jedoch nicht zum Geschäftsbereich von VW Nutzfahrzeuge. Der Grund: VW hat zwar maßgeblichen Einfluss, hält aber nur eine Minderheitsbeteiligung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×