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02.04.2003

14:44 Uhr

Spekulationen um Starzacher-Nachfolge

RAG will Steinkohlenbergbau nicht abspalten

Die RAG hat einem Magazinbericht widersprochen, wonach der Steinkohlenbergbau aus dem Konzern herausgelöst werden soll.

rtr/vwd ESSEN. Das Magazin "WirtschaftsWoche" hatte am Mittwoch vorab berichtet, dass Differenzen über die künftige Strategie des Chemie- und Rohstoffkonzerns der Grund für den überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Karl Starzacher gewesen seien. Eine RAG-Sprecherin sagte jedoch, dass der Rücktritt aus privaten Gründen erfolgt sei.

Die Sparten Chemie (Degussa), Immobilien und der Auslandsbergbau sollen den Planungen zufolge bei der RAG bleiben, schreibt das Magazin weiter. Bei der RAG werde überlegt, für die deutsche Steinkohle eine eigene Gesellschaft zu gründen. Im Jahr 2005 sollen demnach fünf Bergwerke schließen, die Zahl der deutschen Bergleute solle von 47 000 auf 30 000 sinken. Nach Angaben der RAG-Sprecherin sind keine Schließungen von Bergwerken geplant.

Neuer RAG-Chef soll noch vor Ostern bestimmt werden

Die Nachfolge des ausscheidenden RAG-Chefs Karl Starzacher soll nach Angaben aus Branchenkreisen noch vor Ostern geregelt werden. Bis dahin werde die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der RAG (früher Ruhrkohle) einen Kandidaten präsentieren, hieß es in den Kreisen am Mittwoch. Starzacher hatte am Vortag völlig überraschend seinen Rücktritt für Ende Mai angekündigt.

Die Unzufriedenheit mit Starzacher sei im Aufsichtsrat seit Monaten gewachsen, hieß es in den Kreisen weiter. Vor allem im Arbeitnehmerlager des montan-mitbestimmten Kontrollgremiums habe man kritisiert, dass der Mann an der Vorstandsspitze "falsche Prioritäten" setzte und sich in Details verzettele. Statt sich mit voller Kraft auf die Umsetzung der neuen Unternehmensstrategie zu stürzen habe er sich zu viel um Randfragen wie etwa die Zuteilung von Dienstwagen gekümmert. Vorgeworfen habe man Starzacher auch seine enge Verbindung zum RAG-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann. Der Vorstandschef der Eon hatte den früheren hessischen Finanzminister Starzacher 1999 in den RAG-Konzern geholt. Seit Januar 2000 war Starzacher dort Vorstandschef. Sein Vertrag wäre noch bis September 2004 gelaufen.

"Starzacher ging am Gängelband von Hartmann", hieß es in den Kreisen weiter. Das habe auch einigen Anteilseignern auf der Kapitalseite nicht gefallen. Eon ist mit knapp 40 Prozent größter Aktionär bei der RAG. Sein größter Konkurrent RWE ist aber mit 30 Prozent auch ein nennenswerter Anteilseigner.

Starzacher hatte am Dienstag persönliche Gründe für seinen Rücktritt angegeben. In einer Erklärung lobte Hartmann ihn als einen Manager, der das Unternehmen RAG nachhaltig geprägt und zukunftsorientiert aufgestellt habe.

An der von Starzacher wesentlich mitbetriebenen Neuausrichtung des vormals reinen Bergbauunternehmens auf die Säulen Bergbau, Chemie und Immobilien wird durch den Wechsel an der RAG-Spitze nicht gerüttelt. Diese Strategie sei im Aufsichtsrat einstimmig abgesegnet worden, hieß es aus Kreisen des Kontrollrates.

Degussa-Chef Felcht nicht als Nachfolger gesehen

Wenig Chancen auf die Nachfolge Starzachers werden dem Vorstandsvorsitzenden des neu zum RAG-Konzern gehörenden Chemieunternehmens Degussa eingeräumt. Zwar habe sich in der Vergangenheit ein Machtkampf zwischen Starzacher und Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht abgezeichnet. Doch sei der Industriemanager Felcht für die noch weitgehend von Kohleinteressen bestimmte Arbeitnehmerbank im RAG-Aufsichtsrat kaum akzeptabel.

Die RAG hält seit Anfang des Jahres knapp 50 Prozent an Degussa und hat die unternehmerische Führung dort von der bisherigen Muttergesellschaft Eon übernommen. Im nächsten Jahr soll der Degussa-Anteil auf die Mehrheit aufgestockt werden.

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