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02.01.2002

00:04 Uhr

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Spenden Sie Speicher

VonOlaf Storbeck

Bislang hat der Mann hauptsächlich Geld gesammelt für einen guten Zweck. Jetzt betreibt Eric Moliné, Chef der französischen Hilfsorganisation AFM (Association Française contre les Myopathis), zusätzlich eine Kollekte anderer Art: Er bittet die Internet-Nutzer dieser Welt, ein bisschen Rechenkraft ihres PC zu spenden - um seltene und genetisch bedingte Krankheiten erforschen zu können.

Im kommenden Februar will Moliné zehntausende von Heim-Computern über das Internet zu einem virtuellen Super-Rechner zusammenschalten. Dieses künstliche Superhirn soll dann eine halbe Million menschlicher, tierischer und pflanzlicher Proteine analysieren - eine gigantische Rechenaufgabe, denn jedes Protein soll mit jedem verglichen werden. Da kommt eine Infomenge zusammen wie in 400 Kopien des 32-bändigen Lexikons Encyclopaedia Britannica. Ein einzelner Personal Computer bräuchte für die Aufgabe 1 170 Jahre. Sechs Großrechner, die pro Stück mehrere Millionen Mark kosten, hätten immerhin noch 50 Tagen an der Sache zu knobeln. Wenn 200 000 Internetnutzer mitmachen, dürfe der künstliche Rechner die Aufgabe in einem Monat gelöst haben. Moliné: "Wir nutzen die Tatsache, dass jeder PC über mehr Kapazitäten verfügt, als er nutzt."

"Mit den Ergebnissen können wir schneller genetisch bedingte Krankheiten verstehen und Therapien entwickeln", sagt der AFM-Präsident, der selbst im Rollstuhl sitzt. Er erhofft sich von dem Forschungsprojekt namens "Decrypthon" deutlich mehr Klarheit über die biologischen Funktionen von Proteinen bringen. "Die Gene selbst sind inzwischen sehr gut erforscht, daher sind Proteine jetzt der nächste wichtige Schritt für das Verständnis genetisch bedingter Krankheiten", sagt er.

Wer mitmachen will, braucht sich nur auf der Web-Seite des Verbandes zu registrieren und im Februar ein kleines Programm herunter zu laden, danach geht alles vollautomatisch: Ein Zentralrechner zerstückelt die 400 Gigabyte Daten in kleine Portionen und verteilt sie per Internet an die Teilnehmern. Wenn ein PC freie Prozessor-Kapazitäten hat, stellt er im Hintergrund die Protein-Vergleiche an. Sobald der Nutzer ein neues Programm startet oder mehr Speicherplatz braucht, unterbricht der Computer die Rechnerei. Weiter geht es erst, wenn wieder Kapazitäten frei sind. Hat der Rechner sein Pensum abgearbeitet, schickt er die Ergebnisse automatisch ab, wenn der PC das nächste Mal online ist.

Ach, wäre es doch immer so einfach, mit so wenigen Mausklicks so viel Gutes tun zu können!

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