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02.03.2003

18:25 Uhr

"Spendenaufkommen hängt immer von der Katastrophe ab"

Trotz Flaute: Deutsche bleiben spendenfreudig

Trotz der Diskussion um hohe Preise und Wirtschaftsflaute bleiben die Deutschen spendenfreudig. Nahezu alle deutschen Hilfsorganisationen haben nach einer dpa-Umfrage im vergangenen Jahr ihre Einnahmen halten oder sogar ausbauen können. Allerdings sorgte die Elbeflut für eine Verlagerung der Hilfe ins Inland.

HB/dpa HAMBURG. So registrierte die Auslandskatastrophenhilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zwar ein Minus von 40 auf 31 Mill. ?. Zugleich hätten die Deutschen dem DRK aber 136,6 Mill. ? für die Flutopfer gespendet.

"Das Spendenaufkommen hängt immer von der Katastrophe ab. Je näher das Ereignis liegt, desto höher die Hilfsbereitschaft", sagte ein DRK-Sprecher. Beim Hilfsprojekt "Brot für die Welt" rechnen die Organisatoren mit stabilen Einnahmen. Die Bilanz der aktuellen Spendensammlung liege zwar noch nicht vor, dennoch gebe es keinen Grund zur Sorge.

Obwohl medico international nur Projekte außerhalb Europas betreut, sind die Einnahmen der Frankfurter Hilfsorganisation trotz Elbeflut im vergangenen Jahr nicht zurückgegangen. Derzeit sei der Trend zwar etwas negativ, das Jahresende als wichtigste Zeit der Spendensammler sei aber noch nicht ausgewertet. Entsprechend werde wieder mit bis zu drei Mill. ? gerechnet. Ähnliches meldet das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Auch action medeor rechnet wieder mit etwa 3,3 Mill. ?. Weil nach der Hochwasser- Katastrophe in Ostdeutschland ein Rückgang befürchtet wurde, hatte das Medikamenten-Hilfswerk die Werbung verstärkt.

Einige Hilfsorganisationen registrieren sogar ein deutliches Plus. Das "Hammer Forum", ein medizinischer Hilfsverein für Kinder in Krisengebieten, konnte seine Spendeneinnahmen, entgegen eigener Erwartungen, um 15 % auf 900 000 ? steigern. Auch die Deutsche Hospizstiftung erkennt bei den regelmäßigen Spendern eine größere Hilfsbereitschaft. Die Wohlfahrtsverbände in Sachsen haben in ihrer Wintersammlung ihr Vorjahresergebnis sogar fast verdoppelt. Grund sei die Währungsumstellung: Viele spendeten jetzt in Euro, was sie früher in Mark gegeben haben.

Hilfsorganisationen, die sich vor allem im Ausland engagieren, leiden allerdings unter der Spendenflut für die Hochwasseropfer. Besonders betroffen davon ist CARE Deutschland. Die Bonner Organisation, die nur auf dem Balkan und sonst außerhalb Europas arbeitet, hat die Schließung eines ihrer drei Büros angekündigt. Die Einnahmen von CARE gingen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben um fast 20 % auf 3,1 Mill. ? zurück. Deshalb sei eine Außenstelle in Rheine geschlossen worden. Als Gründe sehen die Helfer die Konjunkturflaute und die Konzentration der Spenden auf die Opfer der Elbeflut.

Auch die Deutsche Welthungerhilfe rechnet mit einem Minus von 20 %. Wer für Hochwasseropfer gespendet habe, gebe nichts mehr für die Dritte Welt. Noch aber hätten keine Projekte gekürzt werden müssen. Auch das katholische Hilfswerk Miserior befürchtet nach der Elbeflut ein geringeres Engagement für die Dritte Welt.

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