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21.01.2001

19:00 Uhr

Spezialisten stehen vor Kapazitätsengpass – Aktie als Kaufwährung verliert an Bedeutung

Investmentbanker erwarten Übernahmewelle

Der Kursverfall der vergangenen Monate an den internationalen Aktienmärkten wird das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen von Unternehmen in diesem Jahr nicht bremsen. Banker gehen davon aus, dass Investmenthäuser trotz Personalaufstockung an Kapazitätsgrenzen stoßen. Kommentar: Die Welle rollt

fs/rob FRANKFURT/M. Der Kursverfall der vergangenen Monate an den internationalen Aktienmärkten wird das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen von Unternehmen (Mergers & Acquisitions, M & A) in diesem Jahr nicht bremsen. Dies erklärten führende Investmentbanker dem Handelsblatt. Allerdings müssten potenzielle Verkäufer ihre Preisvorstellungen dem derzeitigen Kursniveau an den Börsen anpassen, sagte Jan P. Weidner, Vorstandsmitglied der Morgan Stanley Bank. Die Abschläge lägen derzeit zwischen 20 und 30 %. Auch fließe in jüngerer Zeit mehr Bargeld. Die Aktie als Akquisitionswährung spiele eine geringere Rolle.

Die Banker gehen davon aus, dass die Investmenthäuser trotz massiver Personalaufstockung in den vergangenen Jahren an Kapazitätsgrenzen stoßen. Sie rechnen mit einer Welle von kleinen und großen Transaktionen. Starke Aktivitäten würden dabei vom Neuen Markt ausgehen, sagte Frank B. Müller, Vorstandsmitglied bei Schroder Salomon Smith Barney. Das Provisionsvolumen der M&A-Berater für Transaktionen mit Beteiligung deutscher Unternehmen werde sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppeln, schätzen Investmentbanker. 2004 sollen die Gebühreneinnahmen bei 1,9 Mrd. liegen. Das M & A-Geschäft gilt als einer der lukrativsten und zugleich schwierigsten Bereiche des Investment-Bankings.

Starker Druck, Gelder anzulegen

Jan P. Weidner, Managing Director von Morgan Stanley Dean Witter, rechnet damit, dass sich Finanzinvestoren künftig stärker als bisher engagieren. Investoren wie Apax Partners & Co, BC Partners und Schroders hätten in der jüngsten Zeit Milliardenbeträge eingesammelt. Sie stünden unter einem starken Druck, die Gelder anzulegen, sagte Hendrik Borggreve, Vorstandsmitglied der ABN Amro.

Als einen neuen Trend sehen Investmentbanker künftige Unternehmensübernahmen an, die bereits jetzt vertraglich festgelegt werden. Als Grund für diese Transaktionen nennen Experten die Steuerreform. Diese ermöglicht es Unternehmen, Beteiligungen ab 2002 steuerfrei zu veräußern. Das betrifft Banken und Versicherungen, die sich von nicht strategischen Beteiligungen trennen wollen. Auch Großkonzerne können sich von Unternehmensteilen verabschieden, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. So hatte der Elektronikkonzern Bosch den Automatisierungsspezialisten Rexroth kürzlich von der Siemens AG lediglich gepachtet. Experten sehen dies als Vorstufe für einen späteren Kauf an. Die steuerlich motivierten Transaktionen werden nach Einschätzung von Borggreve im Sommer anlaufen. Für diese Zeit rechnet er damit, dass die Welle ins Rollen kommt.

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