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19.02.2002

19:00 Uhr

Spezialsoftwarehaus schreibt horrende Verluste – Wechsel an den Geregelten Markt

SER trennt sich erneut von Tafelsilber

Der Verlauf des Aktienkurses seit Anfang Februar nahm bereits vorweg, was viele Händler in den am Dienstag veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2001 vermuteten: Das Spezialsoftwarehaus SER Systems aus Neustadt/Wied steckt in der tiefsten Finanzkrise seit der Gründung 1984.

scc FRANKFURT/M. Ein Überleben des einstigen Stars am Neuen Markt ist nur dann möglich, wenn weitere Tochterfirmen verkauft werden. Nachdem zur Tilgung von Bankschulden bereits im letzten Vierteljahr die Schweizer Tochtergesellschaft sowie die SER Banking Software im Rahmen eines Management-Buyouts (MBO) verkauft wurden, sollen nun auch die Töchter in Deutschland und Österreich sowie ein Teil der US-Tochter an das jeweilige Management verkauft werden.

Mehrere deutsche Banken, darunter die SER-Hausbank M.M.Warburg, hatten im zweiten Quartal 2001 die Sicherheiten für Kredite zunehmend kritischer beurteilt und diese daraufhin im vierten Quartal fällig gestellt.

Die Gefahr einer drohenden Insolvenz, vor der zuletzt unter Frankfurter Händlern immer wieder die Rede war, ist damit jedoch vorerst vom Tisch. Ende Januar wurde bereits durch einen Banken-Poolvertrag der Fortbestand des Unternehmens gesichert. SER hat sich im Gegenzug dazu verpflichtet, weitere Vermögensgegenstände und vor allem Tochterunternehmen zu verkaufen, was hiermit geschehen ist. Um die Kosten für die hohen Publizitätspflichten zu sparen, wechselt das Unternehmen zudem zum 1. Mai vom Neuen Markt an den Geregelten Markt.

Die dann dort gelistete SER Systems AG will sich vor allem auf strategische Beteiligungen konzentrieren, hieß es gestern aus Neustadt/Wied. Wesentlicher Unternehmensgegenstand soll eine 15-%-Beteiligung an der SER US-Holding bleiben. Dadurch will sich SER die Möglichkeit erhalten, vom geplanten Börsengang an die US-Technologiebörse Nasdaq zu profitieren. Ob es angesichts der finanziellen Schieflage der Mutter dazu kommt, erscheint vielen Experten fraglich und bedürfte vor allem eines auch in den USA besseren Börsenumfeldes. Die SER-Aktie fiel am Dienstag um über 20 % auf 0,37 Euro. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein rieten beispielsweise zuletzt erneut zum Reduzieren der Aktie.

Die Gründe für die derzeitige finanzielle Schieflage von SER liegen vor allem an hohen Aufwendungen für die Bilanzbereinigung und Neubewertung der gesamten SER-Gruppe. Allein an Einmaleffekten wurde die Bilanz im vergangenen Jahr mit 139 Mill. Euro belastet. Insgesamt stieg dadurch der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 163,5 Mill. Euro, nachdem im Vorjahr an dieser Stelle noch ein Gewinn von 19,7 Mill. Euro stand. Wegen der schon seit dem vergangenen Sommer anhaltenden Gerüchte um die angespannte Finanzsituation des Unternehmens hielten sich auch Kunden mit Aufträgen zurück. Der Umsatz sank gegenüber 2000 von 185,3 auf 149 Mill. Euro.

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