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04.05.2003

14:44 Uhr

Spezialtruppe GSG9 soll in die Sahara

Algerien bestätigt: Sahara-Touristen leben

Die algerische Regierung hat erstmals bestätigt, dass die 31 verschwundenen Sahara-Touristen leben und mit den mutmaßlichen Entführern verhandelt wird. "Den Touristen geht es sehr gut, es gibt Verhandlungen", sagte Tourismusminister Lakhdar Dorbani am Sonntag vor einer Parlamentskommission in Algier.

HB/dpa ALGIER/BERLIN. Er ging nach einem Bericht des algerischen Rundfunks jedoch nicht auf die Frage ein, mit wem verhandelt werde. Innenminister Noureddine Zerhouni hatte zuvor bereits mitgeteilt, die 31 seien "höchstwahrscheinlich am Leben".

Die Touristen seien von den Entführern in mehrere Gruppen aufgeteilt worden und würden in dem felsigen Tamelrik-Massiv etwa 150 Kilometer nordwestlich der Stadt Illizi festgehalten, berichtete die in Algier erscheinende Tageszeitung "El Watan" am Sonntag. Unter den Entführten sind 15 Deutsche, zehn Österreicher und vier Schweizer.

Notfalls soll nach Informationen der Berliner Zeitung "Tagesspiegel" die Anti-Terror-Einheit GSG9 die Sahara-Touristen befreien. Das Kanzleramt habe für den Fall einer unumgänglichen Befreiungsaktion den Einsatz der GSG9 angeboten, berichtete das Blatt am Sonntag unter Berufung auf "inoffizielle Angaben aus der Regierung".

Einen Einsatz der GSG9 will das Kanzleramt demnach aber erst in Betracht ziehen, wenn Gespräche mit den Geiselnehmern zu keinem Ergebnis führen. Die Elitetruppe könne dann zusammen mit algerischen Einheiten zum Zuge kommen. Die in Sankt Augustin bei Köln stationierten Spezialisten für Geiselbefreiungen bereiteten sich schon länger auf einen möglichen Algerien-Einsatz vor, schreibt das Blatt. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe den Chef des Krisenstabes, Staatssekretär Jürgen Chrobog, in geheimer Mission nach Algier geschickt, um mit der Regierung das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die GSG9 machte im Oktober 1977 international Schlagzeilen: Damals stürmten die Spezialisten die von einem palästinensischen Terrorkommando nach Mogadischu (Somalia) entführte Lufthansa-Maschine "Landshut". Alle Geiseln wurden unverletzt befreit, drei der vier Luftpiraten erschossen.

Schröder bat den algerischen Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika erneut, alles zu versuchen, um eine friedliche Lösung herbeizuführen. Das bestätigte ein Sprecher des Bundespresseamtes in Berlin. Auch die Schweiz forderte von der algerischen Regierung, alles zu tun, um das Leben der Touristen nicht zu gefährden.

Die Gegend, wo die Geiseln festgehalten werden, sei nur mit Kamelen erreichbar und übersät mit Grotten, berichtete "El Watan". Bei einer militärischen Befreiungsaktion drohten viele Tote. Auch die Aufteilung in Gruppen mache eine Befreiung schwierig. Das algerische Militär zögere daher und setze "sehr auf Zeit".

"Das Militär hat schon vor knapp drei Wochen Verhandlungen mit den Entführern aufgenommen", heißt es in dem Bericht weiter. Niemand wisse dabei genau, was die Geiselnehmer wollten. Sehr wahrscheinlich handele es sich um eine Bande, die Lösegelder erpressen wolle. Bislang hätten die Entführer aber kein Geld für ihre Geiseln verlangt, heißt es in mehreren Presseberichten.

Die letzten Nachrichten ebenso wie Kleidungsstücke der Verschollenen sind nach den Worten des algerischen Innenministers am 28. April in der südalgerischen Wüstenregion "westlich und südlich von Illizi" gefunden worden. "Die Chancen stehen gut, dass wir sie finden", sagte Zerhouni im algerischen Radio.

Zuletzt hatte der französische Rundfunksender RFI gemeldet, die Touristen seien von Schmugglern entführt worden. Spekuliert wird aber auch über eine Entführung durch Islamisten oder Mitglieder des Terrornetzwerkes von El Kaida.

Angehörige der verschwundenen deutschen Touristen sprachen sich in einem Brief an die Bundesregierung gegen eine militärische Befreiungsaktion aus. Berlin solle entsprechend auf die algerische Regierung einwirken, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" (München). Oberstes Ziel müssten "friedliche Verhandlungen" sein.

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