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15.02.2003

15:30 Uhr

Spieler vor Militärdienst

Bitteres Ende für Stanges „Irak-Mission"

Enttäuscht und verbittert hat sich Bernd Stange auf den Weg zurück in das heimatliche Jena aufgemacht. Die zunehmende Kriegsgefahr in seinem Gastland hat die Arbeit des 54-jährigen Fußball-Lehrers als Nationaltrainer des Iraks beendet. Nach der Aufforderung der deutschen Botschaft, das Land unverzüglich zu verlassen, reiste Stange von Bagdad nach Jordanien, berichtete seine Familie. Dort wollte er auf einen Flug nach Deutschland warten.

Bernd Stange Foto: dpa

Bernd Stange Foto: dpa

HB/dpa BERLIN/BAGDAD. "Es zeichnet sich ab, dass die Spieler der Nationalmannschaft und der Olympia-Mannschaft zum Militärdienst eingezogen werden. Ich habe niemanden mehr zum Trainieren. Meine Mission ist beendet", erklärte der Trainer am Freitag im "ARD-Morgenmagazin".

Stange, der seit dem 10. November vergangenen Jahres einen Vertrag bis zur WM 2006 als irakischer Nationalcoach besitzt, hält eine friedliche Lösung in der Irak-Krise nicht mehr für wahrscheinlich: "Der Krieg ist längst eine ausgemachte Sache." Bomben auf die Menschen im Irak und seine Spieler seien die schlechteste aller Lösungen, betonte der ehemalige Auswahlcoach der DDR. "Ich weiß nicht, ob ich nach dem Krieg meine Spieler lebend wieder sehen werde." Eigentlich wollte Stange mit der Olympia-Auswahl am 5. April gegen Vietnam antreten, jetzt geht er "mit gemischten Gefühlen".

Zum zweiten Mal nach dem Olympia-Boykott 1984 sieht sich Stange von "politischen Ränkespielen Mächtiger" an seiner sportlichen Aufgabe gehindert. Die DDR-Auswahl hatte sich für die Spiele in Los Angeles qualifiziert, der "Ostblock" aber ließ seine Sportler als Reaktion auf die Nichtteilnahme einiger westlicher Länder vier Jahre zuvor in Moskau nicht in die USA reisen.

Andererseits bereue er keinen Tag im Irak, machte Stange deutlich, der inzwischen von "meinen Spielern" spricht. "Ich habe den Menschen hier etwas gegeben, habe über 100 Trainer ausgebildet, habe Begeisterung entfacht, habe einen Generalplan für die WM 2006 ausgearbeitet. Das ist für vier Wochen eine ganze Menge." Als Trainer habe er unbeeinflusst arbeiten können, nie sei er zu politische Erklärungen aufgefordert worden. Doch in deutschen Medien äußerte er immer deutlicher. "Es trifft die ohnehin Ärmsten", betonte Stange, der sich eindeutig auf die Seite derjenigen Menschen geschlagen habe, "die gegen diesen idiotischen Krieg sind".

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