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17.04.2003

07:34 Uhr

Spitzenpolitiker der Bundesregierung können ihr Image bei der Wirtschaft verbessern

Unmut trifft Merkel mit voller Wucht

VonBurkhard Ewert

Dass deutsche Wirtschaftsführer eher der Union vertrauen, ist kein Geheimnis. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse des neuen Business-Monitors: Während Schröder & Co. im Aufwind sind, leidet die Opposition.

DÜSSELDORF. Die Union ist bei den deutschen Top-Managern derzeit nicht wohl gelitten. In der April-Umfrage des Handelsblatt Business-Monitors mussten CDU und CSU wie auch die Oppositionsführerin Angela Merkel kräftige Imageverluste hinnehmen. Die befragten Unternehmer und Führungskräfte kritisieren Partei und Person in einem Maße, wie es das gesamte vergangene Jahr nicht der Fall gewesen ist. Umgekehrt erhalten die Regierungsparteien bessere Noten als zuvor, ebenso das Personal aus dem Kabinett des Kanzlers.

Konkret geben die 866 für das Handelsblatt befragten Top-Entscheider sowohl der Union als auch Merkel nur noch eine Gesamtnote von 3,5. Besonders hart ist der Sturz für die Parteichefin: Sie hatte sich noch im März über eine Note von 3,0 freuen können. Inzwischen stuft mit 51 % mehr als die Hälfte der Befragten Merkels Leistungen als "schlecht" oder sogar "sehr schlecht" ein. Dieser Anteil hat sich damit binnen eines Monats in etwa verdoppelt. Der Anteil wohlwollender Einschätzungen ("gut" und "sehr gut") hat sich dagegen halbiert.

In der Gunst der Entscheider fällt Merkel in der April-Umfrage erstmals seit der Bundestagswahl vom September hinter Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) und den grünen Außenminister Joschka Fischer zurück. Sie schneidet mittlerweile auch schlechter ab als die allgemeine Oppositionsarbeit der Union. Diese finden "nur" 45 % der Befragten "schlecht" oder "sehr schlecht

".

Das Image der Union bei deutschen Top-Entscheidern nähert sich damit den Urteilen über die FDP und Guido Westerwelle. Die Liberalen (3,6) und ihr Parteichef (3,7) werden in der Gesamtnote wie seit Jahresbeginn unverändert kritisch begutachtet und liegen nun nur noch knapp vor der Koalition.

Kanzler Gerhard Schröder und sein SPD-geführtes Kabinett sind die Nutznießer des Meinungswandels der Führungskräfte. Die Reformpläne, die der Bundesregierung auf der linken Seite schmerzen, kommen ihr bei der Wirtschaft zu Gute: So steigt die Zufriedenheit der Führungskräfte mit der Politik des Kabinetts seit Jahresbeginn kontinuierlich. Im April erhält die Koalition immerhin die Note 3,9, nachdem die Wirtschaftselite die rot-grünen Wahlsieger im Dezember noch mit der Note 4,4 abgestraft hatte. "Offenbar gelingt es der Regierungskoalition, sich nicht zuletzt auf Grund fehlender Schlagkraft und mangelnder Geschlossenheit der Opposition aus ihrem absoluten Imagetief herauszumanövrieren", sagt Hans-Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer des Psephos-Institus, das die Daten für das Handelsblatt erhebt.

Die monatliche Umfrage belegte im vergangenen halben Jahr zudem mehrfach, dass auch die deutschen Manager hinter der Schröderschen Irak-Politik stehen und den Krieg - anders als etwa Angela Merkel - für überflüssig und ungerechtfertigt halten. Als Hauptmotiv hatte die Mehrheit strategische, innenpolitische und wirtschaftliche US- Interessen angegeben.

Trotz der verbesserten Werte dominiert aber weiter die Kritik an der Bundesregierung das Meinungsbild unter den Wirtschaftsführern. Die Skala der Noten reicht von 1 bis 5 - absolut betrachtet ist 3,9 also kein rühmlicher Wert. Zudem finden nur 28 %, das Kabinett mache seine Sache "gut" oder "befriedigend".

Etwas verbessert hat sich wieder die Durchschnittsnote für Außenminister Fischer: Sie stieg von 3,1 auf 3,0. Die Amtsführung des Grünen - Politikers loben im April 27 % der Top-Manager als "gut" oder sogar "sehr gut". Ebenfalls im Aufwärtstrend ist Finanzminister Hans Eichel (SPD) - nach einem Rückschlag im März wird er nun mit 4,0 bewertet.

Nach wie vor weitaus besser als der Kanzler und sein Kassenwart kommt "Superminister" Clement in den deutschen Chefetagen an. Bei einer gegenüber März unveränderten Note von 3,2 bewerten 16 % die Arbeit des Ministers für Wirtschaft und Arbeit als "gut", immerhin die Hälfte findet die Ergebnisse seines Tagewerks "befriedigend".

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Das Ziel des Handelsblatt Business-Monitors ist es, kontinuierlich zu ermitteln, wie Spitzen-Manager die Arbeit von Bundesregierung und Opposition beurteilen, wie sie Standortfaktoren und deren Entwicklung einschätzen und welche Stellung sie in aktuellen Fragen der politischen Diskussion beziehen. Im Auftrag des Handelsblattes befragt das Psephos-Institut für Wahlforschung und Sozialwissenschaft deshalb neunmal jährlich ein repräsentatives Panel von Führungskräften der deutschen Wirtschaft. Im Rahmen des Business-Monitors für April wurden 866 Führungskräfte vom 27. März bis zum 11. April 2003 telefonisch mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Die Ergebnisse können mit den üblichen statistischen Schwankungsbreiten auf die Gesamtheit der ersten Führungsebene von deutschen Unter- nehmen mit mehr als 100 Beschäftigten übertragen werden.

Zusätzlich zur Berichterstattung im Handelsblatt werden die Erhebungen in rund 50-seitigen Berichtsbänden detailliert aufgeschlüsselt, etwa nach Branchen, Regionen, Unternehmensgröße und Alter der Befragten. In den Bänden sind sämtliche Fragen und Antworten enthalten sowie mit Erläuterungen versehen. Auch der Vergleich über längere Zeitreihen ist möglich. Um Ihnen die Detaildaten zugänglich zu machen, sind die Bände gedruckt und digital einzeln und im Jahresabo erhältlich.

Weitere Informationen zu Preisen und Konditionen unter: Tel.: 040 /43 13 03 34 E-Mail: hb.businessmonitor@

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