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05.03.2003

15:31 Uhr

Sponsoren sind verunsichert

Heldenstatus in Gefahr

Nicht einmal der gravierende Fehler im verlorenen Finale konnte Oliver Kahns Heldenstatus nach der WM etwas anhaben. Dagegen sind die Auswirkungen seines medial ausgeschlachteten Ehebruchs auf Ansehen und Auftreten des weltbesten Torhüters noch nicht abzusehen.

Oliver Kahn ist als Werbeträger (noch) gefragt. Foto: dpa

Oliver Kahn ist als Werbeträger (noch) gefragt. Foto: dpa

HB/dpa MÜNCHEN. Von DFB-Teamchef Rudi Völler über Vereinscoach Ottmar Hitzfeld bis hin zu Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer erhielt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern München zwar moralische Unterstützung. Doch die Sponsoren des Werbeträgers Kahn, der in den kommenden Tagen zum zweiten Mal Vater werden wird, sind wegen seiner Affäre mit einer anderen Frau stark verunsichert.

Augen zu und durch? Auf dem Platz muss der weltbeste Torhüter beweisen, wie unerschütterlich sein Nervenkostüm ist, alles andere ist Privatsache. "Ich fühle mich im Kopf momentan robuster denn je", versichert Kahn in einem "Sport-Bild"-Interview. Doch die nach der WM immer extremer sichtbaren Veränderungen in Kahns Aussehen und Auftreten abseits des Fußballplatzes scheinen Ausdruck für die innerliche Zerrissenheit des 33-Jährigen zu sein.

Disco-Ausflüge, teure Klamotten, Gel-Frisur, Ferrari und die Bestätigung lange Zeit geleugneter Eheprobleme rücken Kahn plötzlich in ein öffentliches Licht, in das er tunlichst nicht geraten wollte. "Ich bin weder Boris Becker, noch bin ich der Dieter Bohlen des Sports", betonte Kahn noch Ende letzten Jahres, als sein Privatleben immer häufiger die Klatschspalten der Zeitungen erobert hatte.

In der "Bunten" gibt Kahn zu, dass sein "Perfektionsstreben" als Sportler ihn daran hindere, ein glücklicher Mensch zu sein. Der Überdruck, immer der Beste sein zu wollen, benötigt ein Ventil. Auf dem Platz äußert sich das wie beim Würgegriff gegen den Leverkusener Thomas Brdaric. Und privat? "Eine Fußballer-Ehe ist immer gefährdet. Fußballer sind viel unterwegs, weg von der Familie, genießen Glanz und Ruhm. Das kann zu ehelichen Problemen führen", sagt Kahn nach seiner aufgeflogenen Affäre in einem "Bunte"-Interview.

Beckenbauer betrachtet aus eigener Erfahrung zumindest das lautstarke Medien-Echo als ein temporäres Problem: "Nächste Woche treibt man wieder eine andere Sau durchs Dorf", sagte der Bayern-Präsident. Tatsächlich war die Kahn-Affäre am Mittwoch erstmals nicht mehr der Aufmacher auf den Titelseiten der Münchner Boulevard- Zeitungen.

Abgesehen von den Konsequenzen für den Privatmann Kahn und dessen Familie, könnte sie den Fußball-Profi neben Sympathien auch Geld kosten. Neben dem geschätzten Jahresgehalt von rund 5 Mill. ? als Topverdiener beim FC Bayern soll Kahn weitere 2,5 Mill. ? pro Jahr mit Werbung verdienen. Kein anderer deutscher Kicker ist so begehrt als Werbeträger. Kahns Berater Ludwig Karstens räumte ein, dass die derzeit sechs Vertragspartner von Kahn "verunsichert" seien. Durchaus verständlich: Schließlich hat etwa der japanische Reifenhersteller "Bridgestone" für den einheimischen Markt einen Werbespot mit Kahn gedreht, der den Torwart in heiler Familienwelt zeigt; Frau und Tochter werden allerdings von Werbe-Models dargestellt.

Karstens will nicht über mögliche negative Auswirkungen für den Werbe-König reden. "Was immer gefragt war bei der Positionierung von Oliver Kahn, war seine sportliche Reputation, sein Auftreten als Sportler, sein Siegeswille, seine Motivation", sagte Karstens. Bei den "Adelholzener Alpenquellen" dürfte man dennoch froh sein, dass die Partnerschaft mit Kahn, die man ursprünglich "gerne verlängern wollte", im vergangenen November zerbrach. Der Getränke-Hersteller befindet sich in klösterlichem Besitz.

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