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11.02.2014

11:14 Uhr

Amerikanischer TV-Sender

Kritik an NBC wird immer lauter

Seit 1988 überträgt NBC Olympische Spiele. Doch selten stand der TV-Sender so sehr in der Kritik. Weiche Berichterstattung, Fokussierung auf die Primetime und das Fehlen eines US-Stars machen dem Sender das Leben schwer.

Sie war das Gesicht der Spiele in Vancouver: Doch ein Medienstar wie Lindsey Vonn fehlt den US-Amerikanern in diesem Jahr. dpa

Sie war das Gesicht der Spiele in Vancouver: Doch ein Medienstar wie Lindsey Vonn fehlt den US-Amerikanern in diesem Jahr.

BostonDer amerikanische TV-Sender NBC überträgt seit 1988 Olympische Spiele. Diesmal gestaltet sich die Arbeit besonders schwer: Es fehlt ein echter Star, zudem erwarten die Zuschauer nicht nur sportliche Berichterstattung.

Gern denken sie beim amerikanischen TV-Sender NBC an die Winterspiele in Vancouver zurück. Vor vier Jahren konnten viele Entscheidungen zur besten Sendezeit live übertragen werden, Team USA gewann mit 37 Mal Edelmetall die meisten Medaillen und der Sport stand klar im Vordergrund. In Sotschi fehlt NBC nach der verletzungsbedingten Absage von Skistar Lindsey Vonn das Gesicht der Spiele, zudem eine klare Haltung zum Anti-Homosexuellen-Gesetz der russischen Regierung sowie - das haben die ersten Tage gezeigt - Fingerspitzengefühl für das Sehverhalten der Zuschauer.

„Wie wird NBC die Homosexuellen-Rechte während der Winterspiele behandeln?“, hatte der nationale Radio-Sender NPR gefragt. Chad Griffin, Präsident der Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign betonte: „NBC hat die einzigartige Gelegenheit, Millionen amerikanischer Olympia-Zuschauer über Russlands unmenschliche Übergriffe auf die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen aufzuklären.“

Die TV-Anstalt hatte zumindest angekündigt, diese Themen aufzugreifen. Allerdings klang Produktionsleiter Jim Bell eher diplomatisch: „Wir sind nicht dort, um jemandem mit einem spitzen Stock ins Auge zu stechen, aber wir werden auch nicht davor zurückschrecken, darüber zu berichten.“ Bob Costas, der seit 1992 seinen Landsleuten die Olympischen Spiele als NBC-Frontmann in die Wohnzimmer bringt, meinte: „Wenn Wladimir Putin seinen Hintern nicht in unser Studio bewegt, dann werden wir über die Homosexuellen-Rechte ohne ihn reden. Wenn er jedoch zu uns kommen will, diskutieren wir mit ihm darüber.“

Das klang vielversprechend, dennoch überwog die Skepsis. NBC hat bei den Sommerspielen 2008 in Peking viel Kritik für seine weiche Berichterstattung einstecken müssen. Die „New York Post“ betitelte den Sender damals gar als „Olympischen Cheerleader.“ Und zum Auftakt von Sotschi hat der TV-Gigant diesen Ruf bestätigt. Angeblich aus Zeitnot wurde aus der Eröffnungsrede von IOC-Präsident Thomas Bach die Passage herausgekürzt, in der er zur Toleranz während der Spiele aufrief.

Dabei könnte sich NBC ausführlich allen Themen widmen, es gibt mehr Sendefläche denn je. Für 775 Millionen Dollar sicherte sich die Medienanstalt die Übertragungsrechte und hat weitere 250 Millionen Dollar in die Produktionskosten investiert. NBC berichtet über fünf TV-Programme 1539 Stunden aus Sotschi - das sind mehr als die Übertragungen aus Turin 2006 und Vancouver 2010 zusammen. Hinzu kommen mehr als 1000 Stunden live via NBCOlympics.com. Die Marktforschungsgruppe Kantar Media geht von 5500 Werbeminuten und einem Preis von 96 000 Dollar pro 30-Sekunden-Clip aus. Sollte diese Rechnung aufgehen, würde rund eine Milliarde Dollar an Werbeeinnahmen in die NBC-Kassen fließen - mehr als je zuvor.

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