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02.07.2012

12:32 Uhr

Anstoß - die EM-Kolumne

Von wegen Goldene Generation

VonPatrick Kleinmann

Nein, der Jahrgang um Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Lukas Podolski ist keine Goldene Generation, ob sie einen Titel holen oder nicht. Die großen deutschen Jahrgänge kommen erst - und haben noch viel Zeit.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski kurz vor ihrer ersten Nominierung für die A-Nationalmannschaft picture-alliance

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski kurz vor ihrer ersten Nominierung für die A-Nationalmannschaft

DüsseldorfJetzt hat es die Goldene Generation der Spanier also geschafft - sie sind Europawelteuropameister geworden. Drei Titel in Folge, das ist wirklich golden. Die vier übrig gebliebenen Spieler der letzten Goldenen Generation der Italiener unterlagen im Finale, die Goldenen Generationen der Polen, Ukrainer, Russen, Tschechen, Dänen und Kroaten sind schon länger raus. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass der Begriff etwas inflationär benutzt wurde, seit er zum ersten Mal im Zusammenhang mit der portugiesischen Auswahl um Luis Figo, Paulo Sousa und Rui Costa auftauchte - vor allem bei der abgelaufenen EM.

Am häufigsten fiel dieses Quasi-Stigma - schließlich holten die Portugiesen keinen einzigen nennenswerten internationalen Titel - im Zusammenhang mit der deutschen Nationalmannschaft. Genauer gesagt im Zusammenhang mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und ansatzweise auch Lukas Podolski. Als die beiden Bayern-Spieler im Mai bereits zum zweiten Mal innerhalb von 24 Monaten den Champions-League-Sieg durch eine Finalniederlage verpassten, kamen die Diskussionen über die „unvollendete Goldene Generation“ zum ersten Mal auf, nach dem erneuten Verpassen der Krönung mit dem Nationalteam ließ sich derselbe Medienreflex feststellen. Aber warum eigentlich?

Das Jahr 2000 wird als die große Zäsur in die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes eingehen. Nach einer katastrophalen Europameisterschaft und dem kläglichen Ausscheiden nach der Vorrunde wurden endlich Maßnahmen ergriffen, um die seit 1990 steigende spielerische Baisse zu bekämpfen. Die Jugend-Förderung wurde forciert, 392 Stützpunkte gegründet, inzwischen müssen Erst- und Zweitligisten über ein Nachwuchszentrum verfügen, um die Lizenz zu erhalten. Der Jahrgang um Bastian Schweinsteiger hatte von diesen Förderungen noch nicht so viel. Er war vielmehr der letzte, der den größten Teil seiner Zeit in Jugendauswahlen mit den alten Strukturen durchlief.

Die Namen der Spieler der U21-Mannschaft, mit denen Schweinsteiger und Podolski 2004 kurz vor der ersten Nominierung in den A-Kader ihr letztes Jugend-Länderspiel bestritten, sprechen für sich: Moritz Volz, Andreas Görlitz, Robert Huth, Maik Franz, Guiseppe Gemiti, David Odonkor, Sascha Riether, Christoph Preuß, Markus Feulner, Benjamin Auer, Mike Hanke. So wirklich nachhaltig hat von diesen Akteuren keiner auf sich aufmerksam machen können. Man könnte etwas böse sogar sagen, dass es eine der schlechtesten Nachwuchsmannschaften der DFB-Geschichte war. Schweinsteiger, Podolski und der ebenfalls gelegentlich mitspielende Per Mertesacker waren Ausnahmen, nicht die Regel. Von einer Goldenen Generation zu sprechen ist schlicht Unfug.

Wenn man diesen Ausdruck unbedingt benutzten möchte, sollte man ihn für die U21 um Mesut Özil und Sami Khedira benutzen, die 2009 durch ein 4:0 gegen England Europameister wurden. Aus der Finalelf standen in Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng, Mats Hummels, Khedira, Özil und Marcel Schmelzer gleich sieben Spieler im EM-Aufgebot 2012. Dieser Jahrgang ist der erste, in dem sich die DFB-Jugendarbeit bezahlt gemacht hat, alleine deshalb sind sie auch nicht dieselbe Generation wie Schweinsteiger und Co. Das Gute: Es wird nicht der letzte auffällige Jahrgang sein.

Das verlorene EM-Halbfinale ist mit Sicherheit eine weitere verpasste Chance auf einen internationalen Titel für Lahm, Schweinsteiger und Podolski – für die deutsche Nationalmannschaft ist es nur ein Aufschub.

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