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30.06.2014

10:32 Uhr

Anstoß – Die WM-Kolumne

Der Islam kennt keinen Fußballgott

VonAnis Micijevic

Am Samstag hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Für die muslimischen WM-Spieler wird das Achtelfinale somit zum körperlichen Härtetest. Betroffen sind Algerien, Frankreich, Belgien, Nigeria – und auch Deutschland.

Algeriens Islam Slimani bejubelt einen Treffer gegen Südkorea mit einer Gebetshaltung. Wird der Fastenmonat Ramadan zum sportlichen Handicap im Achtelfinale gegen Deutschland? dpa

Algeriens Islam Slimani bejubelt einen Treffer gegen Südkorea mit einer Gebetshaltung. Wird der Fastenmonat Ramadan zum sportlichen Handicap im Achtelfinale gegen Deutschland?

Die gläubigen muslimischen WM-Spieler stecken vor den Achtelfinals in einer Zwickmühle. Denn am Samstag hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Er gilt im Islam als heiliger Monat, da in diesem Monat der Überlieferung nach dem Propheten Mohammed der Koran verkündet wurde.

Fasten ist in diesem Monat bis auf wenige Ausnahmen Pflicht und gehört zu einer der fünf Säulen des Islams. Und hier liegt das Problem für die muslimischen Profis bei der WM: Sie müssen sich entscheiden, ob sie ihre Glaubenspflicht erfüllen oder körperlich fit in die Achtelfinal-Partien starten wollen. Die extremen klimatischen Bedingungen in Brasilien lassen beide Optionen gleichzeitig kaum zu.

Denn während des Fastens von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist auch jegliche Flüssigkeitszufuhr verboten. Die Spieler dürften also auch direkt vor, während und nach den Spielen kein Wasser trinken. Leistungsabfälle, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen wären noch die harmlosesten Folgen einer solch extremen körperlichen Belastung. Wahrscheinlicher sind ernsthafte gesundheitliche Schäden.

Von der Glaubensfrage betroffen sind beispielsweise der französische Stürmer Karim Benzema und Belgiens Marouane Fellaini, aber auch Mesut Özil, Sami Khedira und Shkodran Mustafi aus dem deutschen Team, darüber hinaus fast die gesamte algerische Mannschaft.

Özil hat bereits vor dem letzten Vorrundenspiel gegen die USA angekündigt, nicht zu fasten: „Ich kann da leider nicht mitmachen, weil ich arbeite. Das kommt für mich leider nicht infrage“, sagte der DFB-Profi mit türkischen Wurzeln in Recife.

Özils Argumentation ist freilich nicht islamkonform, denn auch der arbeitenden muslimischen Bevölkerung ist das Fasten im Ramadan vorgeschrieben. Ausnahmen gelten lediglich für Kinder, die noch nicht in die Pubertät gekommen sind, Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter oder Frauen in der Menstruation. In Saudi-Arabien kippen aus diesem Grund viele Bauarbeiter während des Ramadans in der Wüstensonne um.

Kommentare (1)

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Herr Robert Piro

03.07.2014, 14:56 Uhr

In der Tat sind waehrend des Ramadan deutliche Produktivitaetsrueckgaenge in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften zu beobachten. Umgehen kann man damit in Gesellschaften die hohen Lebenstandard ohne Uebermass an natuerlichne Ressourcen erwirtschaften muessen nur durch Urlaub. Ramadan muss die Zeit sein, in der Arbeitnehmer, die dieser Fastenpflicht nachkommen wollen, ihren Urlaub nehmen. Man sollte sich auch ueberlegen ob nicht Schulferien flexibel auf den Ramadan verlegt werden oder ob es von muslimischer Seite die Moeglichkeit gibt den Ramadan zu einer festen Zeit abzuhalten anstatt ihn am Mondkalender zu orientieren.

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