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15.07.2014

18:44 Uhr

Anstoß – die WM-Kolumne

Ich hab ja nicht mehr dran geglaubt

VonLisa Hegemann

Es sprach so viel gegen diesen Titel. Die Verletzung von Marco Reus, die Inszenierung der DFB-Elf, die drei vergangenen WMs. Die Autorin hatte das Aus im Viertelfinale vorausgesagt. Sie hatte noch nie so gerne Unrecht.

Unverhofft kommt oft: Lukas Podolski und der WM-Pokal. dpa

Unverhofft kommt oft: Lukas Podolski und der WM-Pokal.

Als ich Philipp Lahm den Weltmeisterpokal in die Luft recken sah, als die Nationalmannschaft am Dienstag in Berlin aus dem Flieger stieg, als ich die ganzen jubelnden Menschen auf den Straßen beobachtete: Ich konnte es nicht fassen. Selbst jetzt kann ich es noch nicht fassen. Deutschland ist Fußballweltmeister. 

Ich gebe zu: Ich war einer der Skeptiker. Wobei skeptisch vielleicht noch zu vorsichtig ist. Ich habe schlichtweg nicht daran geglaubt. Ich war einer derjenigen, die auf das Fehlen von Talenten wie Marco Reus und Ilkay Gündogan hinwies, auf die noch lange nicht genesenen Führungsspieler Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, auf die Taktik von Jogi Löw, die irgendwie immer in den entscheidenden Spielen nicht zu greifen schien, auf die ganze Inszenierung.

Die Weltmeister in Berlin: „Unser Ding ist noch nicht zu Ende“

Die Weltmeister in Berlin

„Unser Ding ist noch nicht zu Ende“

Berlin im Ausnahmezustand: Hunderttausende Fans haben den Weltmeister in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer empfangen. Vor dem Brandenburger Tor bedanken sich Löw, Neuer, Müller & Co. bei ihren Anhängern.

Ganz objektiv betrachtet, sahen die Chancen nicht gut aus. Es gab viele Teams, die stärker erschienen, allen voran natürlich Brasilien und Spanien, aber auch die Niederlande und Geheimfavoriten wie Belgien. Und wirklich geheime Favoriten wie Costa Rica, die man erst im Viertelfinale überhaupt wahrnahm.

Und dann war da das deutsche Team. Marco Reus, der große Impulsgeber – verletzt. Schweinsteiger und Khedira – noch nicht wieder ganz fit. Unser einziger echter Stürmer Miroslav Klose, ein guter, klar, aber auch schon 36 Jahre alt. Philipp Lahm begann nicht auf der rechten Seite (auch, wenn er meines Erachtens nach als Sechser auch nicht annähernd so schlecht spielte, wie einige „Experten“ meinten). Und Mesut Özil war nach seiner Saison bei Arsenal London nicht unbedingt in der Form seines Lebens (und wartet mit seinem brillanten Moment offenbar noch auf die nächste Weltmeisterschaft).  

Vor dem Turnier handelten manche das DFB-Team schon wieder als Favoriten. Ach, die ewige Favoritenrolle. 2006 und 2010 begeisterte die DFB-Elf mit grandiosem Offensivfußball, zeigte schöne Spiele – und verlor dann doch. Und genau so begann auch diese WM wieder: mit vier Toren im Eröffnungsspiel. Gut, 2006 hieß der Gegner Costa Rica, 2010 Australien. Portugal gehörte da schon einer anderen Klasse an. Aber trotz der Dominanz saß die Angst zu tief, dass die Mannschaft es eben doch wieder nicht packt.

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