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01.07.2014

17:04 Uhr

Anstoß – Die WM-Kolumne

Mit Mustafis WM-Aus endet ein Missverständnis

VonChristoph Henrichs

Raketenhafter Aufstieg, Überforderung, WM-Aus: Das Mustafi-Chaos ist Sinnbild für den gefährlichen Wankelmut des Jogi Löw. Die Probleme sind hausgemacht – denn für Löw sind Taktikänderungen ein Zeichen von Schwäche.

Per Hauruck in Kader und Startelf: Jetzt muss sich Shkodran Mustafi von einem Achterbahnsommer erholen und wieder fit werden. dpa

Per Hauruck in Kader und Startelf: Jetzt muss sich Shkodran Mustafi von einem Achterbahnsommer erholen und wieder fit werden.

„Ich muss erst einmal realisieren, was gerade passiert ist. Ich habe das alles noch gar nicht richtig verstanden.“ Was Shkodran Mustafi nach seinem WM-Debüt im ersten Gruppenspiel gegen Portugal sagte, fasst die aktuelle Gemütslage vieler Fans zusammen. Ja, „wir“ sind im Viertelfinale, aber mit mehr Glück als Verstand – und einem Bundestrainer, der abwechselnd stur seine eigenen Prinzipien durchreitet und im nächsten Moment seine eigenen Pläne und Entscheidungen achtlos über Bord wirft.

Mit dem Testspiel gegen Chile im März dieses Jahres begann die Nationalmannschaftskarriere des Verteidigers Shkodran Mustafi. Den jungen Italien-Legionär hatten bis dato die wenigsten Fußballfans auf ihrer Rechnung gehabt. Und zunächst schien es so, dass Mustafi auf jener Rechnung auch weiterhin nicht aufgeführt werden müsste. Denn gegen Chile kam der 22-Jährige nicht zum Einsatz, auch im Testspiel gegen Kamerun drückte Mustafi 90 Minuten lang die Bank. Sein Länderspieldebüt gab er mit einer bunt zusammengewürfelten U21-Auswahl im Langweiltest gegen Polen, der offensichtlich keine Implikationen für die WM in Brasilien haben konnte.

Folgerichtig verabschiedete sich Löw von Shkodran Mustafi nach dem Trainingscamp in Südtirol. Mustafi packte die Koffer für seinen Ibiza-Urlaub und der Bundestrainer freute sich über die von ihm zusammengestellte Mannschaft: Von den endgültig nominierten Profis sei er „zu 100 Prozent überzeugt“. Es sei ein „ausgewogener Kader“ – ohne Mustafi.

Handelsblatt-Autor Christoph Henrichs schreibt über die WM.

Handelsblatt-Autor Christoph Henrichs schreibt über die WM.

Dann wandelte sich das Bild: Der Ibiza-Urlauber, erst lediglich „eine weitere Option für den Defensivbereich“, avancierte plötzlich unerklärlicherweise und bar jeder Logik zum defensiven Stammjoker. Mustafi rückte für die verletzte Offensiv(!)kraft Marco Reus in den WM-Kader, und fand sich prompt beim ersten WM-Gruppenspiel gegen Portugal auf dem Rasen wieder. „Ich habe das alles noch gar nicht richtig verstanden“? Kein Wunder, denn das war nicht zu verstehen. Jogi Löw hatte sich ja schließlich und eigentlich für Matthias Ginter entschieden. Ihn hatte er im Trainingslager in Südtirol sowohl im defensiven Mittelfeld eingesetzt als auch rechts hinten – nebenbei bemerkt jener Position, auf der Philipp Lahm jahrelang Weltklasse bewies.

Kommentare (3)

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Herr Michael K

01.07.2014, 17:45 Uhr

"Raketenhafter Aufstieg" (Schlepptau), Überforderung, WM-Aus - für den Trainer ist das schon seit langem überfällig.
Wir haben einer der besten Spielergeneration seit langem, aber die schlechteste Führung/Management.
Die Leistung vor zwei Jahren gegen Italien hat dieses Bild mehr als deutlich gemacht – schade – oder noch Schlimmer
wenn die sich zum Titel „durchstolpern“ – auch wenn ich es jedem Spieler wünschen würde.

ABER --- Hhhhsssss – ….. (Gründe werden sich finden)

Herr Jens Kaup

02.07.2014, 11:15 Uhr

Löws Irrationalität und sein Schwanken zwischen Wankelmütigkeit und Staarsinn gut analysiert! Und auf der linken Abwehrseite hat er sich ja eine ähnliche Baustelle geschaffen. Eigentlich ist die ganze Mannschaft eine Baustelle - und das bei dem Spielermaterial!!!

Herr Ylander Ylander

02.07.2014, 12:37 Uhr

Ich sehe da viele Parallelen zwischen Löw und Merkel, wie Bruder und Schwester. Und wahrscheinlich könnten die beiden ihre Jobs tauschen, käme in etwa auf dasselbe hinaus.

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