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22.06.2014

11:31 Uhr

Anstoß - die WM-Kolumne

Wechselbad in Schweiß und Bierdusche

VonChristoph Henrichs

Im Gegensatz zur Partie gegen Portugal gerät das zweite Gruppenspiel Deutschlands zum Nervenkrimi. Doch die Fans blicken eine Weile gar nicht aufs Spielfeld.

Schon am Samstagmorgen ist für die deutschen Fans in Fortaleza ein spürbarer Unterschied im Vergleich zur Portugal-Begegnung auszumachen: Die Sonne ist heißer, die Luft drückender, es braut sich etwas zusammen. Die Strandpromenade auf dem Weg zur Shuttle-Bus-Haltestelle ist fest im Griff der deutschen Trikotträger, Ghanaer sind kaum zu sehen.

Die deutschen Anhänger grüßen sich, oft unbekannterweise, und prosten sich mit brasilianischem Dosenbier zu. Und das fließt in Strömen, schließlich wird das Spiel erst um 16 Uhr Ortszeit angestoßen, nicht wie gegen Portugal schon um 13 Uhr.

Einerseits bestärkt der Biergenuss die Wiedersehensfreude im Fanblock der Deutschen: Man trifft die Hamburger Sitznachbarn aus dem Portugal-Spiel wieder und begegnet zufällig den Stuttgartern, mit denen man in Salvador am gleichen Restauranttisch ein Spiel der Brasilianer geschaut hatte.

Handelsblatt-Autor Christoph Henrichs schreibt über die WM.

Handelsblatt-Autor Christoph Henrichs schreibt über die WM.

In dem Sinne kommt, auch angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit weißer Trikots im Stadion, fast schon Heimspielidylle und routinierte Vorfreude im Fanblock auf. Andererseits reagieren einige Fans unter Alkoholeinfluss aufbrausend.

Denn wieder, wie in Salvador, gibt es mit den Stadionordnern Stress wegen deutschen Bannern und Fahnen an den Stadionbrüstungen. Doch im Gegensatz zu den irgendwann resignierenden Sicherheitskräften in Salvador wird den Kollegen in Fortaleza der deutsche Arenaschmuck offenbar zu bunt: Kurz nach Anpfiff betreten sie in Gruppen den Block und reißen die Plakate herunter.

Das daraufhin ausbrechende Pfeifkonzert gilt nicht den gemächlich tastenden Querpassrochaden der deutschen Elf, sondern den Fifa-Regularien. Die Kontroll- und Verbotswut des Weltverbandes trifft auf die Sturheit der weitgereisten Fans, die auf dem Turnier einen Fingerabdruck hinterlassen wollen, für das sie Tausende Euro lassen.

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