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12.07.2014

11:55 Uhr

ARD-Kommentator

Das ist Tom Bartels' Masterplan fürs WM-Finale

Tom Bartels kommentiert am Sonntag für die ARD das WM-Finale. Mehr als 30 Millionen Menschen werden ihm zuhören. Kein leichter Job. Warum seine Vorfreude dennoch größer ist als die Aufregung und wie er sich vorbereitet.

Größer als das Lampenfieber ist bei Fußball-Reporter Tom Bartels die Vorfreude auf das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien. Für seinen Endspiel-Kommentar hat er bereits einen Masterplan. dpa

Größer als das Lampenfieber ist bei Fußball-Reporter Tom Bartels die Vorfreude auf das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien. Für seinen Endspiel-Kommentar hat er bereits einen Masterplan.

Rio de JaneiroFrühe Anreise, kein Alkohol, viel Schlaf: Tom Bartels bereitet sich ähnlich penibel wie das deutsche Nationalteam auf das WM-Finale gegen Argentinien am Sonntag vor. „Spezielle Konzentrationsübungen mache ich nicht“, berichtet der ARD-Kommentator der Nachrichtenagentur dpa zwei Tage vor dem Endspiel in Rio.

„Ich versuche immer, ausgeschlafen und hellwach zu sein“, ergänzt der 48-Jährige. Die Vorfreude auf das dritte Final-Duell der beiden Fußball-Länder ist beim Fernsehmann deutlich größer als sein Lampenfieber.

„Um Gottes willen, nein. Es ist ein Traum, dass Deutschland mit dabei ist“, antwortet Bartels auf die Frage, ob ein Endspiel ohne das DFB-Team nicht einfacher zu kommentieren wäre. „Nach diesem unglaublichen Halbfinale will doch jeder wissen, wie es weitergeht.“

Wie geht der Elfer rein?

Die optimale Treffer-Taktik

Fußballer treffen zu fast 100 Prozent, wenn sie den Schuss im richtigen Moment verzögern, sagt Prof. Armin Kibele, Sportwissenschaftler der Uni Kassel. Aus Zeitgründen müssten sich Torhüter vorab für eine Ecke entscheiden und versuchen zu erahnen, wohin der Ball geht. „Wenn der Schütze unmittelbar vor dem Schuss seinen Anlauf verzögert und den Sprung des Torhüters – oder dessen Stehenbleiben – abwartet, hat er ein Zeitfenster von etwa 100 bis 150 Millisekunden, um den Ball in die freie Ecke zu platzieren“, sagt Kibele.
(Quelle dpa)

Verheerende Fehler

Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen – wie beim Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger im Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea. „Im Video erkennt man deutlich, dass Schweinsteiger seinen Anlauf zu früh verlangsamt“, sagt Kibele. Der erfahrene Chelsea-Torhüter Petr Cech hatte so Gelegenheit, selber eine Bewegung anzutäuschen, was Schweinsteiger offenbar verunsicherte. Die Folge: Der Bayern-Star setzte den Elfmeter an den Innenpfosten, Chelsea gewann die Champions League.

Die Risiko-Variante

Der Wirtschaftswissenschaftler Christian Rieck von der Fachhochschule Frankfurt (University of Applied Sciences) verfolgt eine andere Theorie: Um mehr Tore beim Elfmeterschießen zu erzielen, sollten Schützen sich möglichst unberechenbar verhalten. Konkret hieße das, seltener in die bevorzugte Ecke und etwas öfter in die Mitte zu schießen, da der Torwart in den meisten Fällen in eine Ecke springe.

Der Geheimtipp für Torhüter

Die Spieler müssten ihre Entscheidung für eine Ecke oder die Mitte „optimal mischen“, sagte Rieck der dpa. Dieser optimale Mix hänge von der bevorzugten Seite des Schützen ab. Torhüter wiederum seien im Vergleich zu den Feldspielern weniger berechenbar. Riecks Tipp für sie: Vermehrt in die starke Ecke des Schützen springen. Entschieden sich beide Spieler für die Mitte, hielten die Torhüter den Ball in allen Fällen.

Das sagt die Statistik

Die Strategie haben die Wissenschaftler basierend auf 402 untersuchten Elfmetern errechnet. Demnach sollten Schützen mit einer Wahrscheinlichkeit von 42 Prozent ihre starke Ecke, mit 41 Prozent ihre schwache und mit 17 Prozent die Mitte wählen. Tatsächlich schießen sie aber zu oft in ihre starke (50 Prozent) und zu selten in ihre schwache Ecke (37 Prozent) oder in die Mitte (13 Prozent). Ein rein rational entscheidender Torwart müsste mit einer Wahrscheinlichkeit von 52 Prozent die starke Seite des Schützen, mit 38 Prozent dessen schwache Seite und mit 10 Prozent die Mitte wählen.

Der ARD-Mann hatte sich früh auf ein Match mit der Löw-Auswahl eingerichtet. Im Mai, als seine Nominierung längst feststand, tippte er vor WM-Beginn auf ein Finale zwischen Deutschland und Spanien. Es wäre die Neuauflage des EM-Endspiels von 2008 gewesen, das Bartels ebenfalls im Ersten kommentiert hatte.

Nun ist also Argentinien der Gegner. Auch nicht schlecht, findet der gebürtige Niedersache. „Messi kennt jeder, genau wie Manuel Neuer. Da muss ich nicht bei jedem Spieler immer die Vereinsnamen nennen“, sagt Bartels.

Natürlich weiß er, dass Philipp Lahm am Sonntag der deutsche Rekordkapitän bei WM-Turnieren wird, dass das DFB-Team den vierten Stern und Argentinien den dritten Titel holen kann. Aber Zahlen sind nicht alles. „Statistisches Material muss dosiert eingesetzt werden. Ich lege mehr Wert auf Analyse und Hintergrund-Infos, etwa über die Art, wie Eckbälle getreten werden“, erklärt der frühere Fußballer.

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