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24.06.2011

07:13 Uhr

Aufstieg des Frauenfußballs

Nieder mit der Porzellan-Prämie

Ein Kaffeeservice als Titelprämie? Frauenfußball leidet seit Jahrzehnten unter Mangel an Respekt. Das Umdenken ist noch lange nicht abgeschlossen und der Weg dorthin steckt voller skurriler Anekdoten.

Die frühere Frauenfußball-Nationalspielerin Petra Landers posiert vor ihrer Prämie aus Porzellan. Quelle: dapd

Die frühere Frauenfußball-Nationalspielerin Petra Landers posiert vor ihrer Prämie aus Porzellan.

BonnVor gut 20 Jahren spielte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft noch für ein Kaffeeservice. Diese Siegprämie gab es vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für den Europameistertitel 1989. Immerhin war es der erste große internationale Erfolg eines offiziellen DFB-Teams. Doch die DFB-Oberen geizten. Das weiße Porzellan mit zarten blauen und roten Blüten war nicht nur peinlich, sondern obendrein nur zweite Wahl: „1-b-Ware“ aus dem Hause Villeroy & Boch. Darüber können die heutigen Kickerinnen nur lächeln: Für den Gewinn des WM-Titels im eigenen Land würde jede Spielerin eine Prämie von 60.000 Euro erhalten.

Nicht nur das hat sich geändert. Aus dem früher bespöttelten „Damen“-Fußball wurde professioneller Frauenfußball mit athletischen, konditionsstarken und taktisch gut geschulten Spielerinnen. Es gibt neben EM und WM sowie einem Olympia-Turnier auch eine Bundesliga und eine Champions League. Liveübertragungen von Länderspielen sorgen für ein Millionenpublikum. Inzwischen gibt es nach DFB-Angaben 13.420 Frauenfußballteams in Deutschland.

Fakten zur WM: die Ersten & Besten

Eingenetzt

Mit 14 Toren bei vier Turnieren ist die Deutsche Birgit Prinz die erfolgreichste WM-Torschützin. Mit fünf Toren 1991 gegen Chinese Taipei hat die US-Amerikanerin Michelle Akers die meisten Tore in einem WM-Spiel erzielt.

Quelle: Fifa

Zwei Titel, drei Finals

Ein eher exklusiver Kreis von 19 Spielerinnen (7 amerikanische und 12 deutsche) hat bereits zwei WM-Titel auf dem Konto. Als Einzige stand Birgit Prinz schon dreimal im WM-Finale: 2003 und 2007 bei den beiden WM-Siegen Deutschlands sowie 1995 in der ersten Hälfte bei der Niederlage gegen Norwegen.

Dauerbrenner

Kristine Lilly (USA) ist die einzige Spielerin, die bei allen fünf WM-Turnieren mit von der Partie war. Ebenfalls einmalig sind die 30 WM-Spiele, in denen sie zum Einsatz gekommen ist.

Blitzschnell

Drei Tore wurden bei der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft in der ersten Spielminute erzielt. Den schnellsten Treffer erzielte 1991 die Schwedin Lena Videkull im Spiel gegen Japan. Schon nach 30 Sekunden traf sie zum 1:0. Zweitschnellste war die Kanadierin Melissa Tancredi, die 2007 gegen Australien nach 37 Sekunden die Führung erzielte. Auf Rang drei folgt die US-Amerikanerin Lori Chalupny, die 2007 gegen Nigeria den Ball nach 54 Sekunden im Tor versenkte.

Alt und Jung

Ifeanyi Chiejine aus Nigeria ist die jüngste Spielerin, die bei einer WM zum Einsatz gekommen ist. Sie lief 1999 im Alter von 16 Jahren und einem Monat gegen Dänemark auf. Mit 39 Jahren und fünf Monaten ist Meg aus Brasilien die älteste Spielerin. Sie spielte 1991 gegen Schweden.

Titel-Hamster

Nadine Angerer ist die erfolgreichste Torhüterin der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. In ihrer beispiellosen Karriere hat die 31-Jährige bereits 14 Titel gewonnen, darunter zwei Weltmeister- und vier Europameistertitel.

Erste Pfeife

1991 stand mit der Brasilianerin Claudia Vasconcelos erstmals eine Schiedsrichterin bei einem Fifa Wettbewerb im Einsatz. Sie leitete das Spiel um Platz drei zwischen Schweden und Deutschland (4:0).

Männer müssen zuhören

Caroline Morace war die erste Frau, die 1999 mit Viterbese in der dritten italienischen Division ein Profiteam der Männer trainierte. Heute ist sie Trainerin der kanadischen Frauenauswahl.

Erste Treffer - vorn wie hinten

Am 16. November 1991 erzielte die Chinesin Ma Li im Eröffnungsspiel gegen Norwegen in der 22. Minute den ersten Treffer bei einer Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. Der Neuseeländerin Terry McCahill kommt die zweifelhafte Ehre zu, bei einer WM das erste Eigentor erzielt zu haben. Gegner? Norwegen, nur drei Tage später. Bei der 0:4-Niederlage am 19. November netzte sie zum 0:1 ins eigene Tor ein.

Drei Mal ins Glück

Der erste WM-Hattrick geht auf das Konto der Italienerin Carolina Morace. Beim 5:0-Sieg Italiens am 17. November 1991 gegen Chinese Taipei schoss sie drei Tore. Morace ist heute Nationaltrainerin Kanadas und Fifa-Botschafterin für Frauenfußball.

Strafstoß muss sein

Den ersten Elfmeter versenkte am 19. November 1991 die Deutsche Bettina Wiegmann im Spiel gegen Chinese Taipei. Drei Tage zuvor war die Norwegerin Tone Haugen beim ersten Strafstoss in der WM-Geschichte an der Chinesin Zhon Honglian gescheitert.

Blick zurück: In Taiwan wurde 1981 erstmals eine inoffizielle Weltmeisterschaft ausgetragen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit aber noch kein Nationalteam. Der DFB schickte kurzerhand den deutschen Meister SSG 09 Bergisch Gladbach nach Fernost. Allerdings ohne jede finanzielle Unterstützung. „Der Verein musste die Flüge zahlen, die Spielerinnen nahmen ihren Jahresurlaub“, berichtet die Historikerin Bettina Bab, die sich für eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum in die Geschichte des Frauenfußballs vertieft hat.

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