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12.07.2014

15:03 Uhr

Brasilien gegen die Niederlande

Das Null-Bock-Spiel

Bei der Fußball-WM spielen am Abend Brasilien und die Niederlande um den ungeliebten dritten Platz. Die Elftal hat offenkundig keine Lust auf die Partie. Die Seleção eigentlich auch nicht, doch sie hat noch eine Aufgabe.

Da hilft auch kein Lamentieren. Jetzt haben Hulk und Co. das Spiel, „das wir nicht spielen wollten“. Reuters

Da hilft auch kein Lamentieren. Jetzt haben Hulk und Co. das Spiel, „das wir nicht spielen wollten“.

BrasiliaDie Seleção kämpft um ihre Würde, den Niederländern ist ihr letztes WM-Spiel fast schon egal. Bevor Deutschland und Argentinien im Maracanã das krönende Endspiel dieser Fußball-Weltmeisterschaft bestreiten, müssen sich die geschlagenen Halbfinalisten noch einmal zur Begegnung um den dritten Platz aufraffen.

„Wir haben jetzt alles beweint, was es zu beweinen gab. Und jetzt versuchen wir, am Samstag zu spielen und die Partie zu gewinnen“, meinte Brasiliens verletzter Superstar Neymar. Oranje-Flügelflitzer Arjen Robben schimpfte dagegen vor dem Mini-Finale (22.00 Uhr/ZDF) in Brasília: „Es zählt nicht. Es geht nur um eine Sache, und das ist der Pokal.“

Bondscoach Louis van Gaal erkannte nach seiner Schimpftirade über den Wettstreit, der für Jugendturniere angemessen sei, dann aber doch noch einen Sinn: Noch nie sei eine niederländische Mannschaft bei der WM ohne Niederlage geblieben: „Das wollen wir jetzt erreichen.“

Sein Team erhielt nach dem Scheitern im Elfmeterkrimi aus der Heimat nur Respektsbekundungen, der Gastgeber musste sich nach dem blamablen 1:7 gegen Deutschland sogar öffentlich entschuldigen.

Wann steht Neymar wieder auf dem Platz?

Was ist passiert?

Beim Spiel gegen Kolumbien brach sich Neymar den dritten Lendenwirbel – Kolumbiens Verteidiger Juan Zúñiga war ihm mit dem Knie in den Rücken gesprungen. Vor Schmerzen weinend wurde der Superstar mit einer Trage vom Spielfeld gebracht. Anschließend trat er mit einem Stützkorsett den Rückflug nach Rio de Janeiro an.

Wie schlimm ist das?

„Es ist natürlich eine ernsthafte Verletzung für einen Leistungssportler“, erklärt der Vize-Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft, Daniel Rosenthal. „Es ist aber nichts, was seine Karriere zunichtemacht.“ Dem Mediziner zufolge kann der Körper einen solchen Bruch bei der richtigen Therapie restlos heilen.

Wie sieht so eine Therapie aus?

In den kommenden zwei Wochen muss Neymar dem Fachmann zufolge erstmal „die Hauptschmerzphase“ überstehen. Dazu gehören neben seinem Stützkorsett auch viel Ruhe und Liegen. „Danach kann man physiotherapeutische Maßnahmen einleiten“, sagt der Experte. Konkret bedeutet das: Vorsichtig wieder belasten und Dehnübungen machen.

Wann kann Neymar wieder spielen?

Eine solche Therapie dauert dem Fachmann zufolge etwa zwei Monate. „Danach kann er wieder spielen“, kündigt Rosenthal an. Wie lange Neymar dann tatsächlich auf dem Platz durchhält, sei zwar offen. Zumindest das Training dürfte aber möglich sein.

Wie häufig sind solche Verletzungen?

Brüche der Wirbel machen nach Daten der Techniker Krankenkasse zwei Prozent aller Knochenbrüche aus. Zu einem Wirbelbruch kommt es demnach vor allem dann, wenn große Kräfte von außen einwirken. „Im Alltag wird es einem normalen Bürger nicht passieren“, beruhigt Fachmann Rosenthal. „Das passiert in Kontaktsportarten, wo große Kräfte entfaltet werden.“ - In Neymars Fall war das der Schlag von hinten.

Wie reagieren die Fans?

Neymars WM-Aus hat Fans und Sportwelt gleichermaßen schockiert. Viele drückten auf Twitter oder Facebook ihr Mitleid aus und wünschten dem Angreifer gute Besserung. Zugleich löste das heftiges Foul des Kolumbianers eine Welle der Empörung aus. Auch der zuständige Schiedsrichter steht mittlerweile am Pranger. TV-Experte Mehmet Scholl twitterte zum Beispiel: „Ich bin richtig sauer und richtig enttäuscht. Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder die Vorgabe haben, brutale Fouls nicht zu stoppen.“

Einigermaßen verzeihen werden die fußballverrückten Brasilianer wohl nur, wenn der Rekord-Weltmeister wenigstens noch die Niederlande schlägt. Im Duell der Verlierer gehe es darum, „den Menschen in Brasilien ein Stück Freude zurückzugeben“, sagte Coach Luiz Felipe Scolari.

Jetzt, meinte Hulk, haben wir ein Spiel, „das wir nicht spielen wollten“. Sein Mitspieler Dani Alves räumte als einziger Brasilianer ein, dass er keine große Lust auf das Spiel um die Bronzemedaillen hat: „Ich habe immer um erste Plätze gekämpft. Und wenn ich das nicht kann, ziehe ich es vor, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen“, sagte der Profi vom FC Barcelona. Da er seinen Stammplatz verloren hat, wird er wohl ohnehin nur auf der Bank sitzen.

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