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14.08.2012

09:23 Uhr

Britta Heidemann im Interview

„Viele Sportler können nicht für später vorsorgen“

VonIna Karabasz

In London überzeugte Fechterin Britta Heidemann, holte Silber. Allerdings fürchtet sie, dass vielen Sportarten der Nachwuchs abhanden kommt - Schuld sei auch die mangelnde finanzielle Unterstützung durch Verbände.

Britta Heidemann hat 2008 Gold und 2012 Silber geholt - und spart nun nicht mit Kritik. dpa

Britta Heidemann hat 2008 Gold und 2012 Silber geholt - und spart nun nicht mit Kritik.

KölnHandelsblatt Online: Frau Heidemann, Sie haben in Peking die Gold- und nun in London die Silbermedaille gewonnen. Müssen Sie sich eigentlich noch Sponsoren suchen, oder kommen die auf Sie zu?

Britta Heidemann: Erstaunlicherweise war es in den letzten vier Jahren immer so, dass ich angesprochen worden bin. Wahrscheinlich haben sie mich in den Medien gesehen oder bei Veranstaltungen oder es sich rumgesprochen. Es ist toll mit Visa auch einen olympischen Hauptsponsor auf meiner Seite zu haben. Das hat mich noch mehr motiviert. Es tut gut zu wissen, dass an einen geglaubt wird. Das wirkt sich auch psychisch aus. Man hat dann irgendwie ein gutes Gefühl und das hat mich auch mitgetragen.

Können Sie es deswegen nachvollziehen, dass Athleten sich über mangelnde finanzielle Unterstützung des DOSB beschweren?

Es ist schon lange ein Problem des deutschen Sports, dass wenig Geld bei den Athleten direkt ankommt. Für viele ist es schwierig, sich zu finanzieren. Der olympische Sport sollte auch im Rahmen einer dualen Karriere als Beruf anerkannt werden. Die meisten olympischen Sportler können während ihrer aktiven Zeit nicht für später vorsorgen. Das hält viele Nachwuchsathleten davon ab, sich für den Spitzensport zu entscheiden.

Heißt das, Deutschland könnte im Medaillenspiegel immer mehr abrutschen?

Weltweit wird das Niveau einfach immer höher, weil viele Nationen viel Geld investieren und die Trainingsmöglichkeiten auch in Ländern wie China deutlich besser geworden sind. Deutschland muss sich an den internationalen Standard anpassen. Auf einem semi-professionellen Level können es viele Sportarten nicht mehr ganz nach oben schaffen. In Deutschland sollte eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion darüber stattfinden, welcher Wert dem olympischen Leistungssport zukünftig beigemessen werden soll.

Was sollte getan werden?

Wir brauchen professionelle Strukturen innerhalb der Verbände. Oft scheitert es an Kleinigkeiten, wie schlechter Kommunikation, dass vielleicht mal hier oder da eine Chance liegen gelassen wird. Ich denke, dass zum Beispiel Olympia-Siege von Peking 2008 nicht umfangreich und optimal als Werbung für den Sport genutzt worden sind.

Kommentare (7)

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SabineM

14.08.2012, 10:34 Uhr

Viele normale Arbeitnehmer können ebenfalls nicht für später vorsorgen. UND sie bekommen auch keine fetten Pensionen wie viele Sportler, die nebenbei noch beim Bund oder der Polizei "arbeiten".

OliverS.

14.08.2012, 10:47 Uhr

Vielleicht sollte sich Frau Heidemann zunächst selbst einen professionellen Kommunikationsberater zulegen, bevor sie anderen Ratschläge verteilt. Bei Olympia im Nachganginterview zur Silbermedaille platte Werbung für das eigene Buch zu machen, ist wirklich unterste Schublade und negiert den olympischen Grundgedanken bis ins bodenlose.

Hermann.12

14.08.2012, 11:03 Uhr

Es ist eine Frage der Perspektive, wie man den Sachverhalt beurteilt. Aus Sicht des ehrgeizigen Spitzensportlers ist die hier vertretene Ansicht nachvollziehbar.
Ich persönlich lehne den Spitzensport ab, eben weil er gar kein Sport mehr ist.
Olympia, das war mal der Gedanke vom Amateursport im internationalen Wettbewerb. Dieser Gedanke ist gescheitert.
Olympia ist leider mittlerweile ein Betrug. Die Anziehungskraft resultiert aus der Annahme eines fairen Wettbewerbs, aber dieser Wettbewerb ist vom Geld bestimmt und damit ein Geschäft.
Die meisten Bürger scheint das nicht zu stören, ich sehe darin aber eine Vergewaltigung des Sports, der eine Freizeitbeschäftigung sein sollte, eben ohne Leistungsdruck, nur mit Leistungsfreude.
Selbst der Jugendsport ist voll von falschem Ehrgeiz und entsprechenden Prioritäten, die mit dem Sport und der individuellen Leistung immer weniger zu tun haben. Eben weil Geld eine Rolle spielt.
Wenn es aber nicht um "Brot und Spiele" gehen soll oder der poltischen Selbstdarstellung von Staaten, sondern um die Freude an der Bewegung und am reinen Messen von Kraft und Geschicklichkeit, dann ist Geld schlicht fehl am Platze weil die Leistung wesentlich von finanziellen Möglichkeiten bestimmt wird und das ist eine Pwervertierung des Sportgedankens.
Daran habe ich kein Interresse, weshalb ich nicht einen olympischen Wettkampf gesehen habe und auch wohl kaum noch je einen verfolgen werde.

H.

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