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28.06.2013

08:42 Uhr

Confed Cup

Turnier endet mit schalem Beigeschmack

Der Confed-Cup war sportlich einer der besten jemals, doch für die Organisatoren hätte die PR nicht schlechter laufen können. Der Umgang mit den Protesten misslang den Funktionären der Fifa um Präsident Blatter gründlich

Alles total toll! Fifa-Präsident Joseph Blatter macht gute Mine zum Spiel der Teams von Brasilien und Uruquay im Halbfinale des Confed-Cups im Belo Horizonte Stadion. Vor den Toren fanden heftige Proteste statt – doch davon will Blatter nichts wissen. ap

Alles total toll! Fifa-Präsident Joseph Blatter macht gute Mine zum Spiel der Teams von Brasilien und Uruquay im Halbfinale des Confed-Cups im Belo Horizonte Stadion. Vor den Toren fanden heftige Proteste statt – doch davon will Blatter nichts wissen.

Rio de JaneiroWenn Joseph Blatter am Sonntag über den roten Teppich zum Traumfinale zwischen Brasilien und Spanien ins Maracanã schreitet, wird er sich bestimmt wieder als glücklicher Präsident bezeichnen. Die politischen und logistischen Widrigkeiten beim sportlich so attraktiven Confederations Cup hat der FIFA-Chef beharrlich beiseitegeschoben. Ein einziger Blick nach oben beim Einmarsch in Brasiliens Fußball-Heiligtum müsste Blatter aber genügen, um selbst ein bisschen nachdenklich zu werden. Direkt über dem VIP-Eingang des Maracanã verrät eine bestenfalls halbfertig wirkende Spritzbetondecke, dass bis zur WM 2014 noch einiges zu tun ist am Zuckerhut.

Qualitative Aussagen von Blatter zur WM-Generalprobe waren bislang rar. Der FIFA-Chef beschränkte sich darauf, die Massenproteste auf den Straßen herunterzuspielen und von seinem Edelprodukt fernzuhalten. „Das sind soziale Probleme Brasiliens und nicht des Fußballs. Der Fußball bringt nur Freude, nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt“, lautete sein Statement. Öffentliche Auftritte gab es von Blatter abseits der Spiele nach dem Pfeifkonzert von Brasilia beim Eröffnungsspiel kaum. Zwischendurch war er eine Woche bei der U-20-WM in der Türkei.

In Brasilien musste Generalsekretär Jérôme Valcke die Image-Brände löschen und schließlich feststellen, dass es für die FIFA schwer wird, die Herzen der Menschen im Land des Fußball-Rekordweltmeisters zu erreichen. „Ich glaube nicht, dass es das Ziel der FIFA ist, von der Welt geliebt zu werden“, sagte der Franzose. Die Demonstrationen im ganzen Land erwischten die FIFA dennoch gänzlich auf dem falschen Fuß. „Wir hatten keine Anzeichen, dass das geschehen würde und definitiv keine Anzeichen, dass es diese Ausmaße annehmen würde“, sagte Valcke.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

Der Schaden war aber da. In Brasilien wird die FIFA von ihren Kritikern als ökonomischer Ausbeuter gesehen. International wurde der Weltverband reflexartig an den Pranger gestellt. „Wir müssen das Bild und die Wahrnehmung in der Welt verändern, was die FIFA ist und was die FIFA macht“, sagte Valcke. Sein Chef Blatter leistete mit seinen unsensiblen Statements zu den Demonstrationen sicherlich nicht den ersten Beitrag dazu.

Doch die FIFA-Maschine für eine neue Außendarstellung lief schon an. Und das mit teilweise skurrilen Zügen. Für einen schon lange abgeschlossenen und für Großereignisse wie die WM üblichen Champagner-Deal rechtfertigte man sich öffentlich. Die Lizenzgebühren in Höhe von etwa 230 000 Euro werden gespendet. Tue Gutes und rede darüber, soll offenbar das neue Motto sein.

Auch die brasilianische Regierung hat die Lektion gelernt. Am Donnerstag wurde eine Mitteilung verfasst, welche Wohltaten die WM ökonomisch für das Land bringt. 3,6 Millionen Arbeitsplätze würden durch die WM geschaffen, fast drei Milliarden Euro unter anderem in die städtische Verkehrsinfrastruktur investiert, nicht viel weniger zudem in den Ausbau der Flughäfen.

Die Geschichte dieses Confederations Cups hat viele ironische Züge. Bitter für die FIFA war, dass im Schatten der Proteste unterging, dass vieles besser lief als erwartet. Das ganz große Organisationschaos blieb nämlich aus. Doch auch der Umkehrschluss ist erlaubt. Denn die Dinge, die logistisch doch schiefgingen, wurden von der auf Demos und Gewalt fixierten Öffentlichkeit ebenso ignoriert. Fehlende Infrastruktur im Transportwesen, schlechte Hotels selbst für die Mannschaften sowie schöne und funktionsfähige, aber keineswegs fertige Stadien prägten auch das Bild beim WM-Testlauf, inklusive der Spritzbetondecke über dem VIP-Eingang im Maracanã.

Von

dpa

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