Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2011

11:11 Uhr

Damenfußball-Bundesliga

Dornröschenschlaf trotz Heim-WM

Fußball-Deutschland hat zwar eine Märchen-Prinz, doch auch die Topstürmerin lockt keine Zuschauermassen in die Bundesliga-Stadien. Die WM in Deutschland soll Dornröschen wach küssen - allerdings weiß niemand genau wie.

Lichtgestalten: Birgit Prinz und Conny Pohlers. Dennoch bleiben die Stadien. Quelle: dpa

Lichtgestalten: Birgit Prinz und Conny Pohlers. Dennoch bleiben die Stadien.

FrankfurtNach der Weltmeisterschaft soll die Frauenfußball-Bundesliga aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Doch Märchenprinzen sind nicht in Sicht, und selbst die Spitzenfunktionäre des Deutschen Fußball-Bundes, der 20 Millionen Euro in die Nachhaltigkeitskampagnen rund um die WM gesteckt hat, sind skeptisch. „Den Transfer von der Nationalmannschaft auf die Bundesliga hinzubekommen, das ist kein Automatismus, sondern wird die größte Herausforderung überhaupt“, sagt DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Keine 900 Zuschauer hatte das Oberhaus mit zwölf Teams in der vergangenen Saison durchschnittlich, es gab auch Partien wie VfL Wolfsburg gegen SG Essen-Schönebeck mit offiziell 118 Besuchern. „Wir haben um die 2000, in drei bis fünf Jahren werden wir die Zuschauerzahl verdoppelt haben“, prophezeit Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt und von zahlreichen Nationalspielerinnen wie Birgit Prinz, Nadine Angerer oder Kim Kulig. Er spricht von einer „neuen Dimension“, in die der Frauenfußball nach der WM vorstoßen wird, räumt aber gleichzeitig ein: „Es wird nicht alles auf einmal anders sein.“

Fakten zur WM: die Ersten & Besten

Eingenetzt

Mit 14 Toren bei vier Turnieren ist die Deutsche Birgit Prinz die erfolgreichste WM-Torschützin. Mit fünf Toren 1991 gegen Chinese Taipei hat die US-Amerikanerin Michelle Akers die meisten Tore in einem WM-Spiel erzielt.

Quelle: Fifa

Zwei Titel, drei Finals

Ein eher exklusiver Kreis von 19 Spielerinnen (7 amerikanische und 12 deutsche) hat bereits zwei WM-Titel auf dem Konto. Als Einzige stand Birgit Prinz schon dreimal im WM-Finale: 2003 und 2007 bei den beiden WM-Siegen Deutschlands sowie 1995 in der ersten Hälfte bei der Niederlage gegen Norwegen.

Dauerbrenner

Kristine Lilly (USA) ist die einzige Spielerin, die bei allen fünf WM-Turnieren mit von der Partie war. Ebenfalls einmalig sind die 30 WM-Spiele, in denen sie zum Einsatz gekommen ist.

Blitzschnell

Drei Tore wurden bei der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft in der ersten Spielminute erzielt. Den schnellsten Treffer erzielte 1991 die Schwedin Lena Videkull im Spiel gegen Japan. Schon nach 30 Sekunden traf sie zum 1:0. Zweitschnellste war die Kanadierin Melissa Tancredi, die 2007 gegen Australien nach 37 Sekunden die Führung erzielte. Auf Rang drei folgt die US-Amerikanerin Lori Chalupny, die 2007 gegen Nigeria den Ball nach 54 Sekunden im Tor versenkte.

Alt und Jung

Ifeanyi Chiejine aus Nigeria ist die jüngste Spielerin, die bei einer WM zum Einsatz gekommen ist. Sie lief 1999 im Alter von 16 Jahren und einem Monat gegen Dänemark auf. Mit 39 Jahren und fünf Monaten ist Meg aus Brasilien die älteste Spielerin. Sie spielte 1991 gegen Schweden.

Titel-Hamster

Nadine Angerer ist die erfolgreichste Torhüterin der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. In ihrer beispiellosen Karriere hat die 31-Jährige bereits 14 Titel gewonnen, darunter zwei Weltmeister- und vier Europameistertitel.

Erste Pfeife

1991 stand mit der Brasilianerin Claudia Vasconcelos erstmals eine Schiedsrichterin bei einem Fifa Wettbewerb im Einsatz. Sie leitete das Spiel um Platz drei zwischen Schweden und Deutschland (4:0).

Männer müssen zuhören

Caroline Morace war die erste Frau, die 1999 mit Viterbese in der dritten italienischen Division ein Profiteam der Männer trainierte. Heute ist sie Trainerin der kanadischen Frauenauswahl.

Erste Treffer - vorn wie hinten

Am 16. November 1991 erzielte die Chinesin Ma Li im Eröffnungsspiel gegen Norwegen in der 22. Minute den ersten Treffer bei einer Fifa Frauen-Weltmeisterschaft. Der Neuseeländerin Terry McCahill kommt die zweifelhafte Ehre zu, bei einer WM das erste Eigentor erzielt zu haben. Gegner? Norwegen, nur drei Tage später. Bei der 0:4-Niederlage am 19. November netzte sie zum 0:1 ins eigene Tor ein.

Drei Mal ins Glück

Der erste WM-Hattrick geht auf das Konto der Italienerin Carolina Morace. Beim 5:0-Sieg Italiens am 17. November 1991 gegen Chinese Taipei schoss sie drei Tore. Morace ist heute Nationaltrainerin Kanadas und Fifa-Botschafterin für Frauenfußball.

Strafstoß muss sein

Den ersten Elfmeter versenkte am 19. November 1991 die Deutsche Bettina Wiegmann im Spiel gegen Chinese Taipei. Drei Tage zuvor war die Norwegerin Tone Haugen beim ersten Strafstoss in der WM-Geschichte an der Chinesin Zhon Honglian gescheitert.

Das Jahresbudget von Pokalsieger und Rekordmeister Frankfurt beträgt derzeit 1,5 Millionen Euro, Dietrich will es in den nächsten zwei Jahren auf 2,5 Millionen steigern. „Die Wahrnehmung des Frauenfußballs hat einen neuen Grad erreicht, die Sponsoren sehen ihn als Boomsportart“, meint er. Doch wie genau die erwartete Begeisterung um die WM genutzt werden soll, darüber herrscht noch Uneinigkeit.

Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen hofft auf ein Halbprofitum, doch nur in Frankfurt können nach Angaben Dietrichs derzeit 15, 16 Spielerinnen vom Fußball leben. DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg sagt: „Es hat keinen Sinn, dass alle Nationalspielerinnen nur bei drei Vereinen spielen und dort möglicherweise auf der Bank sitzen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×