Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2014

21:58 Uhr

Der Final-Flitzer

Was die Fifa uns nicht zeigen wollte

VonKaren Grass

Es war ein PR-Coup in eigener Sache, der die strikte Bildzensur der Fifa ein weiteres Mal in Frage stellt: Vitaly Zdorovetskiy, der Flitzer im WM-Finale, der Höwedes küssen wollte, begeistert mit seinen Videos Millionen.

Er hat es auf das Spielfeld geschafft und beschert seinen Fans freudige Momente: Der Russe Vitaly Zdorovetskiy spielt der Öffentlichkeit gern ein paar Streiche. Screenshot

Er hat es auf das Spielfeld geschafft und beschert seinen Fans freudige Momente: Der Russe Vitaly Zdorovetskiy spielt der Öffentlichkeit gern ein paar Streiche.

DüsseldorfSeinen nackten Oberkörper haben die Milliarden TV-Zuschauer nicht gesehen. Sie konnten nur einen Blick auf die Schuhe von Vitaly Zdorovetskiy erhaschen, während die eigentliche Show den Stadionbesuchern vorbehalten blieb.

Die Sicherheitskräfte griffen zu schirmten den Flitzer mit ihren Körpern von den Blicken der Weltöffentlichkeit ab, während sie ihn vom Spielfeld trugen. Vorher war er im deutsch-argentinischen WM-Finale über den Rasen gesprintet und versucht, den deutschen Abwehrspieler Benedikt Höwedes zu küssen.

So konnte der russisch-amerikanische Youtube-Comedian sein Versprechen vom 12. Juli nicht ganz wahr machen. Damals hatte er seinen neusten Streich auf Twitter folgendermaßen angekündigt: „See you guys tomorrow on Tv Germany vs Argentina“ („Ich sehe euch Typen morgen im TV – Deutschland vs. Argentinien“).

Noch kurz vor dem Spiel ließ Zdorovetskiy, der den populären Youtube-Kanal VitalyzdTV betreibt, seine Follower wissen: „Today is a very big day for me“ („Heute ist ein sehr großer Tag für mich“).

Zdorovetskiy hat viele Fans weltweit, auch wenn die Fifa offensichtlich nicht dazu gehören: Sein Kanal zählt fast 6,5 Millionen Youtube-Abonnenten und Zdorovetskiy betreibt einen eigenen Onlineshop mit Fanshirts.

Der 22-jährige, gebürtige Russe begeistert die Netzgemeinde regelmäßig mit seinen „Pranks“ (deutsch: schelmische Streiche), die häufig mit viel Action verbunden sind und gern auch mal den Anschein erwecken, die Grenzen der Legalität zu überschreiten.

Der jüngste Clou vor seinem WM-Auftritt waren etwa massenhafte vermeintliche Überfälle auf Bankautomaten, die Zdorovetskiy und einige Freunde vortäuschten und die Reaktionen der Passanten filmten. Sie stellten einen gezinkten Geldautomaten auf und machten anschließend Anstalten, ihn zu knacken und auszunehmen.

Aus der Untersuchungshaft der Sicherheitskräfte in Columbus in Ohio entlassen, kommentierte der Self-Made-Comedian mit Blick auf das Video des „Robbery Prank“, er und seine Freunde hätten sich gern festnehmen lassen, um den Fans das Video zu präsentieren, auf das sie alle so lang gewartet hätten.

Dass die Flitzer-Bilder des Comedian vom Finaltag nicht im Fernsehen zu sehen waren, hat die Fifa verordnet. Bilder solcher Zwischenfälle dürfen bei der WM nicht übertragen werden. Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, hatte das bereits zur Mitte der WM scharf kritisiert, als ein Flitzer das Spiel Deutschland gegen USA unterbrach.

Rettig sagte zu „Bild am Sonntag“: „Wenn ein Spiel unterbrochen wird und eine Szene Einfluss auf das Spiel hat, muss das im TV zu sehen sein. Wir hätten die Szene in der Bundesliga definitiv gezeigt.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×