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10.07.2014

11:50 Uhr

Deutscher WM-Erfolg

Forscher entschlüsseln Jogis Geheimnisse

VonDietmar Neuerer

Warum sind die Deutschen in Brasilien so erfolgreich? Studien zeigen, dass Gruppen mit mehrheitlich fairen Teamspielern auch erfolgreicher sind. Genau das trifft auf Löws Truppe zu, haben Kölner Forscher herausgefunden.

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BerlinDas spektakuläre 7:1 (5:0) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Halbfinale über Gastgeber Brasilien macht selbst eingefleischte Fußballexperten stutzig. Wie konnte es dazu kommen? Warum sind Jogi Löws Spieler so erfolgreich?

Der Sieg über die einst ruhmreiche Seleção dürfte zwar eher die große Ausnahme gewesen sein. Doch in den Spielen zuvor bewies die deutsche Elf bereits, dass mit ihr zu rechnen ist und sie auch als WM-Favorit einzuordnen ist.

Womöglich holen die Deutschen am Sonntag im Endspiel in Rio de Janeiro auch den Titel. Glaubt man einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, dann ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr hoch.

Brasilien ist Rüpel-Meister

Begangene Fouls

Platz 1: Brasilien mit 96 Fouls.

Platz 2: Costa Rica mit 94 Fouls.

Platz 3: Kolumbien und die Niederlande mit je 91 Fouls.

Platz 13: Deutschland mit 54 Fouls.

Platz 32: Spanien mit 28 Fouls.

Gegnerische Fouls

Platz 1: Brasilien mit 95 Vergehen.

Platz 2: Kolumbien mit 84 Vergehen.

Platz 3: Argentinien mit 83 Vergehen.

Platz 7: Deutschland mit 74 Vergehen.

Platz 32: Kroatien mit 27 Vergehen.

Gelbe Karten

Platz 1: Brasilien und Costa Rica – zehn gelbe Karten.

Platz 2: Uruguay und Mexiko – achte gelbe Karten.

Platz 27: Deutschland – vier Gelbe.

Platz 32: Portugal – zwei Gelbe.

Rote Karte

Bislang schickten die Schiedsrichter zehn Spieler vom Platz. Drei davon sahen erst Gelb, dann Rot. Sieben Akteure wurden für ihre Vergehen direkt des Feldes verwiesen. Darunter ist aber kein deutscher Spieler.

Spiel mit den meisten Fouls

Ein Negativrekord fiel im Spiel Brasilien gegen Kolumbien. 54 Fouls pfiff der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco, zeigte allerdings nur vier Mal Gelb und ließ beim Horror-Foul gegen Brasiliens Superstar Neymar weiterlaufen.

Die Forscher begründen ihre Prognose, die noch vor den Halbfinals erstellt wurde, mit verhaltensökonomischen Erkenntnissen. Demnach sind Gruppen umso erfolgreicher, je mehr sie aus fairen Teamspielern bestehen. Im Fall von Löws Elf ist dieses Kriterium offenbar weitgehend erfüllt.

„Die deutsche Nationalmannschaft agiert während der WM auffallend fair: Alle übrigen Viertelfinal-Teilnehmer hatten mehr gelbe Karten auf ihrem Konto“, konstatieren die IW-Fachleute. Fairness gegenüber dem Gegner gehe häufig auch mit Kooperationsbereitschaft innerhalb des eigenen Teams einher.

Als Beleg führen die Experten des Kölner Instituts die Anzahl der Pässe an: Nach fünf absolvierten Spielen habe Deutschland die Statistik mit 2.938 Abspielen angeführt; der Turnierdurchschnitt hätte bis dato bei nur 1.458 Pässen gelegen.

Kommentare (2)

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10.07.2014, 15:49 Uhr

In einem fairen und einigermaßen gerechten Umfeld wird das sicherlich stimmen. Ja, dann setzt sich Fairness letztlich durch. Könnte man aber aufgrund seines Einflusses durch Geldmittel oder Position Regeln und Gesetzmäßigkeiten manipulieren, dann ist das faire Team IMMER der Verlierer, gilt entsprechend natürlich auch für Individuen!

Schaut auf den Großraum Indien bis zum arabischen Raum, von der Mentalität sind die Populationen sehr ähnlich. Ohne Rohstoffreichtum ist bzw. wäre jedes dieser Länder unterentwickelt und bliebe bzw. bleibt es auch. Westliche Investoren scheuen diese Länder welche ohne Rohstoffbasis sind weitestgehend, weil es massenhaft an der notwendigen zuverlässigen Geradlinigkeit und Disziplin mangelt. China oder von Chinesen stark beeinflusste Länder sind darum auch viel erfolgreicher. Selbstverständlich sind die Chinesen mindestens ebenso Egoisten, aber sie schlachten das “Schwein“ erst, wenn es fett ist.

Herr Konrad Betzl

10.07.2014, 15:51 Uhr

...kooperatives Verhalten „stark typabhängig“...
Da die Selektionskriterien in vielen Unternehmen anscheinend Persönlichkeitstypen mit starkt individualistischen Merkmalen (ich wollte nicht schreiben: Selbstdarsteller)bevorzug auswählen, wird es häufig nichts mit der Teamarbeit. Die häufig vorhandenen Gratifizierungssyteme (materiell und immateriell) verstärken i.d.R. noch das Ergebnis der Selektion. Da gibt es noch Optimierungspotential.

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