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01.07.2014

01:05 Uhr

Deutschland im Viertelfinale

Mit mehr Glück als Verstand

Es war das schlechteste Spiel der Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft. Doch nach 120 Minuten Chaos geht Deutschland als Sieger vom Platz. Dank eines überragenden Torhüters, der zeitweise als Libero agierte.

Dramatische Schlussphase

Deutschland kämpft sich ins Viertelfinale

Dramatische Schlussphase: Deutschland kämpft sich ins Viertelfinale

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Porto AlegreGlück gehabt! Edeljoker André Schürrle und Mesut Özil haben Deutschland nach einer bis in die Verlängerung blamablen Vorstellung gegen den krassen Außenseiter Algerien ins Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft geschossen. Der Offensivmann vom FC Chelsea mit einem Hackentor (92.) und Özil (119.) sorgten am Montag in Porto Alegre mit ihren Treffern zum 2:1 (0:0) dafür, dass Philipp Lahm und Co. auch nach dem bisher schwächsten Auftritt in Brasilien im Wettbewerb bleiben. Am Freitag (18.00 Uhr MESZ) kämpft das Team nun in Rio de Janeiro gegen Frankreich um den Einzug ins Halbfinale.

Lange ohne taugliches System und die nötige Spannung geriet die Elf von Bundestrainer Joachim Löw, der an der Seitenlinie teilweise ratlos wirkte, gegen die engagierten Algerier mehrmals in arge Bedrängnis. Abdelmoumene Djabou verkürzte sogar in der 120. Minute zum 1:2. Erst das 14. Länderspieltor von Schürrle wendete vor 43 063 Zuschauern die drohende Blamage ab. Eine Minute vor dem Ende machte Özil mit dem zweiten Treffer alles klar. Der Favorit durfte sich vor allem auch bei Manuel Neuer für das Weiterkommen bedanken. Der Schlussmann klärte mehrfach außerhalb des Strafraums in höchster Not.

„Es war ein Sieg der Willenskraft. In der ersten Halbzeit waren wir schlecht, haben viele Bälle verloren, in der zweiten Halbzeit waren wir viel besser. Da hätten wir das Spiel schon entscheiden müssen. Solche Spiele braucht man mal bei der WM“, bilanzierte Bundestrainer Löw aufregende 120 Minuten im ZDF.

„Wir hätten es gerne ein bisschen anders geregelt, aber Algerien hat es sehr gut gemacht. Egal wie, wir stehen im Viertelfinale“, sagte Torschütze Schürrle. „Wir sind jetzt über 120 Minuten gegangen, da wird es schwer genug gegen Frankreich. Ich denke, dass wir zielstrebiger nach vorne spielen müssen“, forderte der viel beschäftigte Neuer. Richtig angefressen reagierte Per Mertesacker auf kritische Fragen zur Leistung der Mannschaft. „Völlig wurscht. Wir sind unter den letzten Acht. Das zählt“, fauchte der Abwehrspieler.

Nach überzeugenden Auftritten in der Vorrunde wirkte die deutsche Elf im ersten K.o.-Spiel wie von allen guten Geistern verlassen. Gegen einen nur vermeintlich leichten Gegner leistete sich das Team eine unglaublich hohe Fehlerquote und ließ die nötige Einstellung vermissen. Auch Bastian Schweinsteiger, der nach seinem starken Auftritt im USA-Spiel von Löw in der Startelf wieder den Vorzug vor Sami Khedira erhalten hatte, brachte das Spiel nicht auf Touren. In der 109. Minute verließ Schweinsteiger entkräftet für Christoph Kramer das Feld. Einzig Thomas Müller zeigte Entschlossenheit, scheiterte aber immer wieder an Keeper Rais M'Bolhi.

Der am Spielfeldrand häufig mit seinem Assistenten Hansi Flick diskutierende Löw machte einen ähnlich ratlosen Eindruck wie seine Mannschaft. Der kurzfristige Ausfall des grippekranken Mats Hummels brachte das Team defensiv in größte Schwierigkeiten, weil der in die Innenverteidigung gerückte Jerome Boateng keine Bindung zu seiner neuen Rolle fand und immer wieder Fehler produzierte. Shkodran Mustafi, der auf der rechten Abwehrseite erstmals in Brasilien von Beginn an zum Zuge kam, leistete sich ebenfalls Ballverluste, die den Gegner förmlich einluden. Der sichtlich verärgerte Torhüter Neuer musste wie ein Libero immer wieder außerhalb des Strafraums die Patzer seiner pomadigen Vorderleute ausbügeln.

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