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27.06.2012

16:26 Uhr

DFB-Präsident Niersbach

„Wir wollen den Titel“

Im Interview erklärt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, warum am DFB-Team bei der EM kein Weg vorbei führt. Für den Bundestrainer ist er voll des Lobes - und würde sich für den Titel sogar über Millionenausgaben freuen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht die Zeit für den nächsten großen Titel gekommen. dpa

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht die Zeit für den nächsten großen Titel gekommen.

KrakauWolfgang Niersbach kann gleich bei der ersten großen Mission als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf den Titelgewinn hoffen. Es wäre der erste seit 1996. „Überreif“ ist für den 61-Jährigen die Zeit für einen ersten Turniererfolg gegen Italien im EM-Halbfinale an diesem Donnerstag. Im dpa-Interview bezeichnet Niersbach Bundestrainer Joachim Löw als „idealen Mann am richtigen Ort“. Die Euphorie in der Heimat begeistert ihn: „Dass ein ganzes Land gemeinsam feiert, das schafft nur der Fußball.“

Beim Klassiker Deutschland gegen Italien haben auch Sie in Ihrer langen DFB-Laufbahn bei Turnieren oft genug mitgelitten. Endet der Italien-Fluch am Donnerstag im Halbfinale?

Niersbach: „Die Zeit dafür ist reif, vielleicht sogar überreif. Ich habe die meisten Spiele gesehen, sie waren fast immer eng. Klar war eigentlich nur das 1:3 im WM-Finale 1982, da waren die Italiener überlegen, vielleicht auch beim 0:0 bei der EM 1996 in England. Sie waren es nicht bei der EM 1988 und auch nicht 2006 bei der WM in Deutschland. Wie gesagt, die Zeit ist reif.“

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Joachim Löw steht nicht gerne im Mittelpunkt. Auch mit Schlagzeilen wie "Jogi Superstar" kann der 52-Jährige wenig anfangen. Löw rückt lieber seine Spieler in den Vordergrund.

Welchen Anteil hat Joachim Löw am bisher guten Turnierverlauf mit vier Siegen?

Niersbach: „Einen sehr hohen, weil er mit der größten Sorgfalt die ganze Operation vorbereitet hat. Er ist der ideale Mann am richtigen Ort. Ich erlebe ihn total souverän, geradlinig, transparent, offen. Seine Entscheidungen sind nachvollziehbar, auch für die Mannschaft. Die Chemie stimmt. Er ist eine Autorität, ohne autoritär aufzutreten.“

Wie froh sind Sie, die Verträge mit dem Bundestrainer, seinen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie mit Manager Oliver Bierhoff schon vor dem Turnier bis zur WM 2014 verlängert zu haben?

Niersbach: „Das Thema wäre doch jetzt in den Medien der Klassiker. In dieser Turnierphase würden Meldungen aus Spanien, Italien oder sonst woher lanciert, Löw habe ein Angebot von diesem oder jenem Club. Ich denke, das haben wir sehr gut gelöst. Es war nur ein Mittagessen von Jogi und mir im März letzten Jahres nötig - vier Tage später waren alle vier Verträge unterschrieben.“

Statistik: Deutschland bei der EM

Die meisten Tore

1. Mario Gomez (3)

2. Lukas Podolski (1)

2. Lars Bender, Sami Khedira, Miroslav Klose, Marco Reus, Philipp Lahm (alle 1)

Die meisten Vorlagen

1. Mesut Özil (3)

2. Bastian Schweinsteiger (2)

2. Mario Gomez, Sami Khedira, Jerome Boateng, Miroslav Klose (je 1)

Die meisten Ballkontakte

1. Bastian Schweinsteiger (371)

2. Mesut Özil (317)

3. Sami Khedira (299)

Am häufigsten gefoult

1. Thomas Müller (9)

2. Mesut Özil (7)

3. Bastian Schweinsteiger (5)

Die meisten Fouls

1. Mario Gomez (8)

2. Thomas Müller (6)

3. Mesut Özil (5)

Die besten Zweikämpfer

1. Mats Hummels (79,69% gewonnen)

2. Jerome Boateng (79,41% gewonnen)

3. Sami Khedira (64,1% gewonnen)

(in der Wertung sind nur Spieler mit mindestens zehn geführten Zweikämpfen)

Die zielgenausten Pässe

1. Lars Bender (59 Pässe, 96,72% angekommen)

2. Toni Kroos (25 Pässe, 96,15% angekommen)

3. Mats Hummels (146 Pässe, 93,59% angekommen)

(in der Wertung sind nur Spieler mit mindestens zehn gespielten Pässen)

Muss die Weltmeisterschaft 2014 die Endstation sein?

Niersbach: „Nein, natürlich nicht. Aber es kommt immer auf beide Seiten an. Momentan sind wir sehr zufrieden und auch Jogi ist total happy mit seinem Job. Es liegen bei der Anzahl der Länderspiele schon jetzt nur noch Sepp Herberger, Helmut Schön und Berti Vogts vor ihm.“

Kommentare (1)

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hitschke

27.06.2012, 20:01 Uhr

Hallo, ich finde die Leistung der Mannschaft phänominal. Leider empfinde ich es als der Mannschaft unwürdig, dass einige der aufgelaufenen Spieler im Angesicht der Bundeskanzlerin beim Absingen der Nationalhymne die Lippen fest aufeinanderpressen. Da diese Spieler offensichtlich keine Bindung zu Deutschland haben ( außer dem deutschen Geld ), gehören sie auch nicht in die Mannschaft. Löws letztes Experiment hat gezeigt, dass es ausreichend Spieler mit exzellenten Qualitäten gibt, die auch im Fernsehen der Welt zeigen, dass sie Deutsche sind. Ich hoffe, dass meine Ansicht nicht mißverstanden wird, wovon man ja leider ausgehen muß, aber ich finde, wer Deutschland in diesem großen Rahmen der EM vertritt, sollte auch seine Einstellung zu D dokumentieren.
Dieter Hitschke, dhitschke@onlinne.de

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