Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2014

13:24 Uhr

Die ungekrönte Fußball-Generation

„Wir haben eine Riesenchance vor der Brust“

8. Juli 1990: Deutschland wird in Italien Weltmeister. 8. Juli 2014: Deutschland spielt in Brasilien um die Endspiel-Teilnahme. Ein historischer Tag für Fußballer, denen der ganz große Erfolg noch fehlt.

Belo HorizonteJetzt oder nie - Deutschlands noch ungekrönte Generation um die von dritten Plätzen genervten Turnier-Veteranen Miroslav Klose, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski fühlt die historische Chance auf den ersehnten WM-Triumph. Zwar schiebt Bundestrainer Joachim Löw den Brasilianern auch ohne Superstar Neymar die Favoritenrolle zu.

Aber vor der „Gelben Wand“ im Stadion von Belo Horizonte zittern die deutschen Spieler nicht. Im Gegenteil: „Umso erfahrener man ist, umso mehr saugt man so ein Spiel auf gegen den Gastgeber in so einem fußballverrückten Land. Man geht mit Freude in so ein Spiel“, sagte Bastian Schweinsteiger vor seinem 107. Länderspiel.

„Es gibt kein anderes Ziel mehr als das Finale und den Titel für uns“, tönte Edeljoker André Schürrle forsch. Ans Scheitern wird kein Gedanke verschwendet. „Wir werden alles dafür geben, dass wir ins Finale kommen“, erklärte Jérome Boateng.

WM-Halbfinale: Nur vier Siege gegen Brasilien

Bundestrainer

Joachim Löw betreut das DFB-Team in Belo Horizonte zum 111. Mal als Bundestrainer. Gegen Gastgeber Brasilien könnte der 54-Jährige seinen 76. Länderspielsieg als Chefcoach feiern. Dazu gab es in seiner achtjährigen Amtszeit 20 Unentschieden und 15 Niederlagen. Das 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich war der 17. Sieg für Löw im 23. Turnierspiel.

WM-Bilanz

Im Estádio Mineirao treffen die beiden Nationen mit den meisten WM-Spielen aufeinander. Die deutsche Mannschaft bestreitet ihr 105. Spiel bei WM-Endrunden. Bislang gab es 64 Siege sowie jeweils 20 Unentschieden und Niederlagen. Brasilien konnte von 102 WM-Partien 70 gewinnen und verlor nur 15. Die beiden mehrfachen Weltmeister sind aber erst einmal bei einem Endrundenturnier aufeinandergetroffen: Brasilien triumphierte im Finale 2002 im japanischen Yokohama mit 2:0.

Brasilien

Die deutsche Mannschaft hat eine extrem negative Bilanz gegen den Rekordweltmeister. Von 21 Länderspielen gegen Brasilien konnten gerade vier gewonnen werden. Es gab aber zwölf Niederlagen. Das Torverhältnis lautet 24:39. Den letzten Vergleich gewann Deutschland nach Toren von Bastian Schweinsteiger, Mario Götze und André Schürrle am 10. August 2011 mit 3:2. Robinho und Neymar trafen in Stuttgart für Brasilien.

Halbfinale

Deutschland bestreitet sein 12. WM-Halbfinale. Sechsmal gelang der Einzug ins Endspiel, fünfmal nicht. Es gab einige epische Kämpfe um die Endspielteilnahme: 1970 verloren Uwe Seeler und Co. das sogenannte „Jahrhundertspiel“ gegen Italien in Mexiko-Stadt mit 3:4. Dann gab es die gewonnenen Elfmeterkrimis 1982 gegen Frankreich und 1990 gegen England. Auch der K.o. in der Verlängerung gegen Italien 2006 bei der Heim-WM ist unvergessen. Deutschland erreichte insgesamt siebenmal ein WM-Endspiel. 1974 führte eine 2. Finalrunde mit den Siegen gegen Jugoslawien (2:0), Schweden (4:2) und Polen (1:0) ins Endspiel - und zum Titel.

Serie (1)

Das deutsche Team ist seit 16 Länderspielen ungeschlagen. Es ist die längste Serie ohne Niederlage in der Amtszeit von Joachim Löw. Elf Partien wurden in der WM-Saison gewonnen, fünf endeten unentschieden. Unter Jupp Derwall blieb die Nationalmannschaft von Oktober 1978 bis Dezember 1980 in 23 Länderspielen ungeschlagen - nationaler Rekord.

Serie (2)

Seit 15 Wettbewerbsspielen ist das deutsche Team unbesiegt (13 Siege, 2 Unentschieden). Die letzte Niederlage gab es am 28. Juni 2012 in Warschau gegen Italien. Das 1:2 bedeutete den Halbfinal-K.o. bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine.

Dauerbrenner

Joachim Löw hat in den ersten fünf WM-Spielen 17 seiner insgesamt 23 Akteure eingesetzt. Drei Spieler haben gegen Portugal, Ghana, die USA, Algerien und Frankreich die kompletten 480 Minuten durchgespielt, das Bayern-Duo Philipp Lahm und Manuel Neuer sowie der Schalker Benedikt Höwedes.

Rekordspieler

Miroslav Klose ist mit 135 Länderspielen der erfahrenste Akteur im 23-köpfigen deutschen Kader. Auch Lukas Podolski (116), Philipp Lahm (111), Bastian Schweinsteiger (106) und Per Mertesacker (102) können eine dreistellige Einsatzzahl vorweisen. Rekordnationalspieler ist Lothar Matthäus mit 150 Länderspielen. Der Münchner Toni Kroos könnte gegen Brasilien zum 50. Mal im Nationaltrikot auflaufen.

Torschützen

Miroslav Klose führt mit 70 Länderspieltreffern die ewige Torschützenliste der Nationalmannschaft vor Gerd Müller (68) an. Lukas Podolski liegt mit 47 Treffern hinter dem früheren DDR-Auswahlspieler Joachim Streich (55 Tore) gleichauf mit den ehemaligen Nationaltrainern Jürgen Klinsmann und Rudi Völler auf Platz vier. Mit 23 Toren ist Bastian Schweinsteiger der drittbeste Schütze im deutschen Aufgebot. Thomas Müller steht nach seinen bislang vier WM-Treffern in Brasilien bei 21 Toren.

 

WM-Torjäger

Miroslav Klose hat mit seinem 15. WM-Tor beim 2:2 gegen Ghana mit dem brasilianischen Rekordschützen Ronaldo gleichgezogen. Gerd Müller ist mit 14 Treffern zweitbester deutscher WM-Torschütze. Dahinter folgen Jürgen Klinsmann (11) und Helmut Rahn (10). Thomas Müller hat nach seinen vier Treffern in Brasilien mit insgesamt neun WM-Toren mit Karl-Heinz Rummenigge und Uwe Seeler gleichgezogen.

Schiedsrichter

Der Mexikaner Marco Rodríguez pfeift das Spiel in Belo Horizonte. Für den 40-Jährigen ist es der dritte Einsatz nach den Vorrundenspielen zwischen Belgien und Algerien (2:1) sowie Italien und Uruguay (0:1). Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat an Rodríguez gute WM-Erinnerungen. Vor vier Jahren war er Referee beim 4:0 im Auftaktspiel der DFB-Auswahl gegen Australien in Durban.

Joachim Löw weiß, dass die fünf vorangegangenen WM-Partien ein Kindergeburtstag waren im Vergleich zum Halbfinale gegen die auf den Heimtriumph gepolten Brasilianer, die ihr gesamtes Volk im Rücken haben. „Wir spielen nicht nur gegen elf Brasilianer auf dem Platz, wir spielen gegen das ganze Land“, sagte der Bundestrainer im ARD-Hörfunk.

Er legte geschickt die Rollen für Dienstag (22.00 Uhr/ZDF) fest: „Der Druck liegt ganz klar bei Brasilien. 200 Millionen Menschen, Fußball-Land, Rekordweltmeister, zu Hause - die Favoritenrolle hat schon Brasilien“, sagte Löw.

Zugleich bekräftigte der DFB-Coach am Tag vor dem Spiel auf dfb.de aber auch noch einmal den Anspruch seines Teams: „Unser gemeinsames Projekt ist noch nicht zu Ende. Wir wollen unbedingt noch mal in Rio im Maracanã-Stadion spielen. Am 13. Juli. Wir sind noch nicht fertig.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ylander Ylander

07.07.2014, 15:20 Uhr

Sehe ich etwas anders. Zwar hat die deutsche Mannschaft deutliche Schwächen, doch die brasilianische Mannschaft hat alles andere als überzeugt.

Wenn die deutsche Mannschaft die brasilianischen Fußballer (die schon längst hätten ausscheiden müssen) schlagen kann, dann jetzt.

Holland ist allerdings wohl ein höheres Kaliber. Ich glaube nicht, dass diese Fußballer mit üblichen mitteln besiegt werden können.

Frau Pia Paff

07.07.2014, 16:05 Uhr

3 Wetter Taft wird für den DFB nie einen Titel holen.
Mittwoch wird die Querpasstruppe um den lauffaulen Özil u. dem ungelenken Stolperer Schweinesteiger die Heimreise antreten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×