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16.06.2014

11:09 Uhr

Drin oder nicht drin?

Torlinien-Technik verhindert Fehlentscheidung

Die neue Technik an der Torlinie hat funktioniert. Eine knifflige Szene im Spiel Frankreich gegen Honduras wurde so aufgelöst. Kritiker verstummen - auch wenn die Entscheidung kurz für Verwirrung sorgte.

Drin oder nicht drin? Goal Control entschieden und lag richtig: Der Ball zum 2:0 für Frankreich gegen Honduras war hinter der Linie. Honduras' Schlussmann Noel Valladares griff zu spät zu. AFP

Drin oder nicht drin? Goal Control entschieden und lag richtig: Der Ball zum 2:0 für Frankreich gegen Honduras war hinter der Linie. Honduras' Schlussmann Noel Valladares griff zu spät zu.

Porto AlegreErst streikte die Technik beim Abspielen der Nationalhymnen, dann entschied „Goal Control“ das Spiel zwischen Frankreich und Honduras. Erstmals in der Geschichte von Fußball-Weltmeisterschaften ist ein Treffer nach dem Einsatz der Torlinientechnologie aus Würselen bei Aachen gegeben worden.

Die wohl spielentscheidende Szene: Das Eigentor von Honduras-Schlussmann Noel Valladares zum 0:2 in der 48. Minute. Der Torhüter hielt einen vom Pfosten abgeprallten Ball von Karim Benzema nicht fest, der Ball kullerte auf die Linie, als Valladares die Kugel unter sich begrab.

Oder war das Leder doch bereits im Tor? Sekunden nach der Aktion zeigte der brasilianische Unparteiische Sandro Ricci in Richtung Mittelkreis - 2:0 für Frankreich. Der Ball war drin, für einen Moment ganz knapp hinter die Linie.

Tor oder nicht Tor? Streit um die richtige Technik

Pokalfinal 2014

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März des Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB am Samstag nichts genutzt.

Warum gibt es keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März 2014 hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Was denken die Borussen und die Bayern?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. „Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen“, hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250 000 und 500 000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Was wäre, wenn die Clubs für die neue Technik gestimmt hätten?

Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. „Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: „Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen.“

Ist die Torlinientechnik endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden. Das passierte dann auch.

Wo gibt es die neue Technik?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Wer setzt auf Torrichter?

Die UEFA setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter.

Was passiert in anderen Ländern?

In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die UEFA auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Das sahen die Zuschauer im Stadion aber nicht sofort. Denn auf der Anzeigentafel lief zuerst nur der Pfostentreffer von Frankreichs Stürmer Benzema, der nicht im Tor war. Nach der Verwirrung hatte der Fußball-Weltverband FIFA das Prozedere der Video-Einspielungen im Stadion von Porto Alegre erläutert.

Die Anerkennung des Eigentores durch Honduras-Torwart Valladares hatte für Erstaunen und auch Proteste gesorgt. Besonders Honduras-Coach Luis Suarez diskutiert ausgiebig mit Frankreichs Übungsleiter Didier Deschamps über die Szene.

„Für das zweite Tor von Frankreich trat eine besondere Situation ein, in der der Ball den Innenpfosten des Tores traf, dann ins Feld zurücksprang, bevor er den Torwart traf, zum Tor rollte und die Linie überquerte“, hieß es in einer FIFA-Mitteilung am Sonntagabend (Ortszeit).

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