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11.08.2012

14:28 Uhr

Eberhard Gienger

„Die internen Vorgaben waren keine Luftschlösser“

Die unrealistischen Medaillenvorgaben für die deutschen Olympioniken sorgen für heftige Diskussionen. Eberhard Gienger (CDU) hat die Vorgaben mit auf den Weg gebracht und verteidigt sie nun gegen öffentliche Kritik.

Eberhard Gienger hat die Medaillenziele für den deutschen Sport bei den Olympischen Spielen verteidigt. dpa

Eberhard Gienger hat die Medaillenziele für den deutschen Sport bei den Olympischen Spielen verteidigt.

LondonEberhard Gienger hat die unrealistischen Medaillenziele für den deutschen Sport bei den Olympischen Spielen verteidigt. „Die internen Vorgaben waren keine Luftschlösser, sie beruhten auf konkreten Ergebnissen der einzelnen Verbände bei vergangenen Höhepunkten“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete, der 2008 in seiner Verantwortung als DOSB-Vizepräsident Leistungssport die Zielvereinbarungen mit den Fachverbänden für den Olympia-Zyklus selbst mit ausgearbeitet hatte, am Samstag der dpa. Personelle Konsequenzen lehnte er erstmal ab.

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Die deutschen Athleten haben bei Olympia viel weniger Medaillen geholt als geplant. Das geht aus jetzt veröffentlichten Unterlagen des Bundesinnenministeriums hervor. Nun drohen dem deutschen Sport Mittelkürzungen.

„Sicher waren die Ansätze sehr hoch. Doch es ist nötig, sich immer höhere Ziele zu setzen, als sie dann am Ende erreicht werden können“, erklärte Gienger. Am Freitag wurde klar, dass die Deutschen in London ihre Medaillenziele deutlich verfehlen werden. Schon vor dem Abschlusstag stand fest, dass die in der internen Zielvereinbarung angestrebte Anzahl von 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, an der Realität vorbeiging.

„Ich halte es für keine gute Entscheidung, diese Ziele jetzt öffentlich zu machen. Denn das Prinzip Hoffnung, das man jedem Verband zugestehen muss, wird dabei ignoriert“, bedauerte Gienger. Er selbst habe das als Athlet ähnlich gehalten: „Manchmal wusste ich, dass ich von der Papierform her keine Chance hatte, trotzdem habe ich mir das Ziel gestellt, meinen Wettkampf zu gewinnen.“

Laut der Unterlagen, die vom Bundesinnenministerium erstmals veröffentlicht wurden, haben von den 23 in London vertretenen Sportarten bisher lediglich Leichtathletik, Tischtennis und Kanuslalom das angepeilte Ziel erreicht. Als große Verlierer kehren vor allem Schwimmer, Fechter und Schützen nach Hause zurück.

Gienger sieht aber derzeit keine Gründe für personelle Konsequenzen wegen verfehlter Ziele. „Erst einmal muss es zu gründlichen Analysen kommen, warum bestimmte Verbände ihre Ziele nicht erfüllt haben. Diese können ganz unterschiedlich sein. Erst wenn das aufgearbeitet ist, sind Konsequenzen fällig“, forderte Gienger.

Dabei müssten seiner Meinung nach die Konsequenzen nicht automatisch personeller Natur sein, sondern könnten auch strategische Faktoren beinhalten, wie beispielsweise das komplette Setzen auf die Nachwuchsarbeit: „Es ist immer auch die Frage, bringen neue Leute die Verbände wirklich nach vorn?“ Bei der Reformierung der Zielvereinbarungen für die kommenden vier Jahre will er sich nicht einmischen: „Das ist Aufgabe des DOSB und der Verbände.“

Auch die Schwimmer, die in London so enttäuschten, will Gienger nicht für ihre unrealistischen Zielvorgaben von acht Medaillen verdammen: „Wir haben doch gesehen, dass Paul Biedermann bei den zurückliegenden Meisterschaften immer mit vorn geschwommen ist. „In London hat es nicht geklappt. Jetzt muss geklärt werden, warum.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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nachhaltiger

11.08.2012, 20:37 Uhr

Im Fußball wollten die Deutschen übrigens die EM gewinnen.
Auch wenn dies nicht dann klappt, hat keiner das Ziel angezweifelt.
In der Logik der Medien wäre das Ziel das nächste mal Halbfinale.


Wenn alle 50% ihrer Ziele in der Politik in 4 Jahren erreichen, die sie in Wahlkämpfen ankündigen, dann wäre die Welt schnell ein Paradies. Probleme zu pflegen ist an die Stelle getreten diese zu lösen.

Aber vielleicht ist die Reaktion der Medien und einzelner Politiker ja nur ein Reflex auf die eigene Situation: im Hamsterrad ohne Wirkung und ohne Bedeutung im Kleinkram zu handeln, während im Hinterzimmer von ein paar Leuten der Geld-Schein-Elite über alle entschieden wird.

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