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19.02.2014

18:25 Uhr

Eishockey-Aus in Sotschi

„Sbornaja“ am Boden, Russland am Boden

Aus, Schluss, vorbei: Die russische Eishockeynationalmannschaft ist im Viertelfinale des olympischen Turniers an Finnland gescheitert. Das Aus der Millionentruppe wird zum Tiefschlag für eine ganze Nation.

Trauer unter den Fans: Das Unmögliche, das vorzeitige Ausscheiden, ist eingetroffen. Reuters

Trauer unter den Fans: Das Unmögliche, das vorzeitige Ausscheiden, ist eingetroffen.

SotschiDer historische Absturz der Eishockey-„Sbornaja“ versetzte Olympia-Gastgeber Russland in eine Schockstarre. Unter Pfiffen und Buhrufen der entsetzten Fans flüchteten die Kufen-Superstars um Alexander Owetschkin nach dem 1:3-Viertelfinaldebakel gegen die Finnen aus dem „Bolschoi“-Dom - das wichtigste Gold bei den Heim-Winterspielen war weg. „Ich kann mich nur entschuldigen“, sagte Coach Sinetula Biljaletdinow am Mittwoch nach dem harten Stimmungsdämpfer vor dem Olympia-Endspurt. Der Gold-Auftrag von Wladimir Putin wurde nicht erfüllt. „Das ist Mist“, schimpfte Owetschkin, eine der ganz großen Enttäuschungen des Turniers. „Meine Gefühle? Ich fühle nichts.“

Russlands olympischer Eishockey-Alptraum ist somit wahr geworden. Nach einer erneut medaillenunwürdigen Vorstellung kassierte die Star-Auswahl um Owetschkin im Viertelfinale von Sotschi eine 1:3 (1:2, 0:1, 0:0)-Pleite gegen Finnland und erlebte damit ausgerechnet bei den Heimspielen am Schwarzen Meer einen historischen Tiefpunkt. Gegen clevere Finnen fand die „Sbornaja“ kein Mittel, der umjubelte Führungstreffer durch Ilja Kowaltschuk (8. Minute) war zu wenig. Juhamatti Aaltonen (10.), Teemu Selänne (18.) und Mikael Granlund (26.) drehten das Match für das Suomi-Team, das im Halbfinale nun auf den zweimaligen Olympiasieger Schweden trifft.

„Das ist Mist“, bekannte Owetschkin, der zu den ganz großen Enttäuschungen des Turniers gehört. „Meine Gefühle? Ich fühle nichts“, erklärte der Stürmerstar. Die Nation ist dagegen entsetzt. Kremlchef Wladimir Putin hatte Eishockey-Gold als höchstes Ziel ausgegeben, nun könnte die Olympia-Stimmung in den verbleibenden Tagen in den Keller rutschen. Kapitän Pawel Dazjuk gestand: „Der psychologische Druck war sehr groß. Als Mannschaft waren die Finnen besser.“

Olympia in Zahlen

3

Drei indische Athleten sind bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi dabei - nur dürfen sie nicht unter der Flagge Indiens auftreten. Das indische Nationale Olympische Komitee ist vom IOC suspendiert worden.

15

So jung ist die deutsche Skispringerin Gianina Ernst. Sie ist damit nicht nur die jüngste deutsche Teilnehmerin in Sotschi, sondern die jüngste Athletin überhaupt in Russland.

20

So lange ist Petr Nedveds erste Olympia-Teilnahme her. Damals gewann er in Lillehammer mit dem kanadischen Eishockey-Team Silber. Jetzt ist der 42-Jährige zum zweiten Mal dabei - für Tschechien.

153

Die Zahl der Athletinnen und Athleten, die der Deutsche Olympische Sportbund nach Sotschi geschickt hat.

55

So alt ist Hubertus Prinz zu Hohenlohe, der älteste Teilnehmer der Spiele. Der für sein Geburtsland Mexiko startende Adelige ist zum sechsten Mal bei Olympia dabei und startet bei den alpinen Skirennfahrern.

87

So groß ist die Olympia-Delegation, die sich um die Spiele kümmert.

2.435

So viele Dopingtests sind im Vorfeld der Winterspiele bis zum Schlusstag in Sotschi vorgesehen. Das ist Rekord und eine Steigerung um 14 Prozent im Vergleich zu Vancouver 2010. Saubere Spiele sind dennoch eher nicht zu erwarten.

40.000 Sicherheitskräfte

Eine immense Anzahl an Sicherheitskräften, die in Sotschi eingesetzt werden. Dazu kommen mehrere Tausend weitere private Wachleute.

98

Die Anzahl der Medaillen-Entscheidungen, die es in den 17 Tagen geben wird.

2.900

Die Anzahl der Athletinnen und Athleten, die bei den ersten Olympischen Winterspielen in Russland um Medaillen kämpfen.

37,5 Milliarden

So teuer sollen die Olympischen Winterspiele an der Schwarzmeerküste sein. Sie sind damit die bislang teuersten Winterspiele der Geschichte. Zum Vergleich: Olympia-Organisatoren in Vancouver gaben für das winterliche Ringe-Spektakel nur rund acht Milliarden Dollar aus.

Für die Russen, die in ihrer Historie erst zum zweiten Mal eine olympische Medaille oder ein olympisches Halbfinale verpassten, bleiben die Nordeuropäer der Angstgegner. Schon bei der Heim-WM 2007 schockten die Finnen die Gastgeber mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung im Halbfinale, ein Jahr zuvor waren die Russen bei den Winterspielen von Turin ebenfalls im Halbfinale 0:4 unterlegen. Nun setzte sich die schwarze Serie ausgerechnet bei Olympia fort.

„Do swidanja in Pyeongchang 2018“, schrieb „Sport Express“ ernüchtert. „Sowjetski Sport“ forderte umgehend: „Nach diesem Fiasko muss sich viel im russischen Eishockey ändern - nicht nur der Trainer der Sbornaja.“

Dabei begann die Partie vielversprechend für die Russen: Gleich das erste Überzahlspiel nutzte Kowaltschuk zur Führung, als er einen Pass von Dazjuk ins Netz drosch. Bei 11 654 Zuschauern in der „Bolschoi“-Halle von Sotschi brandete ohrenbetäubender Jubel auf, der Torschütze machte vor Erleichterung einen Luftsprung. „Schaibu! Schaibu!“, schrien die Fans, „haut das Ding rein!“

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