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19.02.2014

21:48 Uhr

Eiskunstlauf

Weinzierl geht als Zehnte in die Kür

Der großen Favoritin Kim Yu-Na kann in Sotschi niemand das Wasser reichen. Doch im Fahrwasser der Eiskönigin hat die 19-Jährige Nathalie Weinzierl eine beachtliche Leistung abgeliefert.

Mit ihrem Programm zufrieden: Nathalie Weinzierl. dpa

Mit ihrem Programm zufrieden: Nathalie Weinzierl.

SotschiEiskunstlauf-Queen Kim Yu-Na steht vor ihrem zweiten Olympiasieg. Die grazile Läuferin aus Südkorea lief am Mittwoch im „Eisberg“ von Sotschi ein mitreißende Kurzkür und ließ ihre Konkurrentinnen Adelina Sotnikowa aus Russland und Carolina Kostner aus Italien hauchdünn hinter sich. „Das war wunderschön, ein Programm mit perfekt ausgeführten Sprüngen“, sagte Katarina Witt, die als letzte Frau 1988 einen Olympiasieg wiederholen konnte. Aus dem von den Olympia-Gastgebern ersehnten Duell um Gold zwischen Kim und Julia Lipnizkaja wird nach einem Sturz der 15 Jahre alten Russin wohl nichts mehr. Die Mannheimerin Nathalie Weinzierl ist Zehnte.

Die 23 Jahre alte Werbemillionärin Kim wirkte zwar beim Einlaufen mit einer frühen Startnummer sehr aufgeregt. Sie brach einige Elemente ab und suchte danach den Rat ihrer koreanischen Betreuer. In ihrem senfgelben Glitzerkleidchen zeigte sie dann aber zum Song „Send in the Clowns“ eine astreine Kombination aus dreifach Lutz und Toeloop, zudem einen sauberen Dreifach-Flip und einen Doppel-Axel. „Ich habe gar keinen Druck gespürt, aber ich war so nervös, dass ich beim Einlaufen nicht springen konnte“, meint die zweimalige Weltmeisterin. Mit 74,92 Punkten blieb sie aber rund vier Zähler hinter ihrer Bestmarke von Vancouver 2010.

Obwohl sie wegen einer Fußverletzung in diesem Winter nur einen internationalen Wettkampf bestritten hatte, war sie auf den Punkt fit und nervenstark. „Das war ein einzigartiges Programm, wie in einem Fluss“, befand Witt, die vor 30 Jahren erstmals in Sarajevo triumphiert hatte. „Ich habe mich wie im Traum gefühlt, viele Gedanken sind mir durch den Kopf geschossen“, berichtete Kim. Fast noch eleganter wirkte Kostner in ihrer Kurzkür, auch wenn ihre Sprünge nicht ganz so hochwertig sind. Die 17-Jährige Sotnikowa überraschte als Vorletzte mit einem starken Auftritt.

Nach dem Ausscheiden der russischen Eishockey-Cracks lagen die Erwartungen der Gastgeber eigentlich auf der jungen Lipnizkaja. Mit dem Team hatte sie zu Beginn der Spiele schon Gold gewonnen, war dann eine Woche nach Moskau zurückgeflogen und von den Medien abgeschottet worden. Ein Sturz beim dreifachen Flip bedeutete wahrscheinlich das Ende ihrer Träume. Mit 15 Jahren und 260 Tagen wollte die Europameisterin die zweitjüngste Olympiasiegerin nach Tara Lipinski werden. Die Amerikanerin war 1998 in Nagano fünf Tage jünger. „Ich hoffe, dass sie diesen Fehler wegstecken kann und in der Kür zeigen kann, wie gut sie wirklich ist“, sagte Witt in der ARD. Mit nur 65,23 Punkten und Platz sechs ist der Sieg fast unmöglich. „Ich kann immer noch um eine Medaille kämpfen“, sagte Lipnizkaja fast trotzig.

Die EM-Achte Weinzierl hatte es bei ihrem Olympia-Debüt besonders schwer: Sie musste direkt nach Kim das glatte Parkett betreten. Zuvor wurde die Eisfläche von den diversen Blumensträußen und Stofftieren freigeräumt, die das Publikum für den Superstar von den Tribünen geworfen hatte. „Es war nicht schlimm, die Stimmung war gut in der Halle, das habe ich gemerkt“, sagte die gebürtige Saarländerin. Ihre Eingangskombination aus zwei dreifachen Toeloops klappte gut, ebenso wie Lutz und Axel. Das Ergebnis waren gute 57,63 Punkte und Saisonbestleistung. „Es hat alles geklappt“, stellte sie zufrieden fest.

Man merkte der 19-Jährigen an, dass sie sich in der vergangenen Woche nach dem Teamevent daheim in Mannheim gut vorbereitet hat. „Ich habe die Woche zu Hause genossen, wir konnten in Ruhe trainieren“, sagte die Studentin. Im Mannschaftswettbewerb war sie sehr nervös gewesen, doch da fehlte auch Coach Peter Sczypa nach einem Schwächeanfall. Bei ihrer Rückkehr ans Schwarze Meer bekam er Grünes Licht von den Ärzten. „Wenn der Trainer dabei ist, ist das gleich etwas ganz anderes“, betonte Weinzierl.

Von

dpa

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