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29.06.2012

16:54 Uhr

EM-Aus im Halbfinale

Deutschland in der Endlosschleife

VonAnna Kemper
Quelle:Zeit Online

2006, 2008, 2010, 2012 – vor jedem großen Turnier wurde das Potenzial der DFB-Elf beschworen, ihre Jugend, ihre Zukunft. Doch es fehlt nach wie vor der Titel – und einigen Spieler bald auch die Zeit.

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Der eine Mario wirkte schmal, wie er da stand, er redete leise, sein Blick war leer, seine Worte voller Bitterkeit. Er sprach von dem Traum, der nicht in Erfüllung gegangen sei. Von seiner Enttäuschung.

Der andere Mario ließ die Fragen der Reporter an seiner breiten Brust abprallen, er grinste, redete nicht mehr über den Gegner, den er gerade aus dem Turnier geschossen hatte, sondern nur über den, der jetzt im Finale wartet.

Der erste Mario heißt Gomez, der zweite Balotelli. Man hätte sich gewünscht, dass es anders herum gewesen wäre an diesem Abend. Da war dieses Tor von Philipp Lahm gegen Griechenland, fast eine Kopie seines Tors gegen Costa Rica bei der WM 2006, das Tor, mit dem das Sommermärchen begann. Vielleicht würde es diesmal enden, wie sich die Fans, die Spieler es wünschten. Doch dann endete es wie 2006: Aus gegen Italien im Halbfinale.

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„Das macht doch keinen Spaß“
Eine Viertelstunde lag zwischen den Auftritten von Gomez und Balotelli vor den Journalisten. Minuten, in denen man in den tiefen Graben zwischen Niedergeschlagenheit und Triumph blicken konnte. Eine Viertelstunde, genauso lange hatte Mario Balotelli im Spiel gebraucht, um die Italiener auf die Seite des Glücks zu ziehen. Ein Tor mit dem Kopf, eins mit dem Fuß. Es war kurz, und es war schmerzvoll. Und es blieb die Frage: Wie oft kann man das Sommermärchen eigentlich noch reloaden?

Zumindest die Spieler, die seit 2006 dabei sind, müssen sich vorkommen wie in einer Endlosschleife. Alle zwei Jahre vor dem Turnier beschwören sie das Potenzial der Mannschaft, alle zwei Jahre nach dem Turnier sagen sie, wie viel Zukunft die junge Mannschaft noch vor sich habe. Gestern spürte man den Frust, der sich angestaut hat. „Wir haben einmal mehr das Ziel nicht erreicht“, sagte Gomez, „wir fahren nach Hause mit leeren Händen. Natürlich ist die Mannschaft noch jung, aber das macht doch keinen Spaß. Wir wollten es jetzt möglich machen, nicht in zwei Jahren.“

Die Mannschaft ist jung, das stimmt, sie war die jüngste des Turniers. Viele Spieler waren zum ersten Mal dabei, auch für sie war es gestern ein trauriger Abend. Aber sie werden die Enttäuschung schnell überwinden. Einer wie Lars Bender, der seine eigenen Erwartungen für dieses Turnier übertroffen hat. Oder Ilkay Gündogan, der gestern zwar auch enttäuscht war, aber sagte, dass die EM für ihn ein „sensationelles Ereignis“ gewesen ist, eine Art Vorgeschmack auf das, was für ihn in den nächsten zehn Jahre kommen kann. Auch Holger Badstuber, Mats Hummels oder Marco Reus gehören dazu.

Aber den Anführern der anderen, älteren Spielergeneration, für die noch nicht feststeht, ob sie eine goldene oder eine unvollendete ist, wurde gestern etwas klar: Sie werden nicht mehr viele Chancen haben, einen großen Titel zu gewinnen. Als man vor dem Spiel Philipp Lahm fragte, ob er manchmal daran denke, dass er vielleicht nur noch zwei Turniere spielen werde, sagte er: „Ja, dessen bin ich mir bewusst. Vielleicht ist es schon mein vorletztes Turnier, vielleicht habe ich noch zwei. Ich spiele gerade mein fünftes Turnier. Die Zeit vergeht, und das Ende ist nicht mehr so weit entfernt.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

29.06.2012, 21:10 Uhr

Was erwartet Ihr von unseren Fußballidolen? Eine Menge Jugendlichkeit, tolle Frauen, nichts in der Birne und Millionen auf dem Konto! Wie soll man da noch einen Anreiz für eine überdurchschnittliche Leistung schaffen? Muss ein gigantisches Gefühl gewesen sein, als die Kanzlerin mit ihrem Hungerlohn auch noch als Cheerleader auftreten musste! Verkehrte Welt!

Fakilaki

30.06.2012, 00:05 Uhr

Löw ist bestimmt ein hervvorragender Trainer , aber leider kann er in den Spielern den unbedingten
Willen zum Sieg nicht wecken. Wir werden auch 2014 eine tolle Vorrunde spielen und dann
im Halbfinale scheitern. Es fehlt das Siegergen, der unbedingte Wille und die Leidenschaftt

Mayon

30.06.2012, 01:26 Uhr

Mentale Stärke ist nicht unbedingt eine Eigenschaft unserer Milchbubis, bleiben halt Luser.
Parallel auf Phoenix lief die Doku Karawane am Dach der Welt - Über Nepals höchste Pässe.
Gezeigt wurde eine halsbrecherische Tour, die einige Familien aus der 4.000 Meter hoch gelegenen Region von Dolpo Jahr für Jahr in Angriff nehmen. Sie verlassen mit Sack und Pack, Kleinkindern und Tieren ihr Sommerquartier an der Grenze von Tibet und Nepal, um den Winter in tiefer gelegenen Weidegebieten zu verbringen.
War für mich spanender als das Spiel, eine Teilnahme an dem Trip würde sich auch mal für unserer Spieler anbieten.
Unter ständiger Lebensgefahr könnten sie hier einiges an mentaler Stärke sehr lehrreich dazulernen.

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