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03.06.2012

17:48 Uhr

EM in Polen und Ukraine

Deutsche Konzerne traben hinterher

Die EM in Polen und der Ukraine soll auch vielen deutschen Unternehmen die Kassen füllen. Gerade Elektromärkte und Bierbrauer reiben sich die Hände - Bau-, Reise- und Ausrüsterbranche verdienen jedoch überraschend wenig.

Viele Baustellen, aber kaum Profit für deutsche Firmen: Die EM in Polen und der Ukraine. Reuters

Viele Baustellen, aber kaum Profit für deutsche Firmen: Die EM in Polen und der Ukraine.

FrankfurtWenn in Polen und der Ukraine der Ball rollt, soll auch in Deutschland die Kasse klingeln. Von Fußballschuhen über Bier und Fernseher wollen die Unternehmen fast alles verkaufen. Viel wird für Adidas & Co. allerdings vom Verlauf des Turniers abhängen - hält sich das deutsche Team lange, dürften sich die Trikots mit dem DFB-Adler zum Beispiel besser verkaufen. Meisterliche Gewinne dürften die Unternehmen nicht einfahren - für die meisten geht es bei Großereignissen aber ohnehin ums Image und um Markenpflege.

Von Sonderkonjunktur kann bei Adidas, Puma und Nike daher keine Rede sein. Die Umsätze sind längst eingeplant, und unter Umständen sogar mit teurer Werbung erkauft. Denn das Werben kostet erstmal Geld: Adidas rüstet sechs der qualifizierten EM-Teams aus und ist offizieller Sponsor des Turniers, Puma kleidet mit Italien und Tschechien zwei Mannschaften ein und hofft damit auf deren Weiterkommen. Auch Nike-Markenchef Charles Denson frohlockte kürzlich: „Dieser Sommer ist der perfekte Ausstellungsraum für unser Fußballgeschäft.“ Inklusive der Marke Umbro rüsten die Amerikaner acht Teams aus.

EM-Gastgeber & Bilanzen

1960

Gastgeber war Frankreich. Vier Teams spielten in nur vier Partien die Endrunde aus, die damals ab dem Halbfinale im K.O.-Modus gespielt wurden. Die Runden davor waren Hin- und Rückspiel wie heutzutage in der Qualifikation. Es fielen 17 Tore, was einem Schnitt von 4,25 pro Spiel entspricht. Gesehen wurden die Partien von insgesamt 78.958 Zuschauern (19.740 pro Spiel).

1964

Gastgeberland war Spanien, wieder trafen vier Teams in insgesamt vier Spielen bei der Endrunde aufeinander. Es fielen 13 Tore (3,25 im Schnitt). Der Zuschauerzuspruch lag bei insgesamt 156.253 (39.063 Im Durchschnitt).

1968

Bei der Europameisterschaft 1968 in Italien waren erneut vier Mannschaften in der Endrunde, diesmal wurden allerdings fünf Spiele benötigt: Das Finale musste wiederholt werden, nachdem die Verlängerung keine Entscheidung gebracht hatte. Elfmeterschießen gab es damals noch nicht. Es fielen nur sieben Treffer, was einem Schnitt von 1,40 entspricht. 192.119 Zuschauer fanden sich insgesamt ein (38.424 pro Partie).

1972

In Belgien trafen wiederum vier Teams in vier Spielen aufeinander. Zehn Tore wurden erzielt (2,50 im Durchschnitt). Der Zuschauerzuspruch blieb mit insgesamt 106.510 (26.628 im Schnitt) deutlich hinter denen der vorigen Turniere zurück.

1976

In Jugoslawien trafen letztmalig nur vier Mannschaften in vier Spielen aufeinander (Halbfinale, Finale, Spiel um Platz drei). Es fielen 19 Tore, was einem Schnitt von 4,75 pro Partie entspricht - bis heute Rekordwert. Mit 106.087 Zuschauern insgesamt (durchschnittlich 26.522) wurde die Bilanz des vorigen Turniers noch einmal unterboten.

1980

Erstmals nahmen 1980 in Italien acht Mannschaften an der Endrunde teil. Die Gruppensieger zogen direkt ins Finale, die Zweitplatzierten spielten Rang drei aus - so kam das Turnier auf 14 Partien. 27 Tore wurden geschossen, 193 im Schnitt. Der Zuschauerzuspruch sank im Schnitt auf 25.047, insgesamt guckten 350.655 Menschen in den Stadien zu.

1984

Das Turnier fand in Frankreich statt. Acht Mannschaften trugen 15 Spiele aus, die Gruppenersten und -zweiten kamen ins Halbfinale, die Sieger trugen wiederum das Finale aus. 41 Tore fielen, 2,73 pro Spiel. Zuschauermenge und -durchschnitt stiegen auf 599.655 bzw. 39.977.

1988

1988 war Deutschland Gastgeber. Wieder waren es acht Teilnehmer und 15 Spiele. 34 Tore wurden gemacht (2,27 im Durchschnitt). Die Gesamtzuschauerzahl stieg auf 935.681, der Schnitt von 62.379 Besuchern pro Spiel ist bis heute eine unerreichte Bestmarke.

Auch die Hersteller von Fernsehern hoffen auf gute Geschäfte - selbst wenn die größte Welle der Umrüstung bei Flachbildschirmen vorbei ist. Der Branchenverband ZVEI rechnet in den nächsten Monaten dennoch mit steigenden Absätzen. „Das zweite Quartal mit der Fußball-Europameisterschaft wird bombastisch“, sagte ZVEI-Vizepräsident Hans-Joachim Kamp. Das ermuntert die Elektromärkte Media Markt und Saturn, auch diesmal wieder mit Werbeaktionen in die Offensive zu gehen.

Die Bierbrauer in Deutschland hoffen darauf, dass das deutsche Team die Fans lange mit Siegen bei Laune hält. „Kurzfristig belebt eine Fußball-Europameisterschaft schon den Bierabsatz“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes. Doch das Geschäft kann auch buchstäblich ins Wasser fallen. Denn wenn die Brauereien zwischen großem Fußballturnier und einem guten Sommer wählen dürften, würden sie viel Sonne den Vorzug geben - dies wirke sich langfristig stärker auf den Umsatz aus.

Kommentare (1)

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KarinS

09.03.2013, 12:30 Uhr

Für die deutschen Firmen mag das gut gelaufen sein, aber die polnischen Firmen vor Ort haben nun das Nachsehen. Viele Betriebe (gerade der Baubranche) müssen nun Insolvenz anmelden. Natürlich kann nicht jede Insolvenz der EM in die Schuhe geschoben werden, aber dass dies direkt im Anschluss an die EM geschehen ist, ist schon auffällig.
An sich ist die Ausrichtung der EM ja immer gut für die Wirtschaft des Austragungslandes, sowie deren umliegende Länder. Dass auch deutsche Firmen davon profitiert haben ist gut zu wissen.
(Quelle der Infos über Polen: http://www.finance-magazin.de/maerkte-wirtschaft/weltwirtschaft/insolvenzwelle-nach-fussball-em-in-polen/ )

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