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10.07.2016

08:13 Uhr

Aserbaidschan und die EM

Der unbekannte Ölprinz an der Seitenlinie

VonAndre Ballin

Der Fußball in Europa profitiert von Petrodollars aus Asien. Über die EM in Frankreich sammelt einer der größten Erdöl- und Erdgasförderer der Welt Sympathiepunkte – für ein Land mit einem autoritären Führungsstil.

Socar-Präsident Abdullajew beim St. Petersburg International Economic Forum 2016. Reuters

Rownag Abdullajew

Socar-Präsident Abdullajew beim St. Petersburg International Economic Forum 2016.

Jérôme Boateng gegen Antoine Griezmann, Thomas Müller gegen Patrice Evra: Das waren die Duelle, die Zuschauer im EM-Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland sehen wollten. Doch unweigerlich wurden sie auch mit den großen Schriftzügen an der Seitenbande konfrontiert. „Socar“ stand da beispielsweise.

Dass es sich hier nicht um Autowerbung handelt, wird den meisten Zuschauern höchstens durch den Zusatz „Energy of Azerbaijan“ klar. In Deutschland ist der Konzern kein Begriff, obwohl das Unternehmen seit 2009 mit einer Repräsentanz in Frankfurt/Main vertreten ist. Die Abkürzung Socar steht für State Oil Company of Azerbaijan Republic.

Das ist einer der größten Erdöl- und Erdgasförderer weltweit – mit Raffinerien, einem eigenen Pipelinenetz und Tankstellen in Aserbaidschan, Georgien, der Ukraine, Rumänien, aber auch der Schweiz, wo das Unternehmen 160 Esso-Tankstellen übernommen hat.

Zehn Fakten über Aserbaidschan

Einwohner

Aserbaidschan ist mit 86.000 Quadratmetern flächenmäßig etwa so groß wie Österreich, hat aber mit 9,8 Millionen Einwohnern etwa eine Million Menschen mehr.

Lage

Aserbaidschan liegt im Kaukasus, der höchste Berg des Landes Bazardüzü ist 4.466 Meter hoch.

Das Kaspische Meer

Das Kaspische Meer ist trotz seines Namens kein Meer, sondern der größte Salzsee der Erde.

Glauben

Die Mehrheit der Aserbaidschaner bekennt sich zum schiitischen Islam, allerdings praktizieren die meisten den Glauben nur an Feiertagen, Staat und Religion sind getrennt.

Politik

Aserbaidschanisch gehört zu den Turksprachen, politisch balanciert das Land seit Jahren zwischen der Türkei und Russland.

Präsident

Aserbaidschan erklärte seine Unabhängigkeit 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion, seither wurde das Land von zwei Männern beherrscht – zunächst Heydar Alijew, 2003 übernahm sein Sohn Ilham nach umstrittenen Wahlen die Macht.

Konflikt mit Armenien

1994 spaltete sich nach einem blutigen Bürgerkrieg die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach von Aserbaidschan ab, der Konflikt mit Armenien um die Region hält seither an.

Erdölexporteur

Die Wirtschaft Aserbaidschans beruht auf dem Öl- und Gasreichtum des Landes, Aserbaidschan ist drittgrößter Erdölexporteur im postsowjetischen Raum.

UNESCO-Welterbe

Die Altstadt der Hauptstadt Baku hat seit dem Jahr 2000 den Status des UNESCO-Welterbes.

Berti Vogts

In Aserbaidschan geboren wurden unter anderem Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow oder der Musiker Mstislaw Rostopowitsch. Der in Deutschland bekannteste „Aserbaidschaner“ ist allerdings wohl Berti Vogts, der die aserbaidschanische Nationalelf von 2008 bis 2014 trainierte.

Im ersten Halbjahr 2016 exportierte der Konzern 643.000 Tonnen an Ölprodukten, darunter 389.000 Tonnen Dieselkraftstoff und 129.000 Tonnen Flugzeug-Kerosin.

Die Basis für Socars Reichtum bildet das Monopol für die Lagerstätten im eigenen Land. Nur für die teure Erschließung der Öl- und Gasfelder im Kaspischen Meer hat sich der Konzern internationale Partner wie BP und Total ins Boot geholt. Und doch stehen hinter den großen Werbebanden bei der Europameisterschaft keine rein kommerziellen Beweggründe.

Eine Expansion des Tankstellennetzes auf dem europäischen Markt steht jedenfalls nicht bevor. Socar betreibt bei der EM Imagewerbung – sowohl für den Konzern, als auch für Aserbaidschan und dessen politische Führung. Einen ähnlichen Schachzug heckte schon vor einigen Jahren der ebenfalls staatliche russische Energieriese Gazprom aus, der sich mit etlichen Millionen pro Jahr seinen Schriftzug auf den Schalke-Trikots sicherte, um so gute Stimmung für die Ostseepipeline zu machen.

Socar lässt sich den Vierjahresvertrag mit der UEFA immerhin 80 Millionen Euro kosten. „Unser Sponsoring hilft unserem Land, eine größere Bekanntheit in der internationalen Öffentlichkeit zu erringen“, erklärte Socar-Präsident Rownag Abdullajew denn auch kürzlich unumwunden in einem Interview. Tatsächlich ist Aserbaidschan reich an Gastfreundschaft, Kultur und Naturschönheiten.

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