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16.06.2016

16:44 Uhr

Claudia Roth im EM-Gespräch

„Auch deutsche Fans haben sich unerträglich aufgeführt“

VonAlexander Möthe

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth ist aus zwei Gründen nach Paris gekommen: Politik und Fußball. Im Handelsblatt-Interview spricht sie über das politische Klima in Polen und die Hooligan-Krawalle in Frankreich.

In Paris sprach die Vize-Präsidentin des Bundestages mit Handelsblatt-Redakteur Alexander Möthe über Fußball und Politik. dpa

Claudia Roth

In Paris sprach die Vize-Präsidentin des Bundestages mit Handelsblatt-Redakteur Alexander Möthe über Fußball und Politik.

ParisClaudia Roth, Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, sitzt in einem Café in Paris, unweit des französischen Parlaments beim Petit dejeuner. Sie hat noch viel vor an diesem Tag. Erst steht ein Treffen mit ihren polnischen du französischen Amtskollegen an, später geht es für die leidenschaftliche Fußballanhängerin zum Länderspiel Deutschland gegen Polen. Für das Handelsblatt nimmt sie sich Zeit, um über ihr Anliegen in Paris, die Hooligan-Problematik und die gesellschaftliche Rolle des Fußballs zu reden.

Frau Roth, was bringt die Vize-Bundestagspräsidentin an einem Donnerstag nach Paris?
Ehrlich gesagt zwei Gründe. Der erste ist ein offizieller und sehr wichtiger Grund. Es gibt ein sogenanntes „Trilog-Treffen“ mit Polen und Frankreich. Mit dabei sind die gastgebenden Vertreter der Nationalversammlung und einige Fachpolitiker. Mit dabei sein wird das Präsidium des deutschen Bundestages, Dr. Lammert, ich als Vizepräsidenten sowie das polnische Präsidium.

Warum diese drei Nationen?
Wir haben institutionell enge Beziehungen zu Frankreich und Polen. Auf parlamentarischer Ebene gibt es mit dem „Weimarer Dreieck“ in dieser Konstellation ohnehin regelmäßige Treffen. Nach den jüngsten Wahlergebnissen in Polen, der durch Streiks und Anschlagsgefahr angespannten Lage in Frankreich und der Krise, die die EU derzeit durchlebt, erachte ich es als sinnvoll, dass sich die Präsidien nicht nur symbolisch treffen und ein politisches Zeichen setzen. Ich hoffe, dass das klappt.

Und der zweite Grund?
Dass es natürlich ausgerechnet heute in Paris stattfindet, ist nicht ganz zufällig. Es war eine gute Idee der Franzosen, um dann auch gemeinsam das Spiel heute Abend zu schauen. Deutschland gegen Polen ist eine besondere Begegnung, und es wird sicher auch ein Spitzenspiel. Mal sehen, wie wir platziert werden und die Franzosen dann zwischen uns in der Mitte sitzen.

Geschäfte finden oft im Stadion statt, geht das auch mit Politik?
Fußball kann verbinden und wenn es in den Gesprächen hakt oder gar verhakt, kann durch so einen Besuch eine emotionale Befreiung stattfinden.

Ist die Beziehung denn inzwischen so abgekühlt, dass ein Dreiergespräch mit Vermittler nötig ist?
Es gibt in Polen heftige politische Auseinandersetzungen. Die neue polnische Regierung hat rasant Maßnahmen getroffen, die man als entdemokratisierend verstehen muss, etwa den Austausch der Verfassungsrichter. Dinge wie diese haben große Irritation ausgelöst. Bei vielen Menschen in Polen, aber auch im Ausland. Zum Beispiel mit der Weigerung der Regierung, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Linie in Polen hat sich sehr verändert. Vielleicht lässt sich auf diese Weise überhaupt erst einmal wieder Kontakt herstellen und eine Gesprächsebene finden. Wir werden auch versuchen, Polen davon zu überzeugen, dass eine pro-europäische Politik auch im eigenen Interesse liegt.

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Wie wichtig ist Polen als Partner?
Polen wird als großes osteuropäisches Land dringend dafür gebraucht, dass Europa nicht in die Perspektive einzelner Vaterländer mit ein bisschen EU-Hülle herum zurückfällt. Wir brauchen die Polen. Noch einmal: Ich hoffe auf die verbindende Wirkung des Fußballs.

Aber die Partie heute ist als Hochrisikospiel eingestuft, gerade angesichts der aufgekommenen Hooligan-Problematik in Frankreich…
Ich war vollkommen fertig, als ich in den ersten Tagen die Bilder dieser professionellen Prügler aus Russland gesehen habe. Es wirkte, als wäre dort eine organisierte gewalttätige Truppe angereist. Das hat mit Fußball nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Leider haben auch die englischen Anhänger, Fans kann man sie nicht nennen, anders als Iren, Schotten und Waliser, nicht zu Unrecht ein schlechtes Image. Ich bin gespannt, was die Uefa in dieser Sache unternimmt.

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