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12.06.2016

20:37 Uhr

Deutsche randalieren in Lille

„Opa war mit dem Panzer hier“

VonAlexander Möthe

Ukrainer und Deutsche feiern gemeinsam in Lille, ehe nach Ankunft der deutschen Hooligans die Stimmung umschlägt. Sie jagen Ukrainer durch die Stadt und werfen mit Stühlen um sich. Bilder und Worte zum Vergessen.

LilleDer Tag in Lille macht deutlich: Diese EM bereitet den Behörden Probleme. Was im Stadtzentrum von Lille, wo heute Deutschland auf die Ukraine trifft, am Mittag als sehr ausgelassenes Zusammentreffen begann, eskalierte am Nachmittag nach der Ankunft gewaltbereiter deutscher Anhänger.

Gut gefüllt war die historische Innenstadt des Spielorts schon ab 13 Uhr. Zwischen der Fanzone hinter dem Hauptbahnhof und dem Place du Général de Gaulle säumten vor allem Fans in DFB-Trikots die Cafés entlang der Straßen. Ein Musiker spielte mitten in der Stadt, Ukrainer und Deutsche hakten bei John Lennons „Imagine“ ein und sangen mit. Immer wieder Fangesänge und gelebte Völkerverständigung, die auch Regenschauer nicht stören könnten.

Die ersten Berichte über Deutsche mit Reichskriegsflaggen und ähnlich klarer Nazisymbolik kamen am frühen Nachmittag am zentralen Platz von Lille an. Kurz darauf wurde die Stimmung um den Bahnhof herum merklich angespannter. Während in einem Brauhaus direkt gegenüber die deutsche Nationalhymne gesungen wurde, zeigten mehrere Personen den Hitlergruß.

Die Gesänge der oft dunkel gekleideten und hinter Sonnenbrillen versteckten Männer gingen in geschmacklose Schlachtrufe wie „Opa war mit dem Panzer hier“ und das unverhohlene Bekenntnis „Deutsche Hooligans“ über. Aus der Menge heraus bekam auch die gängige Anfeuerung „Hurra, hurra, die Deutschen die sind da“ einen aggressiven Unterton. Vielen Fans fiel es, auch mit zunehmendem Alkoholkonsum, schwer, zwischen den Tonarten der Gesänge zu differenzieren.

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Während am Bahnhof die ersten Bars wegen Überfüllung schlossen, flogen aus dem schon akustisch auffällig gewordenen Lager Becher und Dosen auf die Straße – mitten in den fließenden Verkehr. Von der französischen Polizei war zu diesem Zeitpunkt wenig zu sehen – anders als in Paris, wo ganze Anfahrtswege von Gendarmen flankiert werden, zogen in Lille nur punktuell Einsatzwagen auf. Von der berühmt-berüchtigten Eingreiftruppe CRS fehlte jede Spur. Erst nach den ersten fliegenden Gegenständen fuhren mehrere Mannschaftswagen der Polizei in Hauptbahnhofnähe sichtbar vor.

Auf die fliegenden Dosen folgten eine Rauchgranate und eine Leuchtfackel unkontrolliert auf die Straße in Richtung der Schaulustigen auf der anderen Seite. Auch hier griffen die französischen Beamten nicht ein. Vereinzelt näherten sich Polizisten, um die Lage in Augenschein zu nehmen.

An der Fanmeile blieb es durchweg ruhig. Der Großteil der angereisten deutschen Fans, viele davon bunt verkleidet und in bester Stimmung, dürfte dann auch nicht mehr mitbekommen haben, als in der Innenstadt die ersten Stühle und Schilder flogen.

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Beim Kurznachrichtendienst Twitter machten Videos die Runde, die Hooligans dabei zeigen, wie sie unbeteiligte Fans, vor allem Ukrainer, über den Place du Général de Gaulle jagten. Es wird ebenfalls von einem Angriff auf ein Kamerateam des Senders Sport1 berichtet. Etwa 150 Gewalttäter sollen sich in der Stadt aufhalten. Am Stadion war die Lage bis vor Anpfiff ruhig. Viele der polizeibekannten Schläger haben ohnehin europaweit keinen Zugang mehr zu Fußballspielen.

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