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12.06.2016

23:56 Uhr

Deutschland - Ukraine

Ein mühevoller Sieg zum Auftakt

Deutschland glückt der Einstand ins Turnier – gegen die Ukraine erspielt sich die DFB-Elf einen 2:0-Sieg. Lange Zeit allerdings wackelt der Weltmeister – ehe ein später Wechsel die hollywoodreife Entscheidung bringt.

LilleEin überglücklicher „Kurzarbeiter“ Bastian Schweinsteiger war nach seinem langen Jubellauf völlig außer Atem und zeigte immer wieder den Daumen in Richtung der jubelnden deutschen Fans. Auch bei Manuel Neuer und Co. war die Erleichterung groß, nachdem der Weltmeister die erste Etappe seiner Tour de France mit großer Mühe gewonnen hatte.

Denn beim 2:0 (1:0) zum EM-Auftakt gegen Außenseiter Ukraine am Sonntag in Lille traten bei der DFB-Auswahl noch große Probleme in der Abwehr auf, Nationaltorhüter Neuer musste mit mehreren Glanzparaden die makellose Bilanz von Bundestrainer Joachim Löw in Auftaktspielen retten. Bis zum zweiten Gruppenspiel am Donnerstag (21.00 Uhr) gegen Polen ist eine Steigerung nötig.

Die Treffer vor 43.035 Zuschauern im Stade Pierre Mauroy erzielten ausgerechnet Shkodran Mustafi (19. Minute) und Schweinsteiger (90.+2). „Es ist unglaublich, dass es so etwas gibt. Ich habe gerade einmal 300 Spielminuten in den Knochen, dann passiert so etwas“, sagte Schweinsteiger, der zwei Minuten nach seiner Einwechslung den Schlusspunkt setzte und sich eigentlich noch im Formaufbau für höhere Aufgaben befindet.

Reaktionen zum Sieg gegen die Ukraine

Trainer Joachim Löw

„Es war gut, dass wir den Konter am Ende konsequent zu Ende gespielt haben. Eigentlich war nicht geplant, dass Schweinsteiger so weit vorne auftaucht. Das 2:0 war dann der Genickbruch für Ukraine. Es ist wichtig von seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung, er kann einer Mannschaft viel geben. Ein Bastian Schweinsteiger ist Gold wert. Es war schon einige Mal gefährlich für uns, aber wir haben es insgesamt zufriedenstellend gemacht.“

Quelle: sid

Michail Formenko (Trainer Ukraine)

„Wir haben gut gespielt gegen den Weltmeister und hatten unsere Chancen, konnten die aber leider nicht verwerten. Wir müssen weiter motiviert bleiben, wie wir das auch gegen Deutschland gezeigt haben.“

Shkodran Mustafi

„Es war wichtig, mit einem Sieg zu starten, noch dazu zu null. Es war zum Teil auch ein offenes Spiel, es war ein englisches Spiel. Es ging hin und her, was wir eigentlich nicht wollten.“

Bastian Schweinsteiger

„Alles ist sehr gut. Meine Verletzung ist ausgeheilt, ich fühle mich gut. Der Weg nach dem Jubel war lang, ich bin ein bisschen außer Atem. Es war unglaublich, dass es so etwas gibt, kann man sich nur wünschen. Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft gewinnt.“

Jerome Boateng

„Ich war selber erschrocken, der Ball kam mit vollem Tempo aus der anderen Richtung. Ich musste den Ball irgendwie wegschlagen und bin im Netz gelandet, aber zum Glück hat es noch geklappt. Wir müssen uns steigern und noch mehr zum Abschluss kommen. Der letzte Pass ist heute noch nicht so gut angekommen.“

Manuel Neuer

„Basti ist klasse reingekommen, hat das Tor gemacht. Ich hoffe, dass er bald wieder von Anfang spielen kann. Mustafi hat ein Superspiel gemacht. Wir haben es ordentlich gemacht. Wir haben bei defensiven Standards gut gestanden. Wir haben nicht all das zeigen können, was wir schon gezeigt haben. Wir werden uns noch steigern.“

Sami Khedira

„Das war ein klassisches Auftaktspiel. Es ist wichtig, dass wir drei Punkte geholt und zu null gespielt haben. Wir hatten speziell in der ersten Halbzeit auch Glück, aber das gehört auch dazu. Wir müssen uns natürlich steigern.“

Reinhard Grindel (DFB-Präsident)

„Ich bin sehr froh. Es war ein harter Kampf. Wir haben das erste Spiel gewonnen und das als erste Mannschaft mit zwei Toren Unterschied. Das Tor von Bastian Schweinsteiger war klasse. Ich gönne es ihm.“

Auch das Tor von Mustafi hatte eine besondere Note. Der Verteidiger des FC Valencia war erst durch die Verletzungen von Mats Hummels (Muskelfaserriss) und Antonio Rüdiger (Kreuzbandriss) in die erste Elf gerückt und erzielte in seinem elften Länderspiel das erste Tor. „Es freut mich, ein Tor zu erzielen. Es war aber wichtig, gut ins Turnier zu starten. Es war zum Teil ein offenes Spiel, was wir nicht wollten.“ Damit gewann die deutsche Mannschaft auch ihr fünftes Auftaktspiel bei einem großen Turnier unter Löw, was stets ein gutes Omen war und mindestens ins Halbfinale führte.

„Die Erwartungen sind hoch, aber damit können wir gut umgehen. Wir sind gut vorbereitet“, hatte Löw vor dem Duell mit dem EM-Gastgeber von 2012 angekündigt. Das traf aber nur bedingt zu, insbesondere in der Defensive leistete sich der mit zehn Helden von Rio angetretene Mitfavorit viele Wackler, mitunter verlor die Hintermannschaft um Abwehrchef Jérôme Boateng vor allem in den ersten 45 Minuten gar die Orientierung. Das Offensivspiel funktionierte da schon besser. Spielgestalter Toni Kroos war die ordnende Hand und leitete viele Angriffe ein.

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Die Problemzone bleibt allerdings die Hintermannschaft, die Löw schon in der Vorbereitung durch die Ausfälle von Hummels und Rüdiger Sorgen bereitet hatte. Und der Puls des Bundestrainers dürfte in der ersten Halbzeit einige Male in die Höhe geschnellt sein.

Schon in der vierten Minute musste Neuer bei einem Schuss von Jewgeni Konopljanka sein ganzes Können aufbieten, nachdem Mustafi den Ball vertändelt hatte. Erwartungsgemäß hatte Mustafi den Platz in der Innenverteidigung neben Boateng erhalten, weil Löw auf der Außenbahn Benedikt Höwedes nicht nach innen ziehen wollte.

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