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20.06.2016

15:04 Uhr

DFB verlängert Vertrag mit Adidas

Wie Stiefel und Stollen

VonJoachim Hofer

Seit dem „Wunder von Bern“ sind Adidas und der DFB zusammen. Das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben – doch Adidas zahlt künftig viel mehr Geld an die Fußballer. Für die Fans sind das keine guten Nachrichten.

Adidas und der DFB – Partner bis 2022. Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer (l.) lächelt neben DFB-Präsident Reinhard Grindel in die Kamera. dpa

Pressekonferenz am Montag

Adidas und der DFB – Partner bis 2022. Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer (l.) lächelt neben DFB-Präsident Reinhard Grindel in die Kamera.

MünchenDie Schraubstollen, diese länglichen Zapfen unter den Fußballschuhen: Sie waren es, die der deutschen Fußball-Nationalelf den entscheidenden Kick gegeben haben. Die dafür gesorgt haben, dass das Team um Helmut Rahn das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 gegen die favorisierten Ungarn gewann.

Das Finale auf dem matschigen Rasen von Bern war eine der Sternstunden in der Adidas-Geschichte; eines der Ereignisse, die das Unternehmen aus Herzogenaurach nach dem Krieg zu einem der führenden Sportkonzerne der Welt aufsteigen ließen. Denn von Firmengründer Adi Dassler stammten die Kickschuhe. Seit jener legendären WM gehören die Marke mit den drei Streifen und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammen wie Stiefel und Stollen. Der eine kann nicht ohne den anderen.

Die wichtigsten Nationalteams der Sportkonzerne

Adidas – Deutschland

Seit mehr als 60 Jahren schon stürmen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und Adidas gemeinsam übers Feld. Die Liaison begann mit dem „Wunder von Bern“, dem überraschenden Titelgewinn 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Lange verhandelten der DFB und die Marke mit den drei Streifen über eine Verlängerung des 2018 auslaufenden Ausrüstervertrags – letztlich mit Erfolg.

Autor: jojo

Spanien

Nach Deutschland ist Spanien das wichtigste europäische Nationalteam von Adidas: Das Team gewann die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010. Im Sommer hat Adidas den Vertrag mit den Spaniern bis 2026 verlängert. Die deutsch-iberische Liaison währt nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Russland

Über Jahre hinweg war Russland der Wachstumsmarkt schlechthin für Adidas. Entsprechend wichtig war es, das russische Nationalteam unter Vertrag zu haben. Allerdings läuft das Geschäft in Russland inzwischen nur noch verhalten, Wirtschaftskrise und Sanktionen des Westens halten die Kunden davon ab, neue Turnschuhe zu kaufen. Doch 2018 soll die WM in dem Land stattfinden, daher ist die Mannschaft für Adidas noch immer attraktiv.

Argentinien

Im fußballbegeisterten Südamerika ist der argentinische Verband das Zugpferd für Adidas. Das Team stand zuletzt im WM-Endspiel gegen Deutschland – und verlor. Adidas war das letztlich egal, schließlich gewann ein anderes von der Marke gesponsertes Team: Deutschland.

Nike – Brasilien

Weltweit betrachtet ist Brasilien das wichtigste Team, das für die Marke von der amerikanischen Westküste spielt. Allerdings sind die erfolgsverwöhnten Südamerikaner weit von einer für sie selbst akzeptablen Form entfernt. Bei der Heim-WM 2014 schied die Mannschaft schmachvoll gegen Deutschland aus, bei der Copa América diesen Sommer schafften es die Brasilianer ebenfalls nicht ins Finale.

England

Die letzten großen Erfolge des englischen Nationalteams liegen mehr als vier Jahrzehnte zurück. Trotzdem ist die Mannschaft für Nike wichtig, weil die fußballverrückten Engländer sich gerne mit neuen Trikots einkleiden.

Frankreich

Das Land richtet die EM 2016 aus und ist damit der Hoffnungsträger von Nike für das kommende Jahr. Bei den letzten großen Turnieren allerdings hat die Equipe Tricolore nicht besonders glorreich gespielt. Vergangenes Jahr schieden Les Bleus bei der WM im Viertelfinale gegen Deutschland aus.

Niederlande

Der Totalausfall im Portfolio von Weltmarktführer Nike. Die Niederländer haben es verpasst, sich für die EM kommendes Jahr in Frankreich zu qualifizieren.

Puma – Italien

Die Tifosi sind das Aushängeschild von Puma und das einzige europäische Team der Marke, das international ganz vorne mitspielt. Allerdings liegt der letzte Titelgewinn nun schon fast zehn Jahre zurück: 2006 gewannen die Italiener die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Österreich

Österreich hat sich überzeugend für die EM 2016 qualifiziert. Das macht Puma Hoffnung, dass es sich doch noch lohnt, das zuvor über Jahre erfolglose Team auszustatten.

Schweiz

Die Eidgenossen spielen seit Jahren bei Europa- und Weltmeisterschaften mit und machen Puma deshalb viel Freude. Zu einem Titelgewinn allerdings hat es bislang noch nicht gereicht.

Elfenbeinküste

Puma sponsert seit Jahren zahlreiche afrikanische Teams – und feiert mit ihnen immer wieder große Erfolge. 2015 war der Puma-Partner Elfenbeinküste beim Afrika-Cup siegreich, dem afrikanischen Pendant zur Europameisterschaft.

Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Der DFB und Adidas haben den Ausrüstervertrag am Montag bis 2022 verlängert. Allerdings wird es für Adidas deutlich teurer. Bislang haben die Franken jährlich 25 Millionen an den DFB überwiesen. Künftig zahlen sie doppelt so viel, wie der Konzern bestätigte.

„Wir gehören zusammen, weil sowohl der DFB mit seinen Nationalmannschaften als auch wir als globales Sportartikelunternehmen Deutschland hervorragend in der Welt präsentieren“, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer in Paris. Der Manager versprach erneut, die Leibchen künftig wieder in Deutschland herzustellen.

Adidas-Chef Herbert Hainer: „Wir haben Fehler gemacht“

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DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte, der Verband habe ausgesprochen erfolgreich verhandelt. Grindel: „Wir werden das Geld nutzen, um den DFB und den deutschen Fußball besser zu machen.“ Dabei würde der DFB in den Spitzenfußball genauso investieren wie in die Arbeit an der Basis.

Fußball ist für Adidas von überragender Bedeutung und eine der letzten Bastionen, auf denen das Label noch auf Augenhöhe mit Branchenprimus Nike ist. Dieses Jahr spielen die Franken mit Trikots, Leibchen und Accessoires insgesamt 2,5 Milliarden Euro ein – gut zehn Prozent vom Umsatz und zudem 300 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Nur Jogging und Fitness sind noch ähnlich einträgliche Sportarten.

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