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18.06.2016

16:57 Uhr

Die EM als Laufsteg

Sportartikelhersteller liefern sich Materialschlacht

Für Nike, Adidas und Co. geht es bei der Europameisterschaft um viel Geld. Die Branche lebt im Zwei-Jahres-Rhythmus: Wenn große Fußballturniere steigen, brummt das Geschäft. Doch das Marketing kostet auch viel.

Bei der EM kämpfen die Sportartikelhersteller um die Gunst der Kunden. dpa

Viel Investition für viel Ertrag

Bei der EM kämpfen die Sportartikelhersteller um die Gunst der Kunden.

HerzogenaurachWenn zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich der Ball rollt, beginnt für die Sportartikel-Hersteller das große Schaulaufen. Das Sport-Großereignis ist eine riesige Werbe-Plattform für die Big Player Nike, Adidas und Puma sowie einige wenige Exoten.

Ob auf Trikots, Schuhen, Plakaten, in TV-Clips oder in den Sozialen Netzwerken - nirgends wird der Konsument dem Swoosh, den drei Streifen oder der schwarzen Raubkatze in den kommenden vier Wochen entkommen.

„So ein Großereignis wie die EM ist eine Plattform, auf der die Hersteller ihre Marken unglaublich gut präsentieren können. Die Branche weiß, dass ein ganzer Kontinent und mehr zuschaut“, sagt Fondsmanager und Branchenkenner Thomas Jökel von der Union Investment.

Da es im zumindest in Europa so schnell kein vergleichbares Großereignis mehr gibt, feuern die Marketingabteilungen der Konzerne ab, was geht, um etwa Fußballschuhe im Silber-Chrom-Look für 300 Euro an den Mann zu bringen.

Die EM von A bis Z

A

A wie Autofahne: Der flatternde PKW-Schmuck ist auch zehn Jahre nach der WM noch weit verbreitet. Dabei hat das größte Problem Bestand: Bei 100 km/h geht der Fetzen fliegen.
Quelle: sid

B

B wie Beau Jeu: Der offizielle EM-Ball heißt übersetzt „Schönes Spiel“ und ist ganz französisch in Blau, Weiß und Rot gehalten. Die silbernen Streifen symbolisieren den EM-Pokal.

C

C wie Coupe Henri-Delaunay: Das Ziel der Träume ging zuletzt zweimal nach Spanien. Sollte den Iberern der Hattrick gelingen, gibt es zur Belohnung eine originalgetreue Nachbildung.

D

D wie Debütanten: Die Slowakei, Albanien, Island, Wales und Nordirland nehmen erstmals an einer Endrunde teil. Österreich und die Ukraine, einst als Gastgeber dabei, schafften erstmals sportlich die Qualifikation.

E

E wie Eiffelturm: Das Pariser Wahrzeichen wird jeden Abend in den Farben eines Teams angestrahlt. Abgestimmt werden kann im Internet.

F

F wie Fanzonen: Ob auf dem Pariser Marsfeld oder am Strand in Marseille - insgesamt werden sieben bis acht Millionen Fans in den zehn EM-Städten zum Rudelgucken erwartet.

G

G wie David Guetta: Frankreichs Star-DJ schrieb den offiziellen EM-Song „This One's For You“. Bild urteilte: „Klingt nach Ibiza-Gefälligkeitstechno, könnte aber auch der ESC-Beitrag eines osteuropäischen Landes sein.“

H

H wie Herbergen: Die 24 Teams haben sich auf ganz Frankreich verteilt. Während Deutschland am Genfer See wohnt, residiert England in Chantilly bei Paris, die Schweiz nahe des Mittelmeers und Spanien in Saint-Martin-de-Ré im Atlantik.

I

I wie Insel: England, Irland, Nordirland und Wales haben sich qualifiziert, das gab es noch nie. Nur Schottland muss zuschauen.

J

J wie Jersey: Der Kampf der Ausrüster um das Trikot ist eng wie nie. Primus ist adidas mit neun EM-Teams vor Nike (6) und Puma (5).

K

K wie Karten: Tickets kosten zwischen 25 und 895 Euro. Die Verbände der beiden spielenden Teams erhalten je 16 Prozent des Kontingents, „kommerzielle Partner“ zwölf, die „Fußball-Familie“ drei.

L

L wie Lyrik: Auf den Teambussen prangen wie immer hübsche Sprüche. Von „Wir meistern das“ bei der DFB-Elf bis „Die Drachen sollen sich erheben“ bei Wales.

M

M wie Modus: Da 24 Teams dabei sind, gibt es erstmals ein Achtelfinale. „Die Turniere werden etwas verwässert“, sagt nicht nur Oliver Bieroff über die „Bläh-EM“.

N

N wie Nationalhymnen: Nur die spanische hat keinen Text, die von Island den wohl pathetischsten: „Tausend Jahre, ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen, das zu seinem Gott betet und stirbt.“

O

O wie Ohne Holland: Es stimmt wirklich, die Niederlande sind nicht dabei. Zuletzt gab es das 1984 – ebenfalls in Frankreich.

P

P wie Platini: Der EM-Rekordtorschütze steht bei seiner Heim-EM im Abseits. Immerhin: Tickets kaufen wie jeder „normale“ Fan darf der zurückgetretene UEFA-Chef.

Q

Q wie Qualifikation: Ohne Punktverlust blieb nur England, ohne jeden Punktgewinn einzig Andorra und Gibraltar.

R

R wie Rekorde: Aus der Rubrik „unnützes Wissen“: Portugal ist die einzige Mannschaft, die immer die Gruppenphase überstand.

S

S wie Silver Goal: Wurde nur einmal bei einem großen Turnier erzielt: Im EM-Halbfinale 2004 gewann Griechenland gegen Tschechien durch den Treffer von Traianos Dellas nach 105 statt 120 Minuten.

T

T wie Titelprämie: Die deutschen Spieler erhalten im Fall des EM-Triumphs jeweils 300.000 Euro vom DFB. Bei den Belgiern klingelt die Kasse angeblich am lautesten: 704.000 Euro sollen pro Spieler fällig werden.

U

U wie Unterhose: In Frankreich kommt erstmals die Regel zum Einsatz, dass die Unterhose die Farbe der Spielhose haben muss - vor allem lange Unterhosen. Gut, dass Arjen Robben nicht dabei ist (siehe O).

V

V wie Super Victor: Das offizielle EM-Maskottchen trägt einen Zauberumhang und magische Schuhe. Und heißt dummerweise genau wie ein vibrierendes Spielzeug für Erwachsene.

W

W wie WAGs: Die "Wives and girlfriends" (Frauen und Freundinnen) der Spieler werden auch in Frankreich zum Blickfang. Mit dabei: Cathy Hummels, Anna Lewandowska, Rebecca Vardy oder Coleen Rooney.

X

X wie Xhaka-Duell: Die Losfee wollte es so: Der Schweizer Granit Xhaka (23) und sein für Albanien spielender Bruder Taulant (25) treffen schon in der Vorrunde aufeinander.

Y

Y wie Youngster: Drei 18-Jährige sind in Frankreich dabei: Marcus Rashord (England), der künftige Bayern-Profi Renato Sanches (Portugal) und Emre Mor (Türkei).

Z

Z wie Zeitverschwendung: 1960 und 1964 nahm Deutschland nicht teil. Grund: Sepp Herberger sah das Turnier als „Zeitverschwendung“ an.

Speziell im Fußball-Geschäft liefern sich Weltmarktführer Nike und Rivale Adidas ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. In den fünf wichtigsten Fußballligen der Welt tragen knapp 40 Prozent der Spieler Adidas-Schuhe, ähnlich viele Nike. Das Unentschieden auf dem Platz will Adidas bis zum Jahr 2020 in einen Sieg ummünzen: Die Franken hoffen dann, in jedem Markt weltweit die führende Fußballmarke zu sein.

Der Grundstein dafür wird auch rund um die Großereignisse gelegt: Adidas, der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller hinter Nike, ist nicht nur offizieller Sponsor der Euro 2016. Die Franken statten auch die Schiedsrichter aus und stellen den Spielball. Darüber hinaus kleiden sie gleich zehn Teams ein - darunter auch Weltmeister Deutschland und Europameister Spanien.

Insgesamt sechs Nationalteams laufen in Nike-Jerseys auf, auch England, Gastgeber Frankreich und Portugal. Puma hat fünf Mannschaften unter Vertrag. Erreà, Joma und Umbro rüsten jeweils ein Team aus. Bei den Schuhen sind die Fußball-Stars anders als bei den Trikots nicht an den Nationalmannschaftsausrüster gebunden. So wird der Rasen zum Laufsteg der neuesten und auffälligsten Modelle von Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Co.

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