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14.06.2016

11:27 Uhr

Die Spiele am Mittwoch

Das Sportliche rückt wieder in den Fokus

Auf Bewährung geht Russland in die zweite EM-Partie gegen die Slowakei. Kommt es wieder zu Randalen, sind die Russen raus aus dem Turnier. Gegen Albanien ist Frankreich Favorit – doch der Underdog scheint hochmotiviert.

Nach dem Abpfiff der Partie England gegen Russland kam es auf den Tribünen des Stade Vélodrome zu wüsten Schlägereien. AP

Bilder aus Marseille

Nach dem Abpfiff der Partie England gegen Russland kam es auf den Tribünen des Stade Vélodrome zu wüsten Schlägereien.

DüsseldorfAus der Ferne kann man nur hoffen, dass es diesmal ruhig bleibt: Vor dem zweiten Spiel der russischen Nationalmannschaft gegen die Slowakei am Mittwoch (15 Uhr) blicken die Verantwortlichen einmal mehr auf die Fans. Die Uefa zeigte Russland offiziell die Gelbe Karte, nachdem sich die Fans vor und nach dem Auftaktspiel gegen England in Marseille wüste Schlägereien mit den gegnerischen Anhängern geliefert hatten. Bei den nächsten Randalen ist Russland raus aus dem Turnier – die Bewährung wird dann zum endgültigen Ausschluss.

Dass das Spiel gegen die Slowakei ausgerechnet in Lille stattfindet, ist hoffentlich nur ein unglücklicher Zufall. Schließlich wurde die Stadt vor dem ersten Spiel der deutschen Elf gegen die Ukraine am vergangenen Sonntag ebenfalls Schauplatz von Ausschreitungen und Krawallen.

Fragen und Antworten zu den Ausschreitungen bei der EM

Wie konnte es zu der Eskalation der Fan-Gewalt kommen?

Mögliche Ausschreitungen von Fans standen für die französische Polizei immer auf der Agenda, wie auch die Terrorabwehr. Den Vorwurf, nicht auf die Gewalt vorbereitet gewesen zu sein, weisen die Gastgeber daher zurück. Auffällig ist das strikte Vorgehen der Sicherheitskräfte mit schnellem Einsatz von Tränengas und massivem Schlagstockeinsatz. Eine Politik der Deeskalation hat es offenbar nicht gegeben.

Quelle: dpa

Was lief falsch im Stadion?

Praktisch ungehindert konnten russische Hooligans über eine Absperrung in einen Block mit englischen Fans gelangen. Hier haben die Sicherheitsvorkehrungen der Uefa nicht funktioniert. Private Wachmänner sollten ein Aufeinandertreffen der Fangruppen eigentlich verhindern. Auch konnten russische Fans Feuerwerkskörper ins Stadion schmuggeln.

Wie reagiert die Uefa?

Die Krawalle im Stadtzentrum von Marseille ließ die UEFA noch unkommentiert. Nach dem Vorfall im Stadion wurde aber umgehend gehandelt – und zwar mit großer Schärfe. Das Exekutivkomitee traf sich am Sonntag und verwarnte hinterher die Teams aus England und Russland. Die Androhung: Wiederholen sich die Vorfälle, geht es für die Teams in der Gruppe B nach Hause. Auch die Disziplinarkommission kam gleich zusammen und eröffnete ein Verfahren gegen den russischen Verband. Mit dem Ergebnis: Russland spielt die restlichen Spiele nur auf Bewährung mit.

Wurden konkrete Maßnahmen für die folgenden Spiele getroffen?

Die Aufstockung der Stewards zur Separierung der Fans wurde für alle Partien sofort beschlossen. Somit soll es nicht mehr möglich sein, dass Fans in einen Block der anderen Anhänger eindringen können.

Welche Strafen drohen vor einem Ausschluss?

Für das Verhalten der Fans im Stadion droht Russland eine Sanktion nach Artikel 16 der UEFA-Gesetze. Das kann eine Verwarnung sein, eine Geldstrafe, ein Punktabzug für die EM oder einen anderen Wettbewerb aber auch der Turnierausschluss. Da Russland bereits 2012 negativ auffiel, dürfte das Urteil nicht zu milde ausfallen – auch als Abschreckung.

Hat das Geschehen Auswirkung auf die WM 2018 in Russland?

Russlands Funktionäre leugnen traditionell jedes Problem mit rassistischen oder gewalttäigen Fans. Noch in Marseille stellte Sportminister Witali Mutko die Frage, was die Ereignisse mit der WM 2018 zu tun hätten. Aus seiner Sicht: Nichts. Doch die FIFA wird langsam hellhörig. In einem Statement wurde am Sonntag versichert, dass der kommende WM-Gastgeber die Erfahrungen der EM in sein Sicherheitskonzept aufnehmen werde.

Und was ist mit den Engländern?

Im Stadion gab es offenbar im Gegensatz zum Stadtzentrum von Marseille keine Vergehen englischer Fans. Deswegen greifen auch die Disziplinarregeln nicht. Aber die Uefa nutzte eben die Hintertür. Paragraf 65 der Statuten erlaubt dem Exekutivkomitee nach „Recht und Billigkeit“ bei unvorhergesehen Fällen Strafen auszusprechen. Das tat das Gremium schon 2000, als englische Fans im belgischen Charleroi randalierten und dem Team für Wiederholungsfälle der Turnierausschluss angedroht wurde.

Partycrasher des Turniers?

Für die EM kann die Hooligangewalt zu einem Partykiller werden. Bekommen die Sicherheitskräfte das Problem nicht in den Griff, drohen schon bald neue Aussschreitungen. An Konfliktpotenzial mangelt es nicht. Am Mittwoch spielt Russland in Lille gegen die Slowakei. England einen Tag später im benachbarten Lens gegen Wales - und die deutschen Fans sind auf der Anreise zur Partie in Saint-Denis gegen Polen, die auch zu den insgesamt fünf EM-Begegnungen gehört, die der höchsten Risikostufe zugeordnet werden.

Das sportliche Geschehen rückte zuletzt in den Hintergrund. Dabei zeigten die Russen im Auftaktspiel gegen die favorisierten Engländer eine kämpferisch starke Leistung, die mit dem späten Treffer zum 1:1-Ausgleich belohnt wurde. Die Slowakei ist nach der 1:2-Niederlage gegen Wales unter Zugzwang – unter Umständen könnte das Turnier bei einer weiteren Pleite bereits vorzeitig beendet sein.

Am Abend könnten auch in der Gruppe A die ersten Entscheidungen fallen. Nach dem knappen 1:0-Sieg über Albanien misst sich die Schweiz im Pariser Prinzenpark mit Rumänien. Die Eidgenossen hatten in der ersten Partie – allen voran in Person des Frankfurter Stürmers Haris Seferovic – zahlreiche Chancen kläglich vergeben. Trainer Vladimir Petkovic wird gegen Rumänien wohl trotzdem mit der gleichen Formation beginnen – also mit Seferovic in der Spitze.

Ungewohnt forsche Töne hört man dieser Tage aus dem albanischen Lager. Vor dem Spiel gegen Gastgeber Frankreich (21 Uhr) in Marseille weicht die Ernüchterung nun Optimismus und Wille. „Wir haben gezeigt, dass wir keine Angst vor großen Teams haben“, sagte Amir Abrashi von Bundesliga-Aufsteiger SC Freiburg: „Ich denke, wir können ein positives Ergebnis erzielen.“ Bei den Franzosen droht Medienberichten zufolge Superstar Antoine Griezmann die Ersatzbank. Demnach würde Trainer Didier Deschamps über einen Systemwechsel nachdenken, der den Stürmer kurzerhand aus der Startelf katapultieren würde.

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