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15.06.2016

11:08 Uhr

EM 2016

Russland zittert vor den eigenen Fans

VonAndré Ballin

Das zweite Spiel der russischen Nationalmannschaft bei der EM könnte bereits ihr letztes sein – bei weiteren Fan-Krawallen droht das vorzeitige Aus. Der Warnschuss der Uefa zeigt sogar im Kreml Wirkung.

Noch im Stadion sind die russischen Anhänger auf die englischen Fans losgegangen – bei weiteren Vergehen muss ihre Mannschaft büßen. AP

Ausschreitungen im ersten EM-Spiel der Russen

Noch im Stadion sind die russischen Anhänger auf die englischen Fans losgegangen – bei weiteren Vergehen muss ihre Mannschaft büßen.

MoskauDavon können die USA und die EU nur träumen – Russland zittert vor Sanktionen. Die Fußball-Nationalmannschaft muss am Mittwochnachtmittag in Lille gegen die Slowakei antreten. Doch im Blickpunkt stehen dieses Mal vor allem die Fans. Nach den extrem gewalttätigen Ausschreitungen nach der Partie gegen England in Marseille stehen sie unter Beobachtung – im Wiederholungsfall will die Uefa das russische Team von der Europameisterschaft ausschließen.

Und dieses Signal wirkt, die Offiziellen aus der Politik und den Verbänden meckern deutlich leiser und schlagen nun mahnenden Töne in Richtung ihrer Landsmänner an. Selbst der größte Scharfmacher der letzten Tage ist kaum wiederzuerkennen.

Die Fußball-Offiziellen des Landes bezeichnen die verhängten Sanktionen nach den Ausschreitungen zwar als hart und teilweise ungerecht. Auf einen Protest verzichtet der russische Fußballverband (RFS) im Angesicht des möglichen Ausschlusses allerdings. Die eigenen Fans ruft Moskau zur Friedfertigkeit auf. Was zu einer Zitterpartie wird: Denn die Engländer spielen morgen ihr zweites Gruppenspiel im nur wenige Kilometer entfernten Lens.

Iren in Paris: Die Anti-Hooligans in Grün

Iren in Paris

Die Anti-Hooligans in Grün

Die irischen Fans machen dieser Tage in Paris vor, wie Fankultur auch aussehen kann: Trinken, feiern, singen – nur Randale sind ihnen fremd. Das gilt auch für die Nordiren – und ist alles andere als eine Momentaufnahme.

„Wir halten das für eine sehr harte Bestrafung, aber was können wir machen? Darauf herumreiten? Davon ändert sich nichts“, klagte Russlands Sportminister Witali Mutko nach dem Schuldspruch der Uefa. Demnach wurde der RFS zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro und dem Ausschluss auf Bewährung verurteilt, das heißt bei einem weiteren Fall von Fangewalt im Stadion muss die Sbornaja das Turnier verlassen.

Eine Berufung habe keine Aussicht auf Erfolg, fügte Mutko hinzu, der sich gleichwohl darüber ärgerte, dass auch die Mannschaft darunter leidet. „Sie hat doch keine Schuld, dass sie bestraft werden muss“, sagte der 57-Jährige.

Fragen und Antworten zu den Ausschreitungen bei der EM

Wie konnte es zu der Eskalation der Fan-Gewalt kommen?

Mögliche Ausschreitungen von Fans standen für die französische Polizei immer auf der Agenda, wie auch die Terrorabwehr. Den Vorwurf, nicht auf die Gewalt vorbereitet gewesen zu sein, weisen die Gastgeber daher zurück. Auffällig ist das strikte Vorgehen der Sicherheitskräfte mit schnellem Einsatz von Tränengas und massivem Schlagstockeinsatz. Eine Politik der Deeskalation hat es offenbar nicht gegeben.

Quelle: dpa

Was lief falsch im Stadion?

Praktisch ungehindert konnten russische Hooligans über eine Absperrung in einen Block mit englischen Fans gelangen. Hier haben die Sicherheitsvorkehrungen der Uefa nicht funktioniert. Private Wachmänner sollten ein Aufeinandertreffen der Fangruppen eigentlich verhindern. Auch konnten russische Fans Feuerwerkskörper ins Stadion schmuggeln.

Wie reagiert die Uefa?

Die Krawalle im Stadtzentrum von Marseille ließ die UEFA noch unkommentiert. Nach dem Vorfall im Stadion wurde aber umgehend gehandelt – und zwar mit großer Schärfe. Das Exekutivkomitee traf sich am Sonntag und verwarnte hinterher die Teams aus England und Russland. Die Androhung: Wiederholen sich die Vorfälle, geht es für die Teams in der Gruppe B nach Hause. Auch die Disziplinarkommission kam gleich zusammen und eröffnete ein Verfahren gegen den russischen Verband. Mit dem Ergebnis: Russland spielt die restlichen Spiele nur auf Bewährung mit.

Wurden konkrete Maßnahmen für die folgenden Spiele getroffen?

Die Aufstockung der Stewards zur Separierung der Fans wurde für alle Partien sofort beschlossen. Somit soll es nicht mehr möglich sein, dass Fans in einen Block der anderen Anhänger eindringen können.

Welche Strafen drohen vor einem Ausschluss?

Für das Verhalten der Fans im Stadion droht Russland eine Sanktion nach Artikel 16 der UEFA-Gesetze. Das kann eine Verwarnung sein, eine Geldstrafe, ein Punktabzug für die EM oder einen anderen Wettbewerb aber auch der Turnierausschluss. Da Russland bereits 2012 negativ auffiel, dürfte das Urteil nicht zu milde ausfallen – auch als Abschreckung.

Hat das Geschehen Auswirkung auf die WM 2018 in Russland?

Russlands Funktionäre leugnen traditionell jedes Problem mit rassistischen oder gewalttäigen Fans. Noch in Marseille stellte Sportminister Witali Mutko die Frage, was die Ereignisse mit der WM 2018 zu tun hätten. Aus seiner Sicht: Nichts. Doch die FIFA wird langsam hellhörig. In einem Statement wurde am Sonntag versichert, dass der kommende WM-Gastgeber die Erfahrungen der EM in sein Sicherheitskonzept aufnehmen werde.

Und was ist mit den Engländern?

Im Stadion gab es offenbar im Gegensatz zum Stadtzentrum von Marseille keine Vergehen englischer Fans. Deswegen greifen auch die Disziplinarregeln nicht. Aber die Uefa nutzte eben die Hintertür. Paragraf 65 der Statuten erlaubt dem Exekutivkomitee nach „Recht und Billigkeit“ bei unvorhergesehen Fällen Strafen auszusprechen. Das tat das Gremium schon 2000, als englische Fans im belgischen Charleroi randalierten und dem Team für Wiederholungsfälle der Turnierausschluss angedroht wurde.

Partycrasher des Turniers?

Für die EM kann die Hooligangewalt zu einem Partykiller werden. Bekommen die Sicherheitskräfte das Problem nicht in den Griff, drohen schon bald neue Aussschreitungen. An Konfliktpotenzial mangelt es nicht. Am Mittwoch spielt Russland in Lille gegen die Slowakei. England einen Tag später im benachbarten Lens gegen Wales - und die deutschen Fans sind auf der Anreise zur Partie in Saint-Denis gegen Polen, die auch zu den insgesamt fünf EM-Begegnungen gehört, die der höchsten Risikostufe zugeordnet werden.

Unmutstöne kommen auch von anderen Moskauer Sportfunktionären: Der Vorsitzende des Sportausschusses der russischen Staatsduma, Dmitri Swischtschew, nannte die Strafe „übertrieben“ und witterte eine antirussische Verschwörung „Man denkt schon nach, warum nur Russland bestraft wird“, sagte er. Schließlich hätten in Marseille auch Fans anderer Nationen randaliert. Tatsächlich hatten in der Stadt auch englische und französische Hooligans Krawalle gemacht. Formal kann die Uefa allerdings nur Vorfälle im Stadion bestrafen.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

15.06.2016, 11:28 Uhr

Ralph, Marc, Rainer, Harald, Hubert, Lothar, enrico....
hier kann man noch kommentieren,auf gehts.......

Account gelöscht!

15.06.2016, 11:43 Uhr

Waren da auch nicht englische Hooligans am Werk?
Und warum schreibt das Handelsblatt bei Russland, dass es hier um Fans geht und bei anderen Mannschaften wird von Hooligans geschrieben.
Dieses Russland Bashing und die Herabsetzung der Russischen Fan ist schon erbärmlich für das HB.
Deutschland hat genauso seine Hooligans Abordnungen in Frankreich aber hier würde man nicht von Fans sprechen bzw. die gesamten Deutschen Fans mit Hooligans gleichsetzen....obwohl in unserer Grün-sozialistischen Merkel Medien Diktatur ist ja inzwischen alles vorstellbar.

Herr Christian Kerscher

15.06.2016, 11:46 Uhr

@Peter Spiegel Ihre kindische Form von Sarkasmus, oder sollte es vielleicht sogar eine besonders dumme Art von Humor zu sein die Sie hier an den Tag legen geht mir allmählich " AUF DEN SACK " Bitte halten Sie es doch mal einfach mit dem Motto von Mario Barth ( Bitte selbstständig googeln)

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