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14.06.2016

11:30 Uhr

EM 2016

Was sich Unternehmen vom Fußball versprechen

EM-Wurst, EM-Brötchen oder EM-Schminke: Für viele Unternehmen ist die Europameisterschaft ein perfekter Marketing-Anlass. Doch nicht jede Aktion ist sinnvoll. Einige sind sogar verboten.

So viel kosten EM-Spieler

Wie viel Geld steckt wirklich im Fußball-Geschäft?

So viel kosten EM-Spieler: Wie viel Geld steckt im Fußball-Geschäft?

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BerlinOb Bäcker, Metzger, Frisör oder Getränkehändler - an der Europameisterschaft wollen alle verdienen. Deshalb läuft die Marketing-Maschinerie rund um das Event in Frankreich seit Wochen auf Hochtouren. Da wirbt der Bäcker mit den Euro-Brötchen, der Metzger mit der EM-Wurst, andere locken mit speziellen Rabatt-Aktionen. Bei der Deutschen Bahn etwa fährt man mit etwas Glück und dem richtigen Europameister-Tipp mit der sogenannten Sieger-Bahncard einen Monat lang kostenfrei.

Auch für die Spielwaren-Industrie sind die EM und der DFB als Lizenzthema Umsatzbringer. „Fußball ist derzeit, neben den Produkten zu „Star Wars“, der Renner bei den Angeboten unserer Mitglieder“, berichtet Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI).

Fußball kletterte in den letzten vier Wochen auf Platz zwei der Lizenzthemen, ermittelten die Marktforscher der NPD Group. Vor allem Panini-Sammelkarten und die Lego-Nationalmannschaft avancieren nach Angaben des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) zu Verkaufsschlagern.

Zehn Rechtstipps für EM-Fans

1. Private Viewing im Garten

Gegen eine kleine EM-Feier mit Freunden ist nichts einzuwenden. Allerdings regelt die deutsche Lärmschutzverordnung ganz genau, wie lange die Party dauern darf. Im eigenen Garten ist, wie immer, um 22 Uhr Schluss. Freudenschreie und spontane Jubelfeiern sind ab dann nur noch in Flüsterlautstärke erlaubt.
Quelle: Anja-Mareen Decker, Rechtsschutzversicherung Advocard

2. Knaller, Böller und Raketen

So groß die Freude über den Ausgang des Spiels auch ist, Sie sollten keinesfalls Ihren Silvestervorrat plündern und ein Feuerwerk entzünden. Das ist Privatpersonen nämlich ausschließlich zum Jahreswechsel erlaubt. Wer dennoch Böller und Raketen abschießt, verstößt gegen das Sprengstoffgesetz und muss mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

3. Arbeiten oder Urlaub?

Eine vorsätzliche Krankschreibung wegen einer durchzechten Nacht oder eines anstehenden Spiels ist ein absolutes No-Go. Wer sich krankschreiben lässt, ohne wirklich krank zu sein, verstößt gegen den Arbeitsvertrag. Dies kann, wenn man erwischt wird, zu einer Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar zu einer fristlosen Kündigung führen.

4. Autofähnchen, Spiegelüberzieher & Co.

Wenn Sie zur EM Ihr Auto mit Accessoires in Schwarz-Rot-Gold schmücken möchten, ist das in Ordnung. Dennoch darf nichts die Sicherheit der Insassen oder anderer Verkehrsteilnehmer gefährden. Sie müssen sich also immer versichern, dass Ihre Sicht nicht beeinträchtigt wird und Accessoires ordentlich befestigt sind.

5. Feiern am Arbeitsplatz

Sofern der Chef erlaubt, die Spiele während der Arbeit im Fernsehen zu sehen, im Internet live zu streamen oder im Radio zu hören, ist es in Ordnung. Andernfalls sollten Arbeitnehmer auf eine Live-Verfolgung des Spiels verzichten, da sonst eine Abmahnung droht.

6. Autokorso

Autokorsos werden von der Polizei oftmals zwar geduldet, dennoch sind sie streng genommen nach der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt. Autofahrer sollten sich während der Fahrt also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und besser angeschnallt bleiben. Die rote Karte droht demjenigen, der sich alkoholisiert ans Steuer setzt - ein No-Go auch beim Autokorso.

7. Wetten

Sie haben den Ausgang des Spiels falsch getippt und schulden Ihrem Freund nun den Einsatz. Rein rechtlich sind Sie zwar nicht dazu verpflichtet, den Einsatz zu begleichen, und können auch nicht verklagt werden. Um aber nicht als Spielverderber dazustehen, sollten Sie die Wette sportlich sehen und Ihre Schuld annehmen.

8. Nachwuchs

Der späte Anstoß vieler Spiele rechtfertigt keinen Kneipenbesuch von Jugendlichen unter 16 Jahren nach 23 Uhr. Zigaretten und alkoholische Getränke sind für sie ohnehin tabu.

9. Fahnen am Haus

Der späte Anstoß vieler Spiele rechtfertigt keinen Kneipenbesuch von Jugendlichen unter 16 Jahren nach 23 Uhr. Zigaretten und alkoholische Getränke sind für sie ohnehin tabu.

10. Fußballtrikot am Arbeitsplatz

Grundsätzlich gibt es kein Gesetz, das Ihnen die individuelle Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Kleidung verbietet. Ist in Ihrem Arbeitsvertrag jedoch Berufs- oder Schutzkleidung vorgeschrieben, sollten Sie lieber nicht im Trikot Ihrer Lieblingsmannschaft erscheinen.

„EM-Werbung ist eine gute Möglichkeit, die positive Stimmung, die generell während der EM in Deutschland besteht, auszunutzen“, sagt Markus Voeth, Marketing-Professor an der Universität Hohenheim. Deswegen sei die Sportveranstaltung nicht nur für die Sportartikel-Industrie ein guter Anlass, Werbe-Kampagnen zu fahren und spezielle EM-Produkte auf den Markt zu bringen.

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Bei Europa- und Weltmeisterschaften ließen sich mit Fußball auch Zielgruppen ansprechen, die normalerweise weniger mit dem Sport am Hut hätten. So hätten nicht nur EM-Aktionen für Männer-Kosmetik, Bier und Autos eine Chance auf Erfolg. „Wir wissen, dass sich Frauen oder auch Nicht-Fußballfans unter den Männern während der WM und EM ebenfalls für Fußball interessieren. Sie schätzen vor allem das Verbindende und sind daher ebenfalls durch EM-Werbung erreichbar“, kommentiert Voeth.

Die Unternehmen verfolgen damit verschiedene Ziele. Den einen geht es schlichtweg darum, das positive Image des Fußball-Ereignisses auf das eigene Unternehmen und die eigenen Marken abfärben zu lassen. Andere Firmen - etwa Nike, Adidas und Puma sowie die Spielwarenbranche - setzen auf Absatzsteigerungen, also darauf, dass Kunden verstärkt auf ihre Produkte aufmerksam werden und diese kaufen.

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