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23.06.2016

18:07 Uhr

EM-Ausblick

Ab Samstag sterben die Favoriten reihenweise

VonLeonidas Exuzidis

Die EM teilt sich nach der Vorrunde in zwei Extreme – auf der einen Seite ein „Todeszweig“, auf der anderen die Underdogs. Denn schon vor dem Finale treffen die Titelfavoriten reihenweise aufeinander.

Belgien gilt trotz schwachem Start wieder als Halbfinalkandidat – dem Turniermodus sei Dank. AFP; Files; Francois Guillot

Belgische Fans in Nizza

Belgien gilt trotz schwachem Start wieder als Halbfinalkandidat – dem Turniermodus sei Dank.

DüsseldorfJoachim Löw hatte wohl eine kleine Vorahnung. Er freue sich auf die K.o.-Runde, sagte der Bundestrainer im Anschluss an den 1:0-Erfolg gegen Nordirland am Dienstag. „Das sind für mich die tollsten Spiele. Da muss der Gegner irgendwann auch mal was tun. Denn sonst fährt er nach Hause“, fügte Löw lächelnd hinzu. Ein kleiner Seitenhieb an die Teams, die sich mit eisernem Verteidigen durch die Gruppenphase gemogelt hatten. Nordirland diente an diesem Tage als Paradebeispiel.

Nun jedoch kommt es bereits vorzeitig zum Duell der Superlative im europäischen Fußball. Nach der Vorrunde teilt sich die Europameisterschaft in zwei Hälften, die erst am 10. Juli wieder zueinander finden.

Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, England – sie alle wurden vor der Gruppenphase in einem Atemzug als Favoriten genannt. Jetzt nehmen sie die „Todesroute“ mit dem Finale als Navigationsziel. Nur eines dieser Teams schafft es ins Endspiel, die anderen bleiben im Achtel-, Viertel- und Halbfinale auf der Strecke. Favoritensterben im großen Stil.

Die Achtelfinalpartien der EM

Schweiz - Polen

Schweiz -Polen

Samstag 25. Juni, 15 Uhr

Saint-Etienne

Wales - Nordirland

Wales - Nordirland

Samstag, 25. Juni, 18 Uhr

Paris

Kroatien - Portugal

Kroatien - Portugal

Sonntag, 26. Juni, 21 Uhr

Lens

Frankreich - Irland

Frankreich - Irland

Sonntag, 26. Juni, 15 Uhr

Lyon

Deutschland - Slowakei

Deutschland - Slowakei

Sonntag, 16. Juni, 18 Uhr

Lille

Ungarn - Belgien

Ungarn - Belgien

Sonntag, 26. Juni, 21 Uhr

Toulouse

Italien - Spanien

Italien - Spanien

Montag, 27. Juni, 18 Uhr

Paris St. Denis

England - Island

England - Island

Montag, 27. Juni, 21 Uhr

Nizza

Schon im Achtelfinale kommt es zur Neuauflage des Endspiels von 2012, wenn sich Titelverteidiger Spanien am Montag in St. Denis mit Italien misst. Die DFB-Auswahl spielt gegen die Slowakei, im Falle eines Sieges warten dann Italien oder Spanien. Der Sieger dieser Partie wiederum trifft in der Runde der letzten Vier voraussichtlich auf Gastgeber Frankreich (im Achtelfinale gegen Irland) oder England (gegen Island)  – schwieriger kann ein Weg ins Endspiel kaum sein.

Auf der anderen Seite des Turnierbaums sind die Hürden vermeintlich niedriger. Die Überraschungsteams aus Wales und Nordirland spielen einen Viertelfinalisten aus, ebenso Ungarn und das wiedererstarkte Belgien. Die Schweiz und Polen zeigten gute Ansätze, für den großen Coup dürfte es allerdings noch nicht reichen.

Eindrücke vom EM-Reporter: Die Kleinen sind die wahren Riesen

Eindrücke vom EM-Reporter

Die Kleinen sind die wahren Riesen

Warum wird die Aufstockung der EM so angegriffen? Die „kleinen“ Teams machen das Turnier richtig spannend – auf und neben dem Platz. Für den Fußball ist das eine Bereicherung. Das hat rationale wie emotionale Gründe.

Als einziges Team der „Sonnenseite“ zeigte bislang Kroatien konstant ansprechende Leistungen – gegen Portugal und Superstar Cristiano Ronaldo ist die Mannschaft vom Balkan leichter Favorit. Denkbar, dass sich Kroatien und Belgien im Halbfinale treffen. Andererseits: Wer hätte gedacht, dass es Außenseiter wie Nordirland oder Ungarn überhaupt ins Achtelfinale schaffen?

Schon vor dem Anpfiff der K.O.-Runde steht also fest: Im Finale wird ein Team stehen, dem man es nicht unbedingt zugetraut hätte. Einer der Finalisten wird um seinen ersten großen Titel spielen. Deutschland und Co. kommen auf insgesamt 20 Titel, auf der anderen Seite steht die Null.

Das dürfte den Mannschaften herzlich egal sein – für sie ist es eine historische und womöglich einmalige Chance. „Das Tableau ist offen, wir treffen auf keine Top-Länder“, sagte etwa Belgiens Torwart Thibaut Courtois. Trainer Marc Wilmots meinte: „Jetzt beginnt ein komplett neues Turnier.“

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