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08.06.2016

12:42 Uhr

EM-Start und Public Viewing

Wie sicher ist unser Fußball-Sommer?

VonDietmar Neuerer

Tausende Deutsche freuen sich auf die Public-Viewing-Partys zur Fußball-Europameisterschaft. Doch die Sorge vor terroristischen Anschlägen rund um die EM ist groß. Was Sicherheitsexperten planen.

Wegen der Fußball-EM in Frankreich wird auch die Polizei in Deutschland gefordert sein. dpa

Deutsche Polizisten

Wegen der Fußball-EM in Frankreich wird auch die Polizei in Deutschland gefordert sein.

BerlinDie Fußball-EM in Frankreich steht in diesen Tagen wie keine andere Großveranstaltung im Fokus. Auch wenn es keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne gibt, ist die Sorge groß, dass IS-Terroristen rund um das Turnier zuschlagen könnten. „Wenn am 10. Juni die Europameisterschaft beginnt, dann haben wir alles getan, um das höchstmögliche Sicherheitsniveau zu erreichen“, versicherte denn auch schon vor einigen Wochen der Präsident des EM-Organisationskomitees, Jacques Lambert.

Zum Schutz der EM-Besucher hat Lambert ein umfassendes, mehrstufiges Sicherheitskonzept erarbeitet. Zwei Sicherheitsringe um die Stadien sollen verhindern, dass Unbefugte bis in die Stadien vordringen können. Neben den üblichen Ticketkontrollen finden auch „gründliche“ Personenkontrollen mit dem Abtasten jedes einzelnen Zuschauers statt. „An den wichtigsten Stellen gibt es zusätzlich Sicherheitsschleusen wie am Flughafen“, sagte Lambert kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

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Solche Sicherheitsschleusen könnten auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Politiker fürchten parteiübergreifend, dass hierzulande während der EM besonders öffentliche Übertragungsorte, sogenannte Public-Viewing-Veranstaltungen, in den Fokus von Terroristen rücken könnten – und fordern entsprechende Konsequenzen. „Eine mögliche Antwort hierauf wären Sicherheitsschleusen, an denen bereits frühzeitig verdächtige Gegenstände abgefangen werden können“, sagte der FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki dem Handelsblatt. Absolute Sicherheit gebe es aber nicht. „Das Ziel sollte aber bleiben, dass die Sicherheitsbehörden den Terroristen immer einen Schritt voraus denken.“

Ähnlich äußerte sich der Großstadtbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Kai Wegner. „Aufgrund der Bedrohungslage brauchen wir beim Public Viewing erhöhte Sicherheitsmaßnahmen wie zum Beispiel verschärfte Einlasskontrollen. Denkbar wären Sicherheitsschleusen“, sagte Wegner, der auch Generalsekretär der Berliner CDU ist. Über eine solche Maßnahme müssten aber die Sicherheitsbehörden entscheiden.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka vertraut auf die Arbeit der einschlägigen Experten. „Dass unsere Polizei- und Sicherheitsbehörden alles Notwendige tun werden, das heißt auch den Einsatz von Körperscannern zu prüfen, ist angesichts der Bedrohungslage eine Selbstverständlichkeit“, sagte Lischka. Dazu brauche es aber „keiner klugen Ratschläge des selbsternannten Sicherheitsexperten Wolfgang Kubicki“.

Auch die Grünen plädierten für einen besonderen Schutz öffentlicher EM-Übertragungsorte. Sicherheitsschleusen gebe es ja bereits bei vielen Veranstaltungen. „Die Sicherheitsbehörden sollten diese Kontrollen, dort wo das möglich und verhältnismäßig ist, durchführen“, sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz dem Handelsblatt. 

Kommentare (17)

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Herr Fritz Yoski

08.06.2016, 12:50 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr J.-Fr. Pella

08.06.2016, 12:57 Uhr

Hauptsache wir werden Fußballeuropameister!!!

Herr Hans Mayer

08.06.2016, 13:05 Uhr

Eine Armlänge Abstand, das hilft immer, jeder sollte sich die Ratschläge von der Kölner Bürgermeisterin genau anhören.

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