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19.06.2016

13:01 Uhr

EM-Tagebuch

Schreien, bis man heiser ist

VonAlexander Möthe

Island gegen Ungarn ist auf dem Papier kein Fußballleckerbissen. Tatsächlich war das Schlagerspiel der Gruppe F auch keines. Dennoch sind Partien wie diese der richtige Nährboden für eins: die Fußballliebe.

MarseilleEs gibt Fußballspiele, die ziehen Menschen mit ihrer Schönheit in den Bann. Da wird filigran mit dem Ball gearbeitet, es werden Zuckerpässe gespielt und Traumtore erzielt. Und es gibt Island gegen Ungarn. Ein Spiel, was ausschließlich über Kampf,  über Einsatz, über Mentalität.

Mit Isländern, denen bei jeder Ballmitnahme anzumerken war, dass sie mit einer Walfangharpune vielleicht präzisere Resultate erzielt hätten. Und Ungarn, die den Ball oft bekamen, aber ihn noch öfter verstolperten. Es wurde gegrätscht, gestochert, gerungen.

Dieses Spiel hatte einen Buckel, einen Raffzahn und einen komischen Geruch. Doch ich habe gelernt, es für seinen Charakter zu lieben.

Der Qualifikationsmodus für die K.o.-Phase

Der neue Qualifikationsmodus

Mit den jeweils zweiten Gruppenspielen hat bei der Fußball-EM in Frankreich auch das große Rechnen begonnen. Erstmals qualifizieren sich nach der Aufstockung auf 24 Mannschaften nicht nur die Teams auf den Plätzen eins und zwei für die K.o.-Runde, sondern auch die vier besten Gruppendritten.

(Quelle: dpa)

Bei Punktgleichheit

In den Turnierregularien ist in Artikel 18 festgelegt, wie sich die Platzierungen in den Gruppen ergeben und nach welchen Kriterien die Gruppendritten verglichen werden, sollten zwei oder mehrere Teams punktgleich sein.

In den Gruppen

1. Punkte aus dem direkten Vergleich 2. Tordifferenz aus dem direkten Vergleich 3. Erzielte Tore aus dem direkten Vergleich 4. Erneute Anwendung der Punkte 1-3 für zwei verbliebene punktgleiche Teams, wenn zuvor mindestens drei punktgleiche Teams verglichen wurden. 5. Tordifferenz aus allen Gruppenspielen 6. Anzahl erzielter Tore aus allen Gruppenspielen 7. Fair-Play-Verhalten bei der EM 8. Uefa-Koeffizient

Sonderfall

Treffen zwei Mannschaften im letzten Gruppenspiel aufeinander, die dieselbe Anzahl Punkte, die gleiche Tordifferenz und dieselbe Anzahl Tore aufweisen und endet das betreffende Spiel unentschieden, wird ihre endgültige Platzierung durch Elfmeterschießen ermittelt.

Für die Gruppendritten

1. Punkte 2. Tordifferenz 3. Erzielte Tore 4. Fair-Play-Verhalten bei der EM 5. Uefa-Koeffizient

Da ist erst einmal Island. Dieses kleine Land von einer großen Insel, mit seiner kleinen Bevölkerung und seiner kleinen Sporthistorie. Die haben sich mit 22 Beinen und einem riesengroßen Kämpferherz durch die Qualifikation geackert und sind jetzt auch im zweiten Turnierspiel ungeschlagen.  

Und dann tritt nach dem Spiel, dem zweiten Spiel der EM-Geschichte, dem zweiten Spiel ungeschlagen, der „Man of the match“ vor die Presse, ein Hüne namens Kolbeinn Sigthórsson. Und er erklärt, dass sich der Punkt gegen Ungarn wie eine Niederlage anfühlt. „Wir sind eine starke Mannschaft mit einer starken Mentalität“, erklärt er noch. Wie soll man denn eine Mannschaft nicht mögen, bei denen der Stürmer Sigthórsson heißt?

Erinnern Sie sich an Neuseeland bei der WM 2010? Das Team galt als chancenlos, schied aber letztlich mit drei Unentschieden nur unglücklich aus. Da hatte der Underdog schon längst die Herzen der Fernsehzuschauer erobert. Ja, auch durch Fans in Schafskostümen.

Sich reinhauen, auch wenn man keine Chance hat. Das ist es, was den Fußball eigentlich auszeichnet. Und das zeichnet die Isländer aus.

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