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07.06.2016

06:35 Uhr

EM-Teamcheck – Gruppe B

Inselduell, slowakischer Beton und ein Last-Minute-Russe

VonLars Ophüls

Bei der allerersten EM-Teilnahme überhaupt trifft Wales gleich auf Nachbar England. Außerdem wollen Russland und die Slowakei den Sprung in die K.o.-Runde schaffen. Die EM-Gruppe B im Check.

50 Jahre nach dem letzten großen Titel ist England bereit für den nächsten Erfolg. Die Tore von Wayne Rooney (l.) und Jamie Vardy sollen helfen. AP

Jahrelange Durststrecke

50 Jahre nach dem letzten großen Titel ist England bereit für den nächsten Erfolg. Die Tore von Wayne Rooney (l.) und Jamie Vardy sollen helfen.

England: Auf der Jugend ruht die Hoffnung

Mit „30 years of hurt“ besang zur Heim-EM 1996 eine ganze Fußballnation das immer wiederkehrende Hoffen auf einen zweiten internationalen Titel nach dem WM-Sieg 1966 – und die immer wieder bitteren Enttäuschungen, die ihnen ihre Kicker bescherten. Im Vorfeld des Turniers in Frankreich reiben sich nun viele Engländer die Augen und müssen feststellen, dass die Zeit der Schmerzen mittlerweile schon 50 Jahre beträgt und die Leidensgeschichte eher noch düsterer geworden ist.

Das Aus in der Vorrunde bei der WM in Brasilien vor zwei Jahren hat selbst die größten Optimisten auf der Insel vorsichtig gemacht. Dabei gibt es im Kader von Trainer Roy Hodgson einiges, was Anlass zur Hoffnung bieten würde. Der 68-Jährige, der trotz der Schmach von 2014 weiterarbeiten durfte, hat die Mannschaft zwar nicht komplett ausgetauscht, aber gezielt verstärkt und verjüngt.

Mit Joe Hart von Manchester City ist auf der Torwartposition, die viele Jahre das größte Sorgenkind war, wieder Kontinuität eingezogen. Die Abwehr davor darf jedoch als größter Schwachpunkt der Engländer gelten. Gary Cahill (FC Chelsea) oder Chris Smalling (Manchester United) bekleckerten sich schon 2014 nicht mit Ruhm, anderen wie Nathaniel Clyne (FC Liverpool) und Danny Rose (Tottenham) mangelt es an Erfahrung. An der früheren Bastion der Engländer fehlen Coach Hodgson schlicht die Alternativen.

Je weiter es auf dem Feld nach vorne geht, desto besser sieht es aus. Im defensiven Mittelfeld dürften die routinierten James Milner (FC Liverpool) und Eric Dier (Tottenham Hotspur) gesetzt sein. Neben Kapitän Wayne Rooney (Manchester United) können im offensiven Mittelfeld Dele Alli (Tottenham Hotspur), Raheem Sterling (Manchester City) oder der erst 18-jährige Wunderknabe Marcus Rashford, der gerade seinen Vertrag bei Manchester United bis 2020 verlängert hat, auftrumpfen.

Gruppe B: England

Gesamtkaderwert

477 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Die wertvollsten Spieler

Raheem Sterling (21, Sturm, Manchester City): 45 Millionen Euro.

Harry Kane (22, Sturm, Tottenham Hotspur): 40 Millionen Euro.

Wayne Rooney (30, Sturm, Manchester United): 35 Millionen Euro.

FIFA-Weltrangliste

11. Platz

Größte Erfolge

Weltmeister 1966

Bilanz gegen Deutschland

34 Spiele – 16 Siege, 6 Remis, 12 Niederlagen, 70:44 Tore.

Und für die Sturmspitze kämen dann noch der Top-Torjäger der abgelaufenen Premier-League-Saison, Tottenhams Harry Kane, oder Senkrechtstarter Jamie Vardy von Überraschungsmeister Leicester City in Frage. Dass die Arsenal-Profis Danny Welbeck und Alex Oxlade-Chamberlain verletzt fehlen, verkommt da fast zur Randnotiz.

So dominierten die Engländer ihre Qualifikationsgruppe und schafften als erstes Team nach dem Gastgeber den Sprung ins Turnier. Alle Gruppenspiele wurden gewonnen, allerdings kamen die Gegner mit der Schweiz, Slowenien, Estland, Litauen und San Marino nicht aus der ersten europäischen Liga. Das 3:2 im März beim Testspiel gegen Deutschland nährt da schon eher die leisen Hoffnungen, die trotz allem wie immer in der englischen Fußballseele ruhen.

Fazit: Trainer Roy Hodgson hat die zweite Chance, die er nach dem WM-Debakel in Brasilien bekommen hat, genutzt und die englische Mannschaft neu aufgebaut. Vor allem in der Offensive hat das Team hohes Potenzial. Ob die Three Lions aber gegen Kontrahenten auf höchstem Niveau bestehen und auch einen frühen Rückschlag besser wegstecken können als noch in Brasilien, müssen sie unter Beweis stellen.

Prognose: Für die neu formierte Mannschaft ist das Viertelfinale ein realistisches Ziel. Wenn alles zusammenpasst und gerade die jungen Spieler ihre Möglichkeiten voll ausreizen, kann der fußballerische Brexit weiter verschoben werden.

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