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08.06.2016

13:45 Uhr

EM-Teamcheck – Gruppe C

Deutschland? Ohne Punktverlust!

VonLeonidas Exuzidis

Eine Hand am Pott? Die DFB-Auswahl ist klarer Favorit der EM-Gruppe C. Der Weltmeister kann auch in diesem Jahr Großes vollbringen. Das können auch die starken Polen und das Überraschungsteam Nordirland nicht verhindern.

Das letzte Testspiel gewann die deutsche Mannschaft gegen Ungarn mit 2:0. Im ersten Spiel bei der anstehenden EM wartet am Sonntag die Ukraine. dpa

Generalprobe geglückt

Das letzte Testspiel gewann die deutsche Mannschaft gegen Ungarn mit 2:0. Im ersten Spiel bei der anstehenden EM wartet am Sonntag die Ukraine.

Favorit wider Willen?

Es ist exakt 100 Wochen her, seit die deutsche Elf eine gesamte Nation in Ekstase versetzte. Der 7:1-Kantersieg im WM-Halbfinale über Gastgeber Brasilien gilt nicht nur aufgrund seiner Höhe als historisch. Wie entfesselt spielten die Deutschen auf, zerlegten Brasilien allein in den ersten 29 Minuten der Partie in alle Einzelteile und schalteten nach der Pause problemlos drei Gänge zurück. Ob TV-Experte, Hobbyfußballer oder Gelegenheits-Fan: Die Bedeutung dieses denkwürdigen Abends in Belo Horizonte wurde erst Tage nach dem Titelgewinn klar. Mit Deutschland ist auf Jahre noch zu rechnen.

Als amtierender Weltmeister gehört Deutschland selbstverständlich zum elitären Kreis der diesjährigen Favoriten. Mit der Ukraine, Polen und Nordirland warten drei machbare Gegner auf die DFB-Elf, die ihren Kontrahenten nicht nur auf dem Papier spielerisch haushoch überlegen sein dürfte. Deutschland ist es gewohnt, das Spiel zu machen – das liegt in erster Linie am verfügbaren Personal.

Gruppe C: Deutschland

Gesamtkaderwert

580 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Die wertvollsten Spieler

Thomas Müller (26, Sturm FC Bayern München): 75 Millionen Euro.

Toni Kroos (26, Mittelfeld, Real Madrid): 50 Millionen Euro.

Mesut Özil (27, Mittelfeld, FC Arsenal): 50 Millionen Euro.

FIFA-Weltrangliste

4. Platz

Größte Erfolge

Weltmeister 1954, 1974, 1990, 2016

Europameister 1972, 1980, 1996

Seien wir mal ehrlich: Trainer Jogi Löw hat im Endeffekt ein selten dagewesenes Luxusproblem. Deutschland hat von allen teilnehmenden Teams nach Spanien den wertvollsten Kader. Allen voran in der Offensive streiten sich dynamische, leichtfüßige und torgefährliche Kräfte um die wenigen Fahrkarten für die Startformation. Für das defensive Mittelfeld stehen neben WM-Held und Kapitän Schweinsteiger mit Khedira und Kroos zwei weitere Weltklasse-Akteure im Kader. Den Shootingstars Kimmich und Weigl sind Teileinsätze durchaus zuzutrauen. Und weiter vorn? Götze, Özil, Schürrle, Müller, Gomez, Draxler – die Liste ist lang…

Ob auf der Arbeit oder in der Nachbarschaft, beim Fußballverein oder im Freundeskreis: Mahnende Zeigefinger mischen sich auch in diesem Jahr unter die Optimisten. Die Achillesferse vermuten Experten, nicht ganz zu Unrecht, in der deutschen Hintermannschaft. Schließlich kassierte Deutschland in den fünf Testspielen vor dem Turnier neun Gegentore.

Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes fielen lange verletzt aus, Mats Hummels setzt ein Muskelfaserriss außer Gefecht. Emre Can zeigte in der Verteidigung zuletzt schwache Leistungen, Mustafi ist im Zentrum eher eine Ausweichlösung und Außenverteidiger Jonas Hector ist zwar im Team festgespielt, aber international unerfahren. Zu allem Überfluss zog sich Antonio Rüdiger am Dienstagabend einen Kreuzbandriss zu. Für ihn nominierte Löw den blutjungen Innenverteidiger Jonathan Tah von Bayer Leverkusen nach. Die zweite Garde macht also leichte Sorgen.

Das Fehlen von Per Mertesacker und Philipp Lahm, die ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft just beendeten, macht sich also im Vorfeld bemerkbar. Die Abwehr jedoch war es auch, die viele vor der WM in Brasilien als Schwachpunkt ausgemacht hatten – nur vier Gegentreffer in sieben Spielen sprachen schon damals eine deutliche Sprache. Sobald Hummels wieder fit ist, steht die vielleicht beste Innenverteidigung der Welt auf dem Feld, dahinter der unzweifelhaft beste Torhüter.

Der Trainer selbst könnte sich erneut in die Geschichtsbücher eintragen. Nach Helmut Schön (EM 1972 und WM 1974) wäre Löw der zweite Trainer, der sowohl die WM- als auch die EM-Trophäe nach Hause bringt. Wie gewohnt übt sich der Bundestrainer im Vorfeld in Demut. Neben Gastgeber Frankreich und Titelverteidiger Spanien zählt er auch Italien, England und Belgien zu den Favoriten – naja, wie man’s nimmt… Die Gesamtstatistik jedenfalls spricht für Deutschland, denn die Löw-Elf ist nun einmal eine echte Turniermannschaft. Seit dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der EM 2004 zog Deutschland bei allen großen Turnieren mindestens in die Runde der letzten Vier ein.

Fazit: Viel Lärm um wenig: Deutschland geht erneut mit einem bärenstarken Kader in das Turnier.

Prognose: Die „weiße Weste“ bleibt bestehen: Deutschland zieht souverän ohne Punktverlust in die K.O.-Runde ein. Dort macht sich die Erfahrung vieler Spieler auf international höchstem Niveau bezahlt. Im Juli wird Deutschland daher mindestens eine Hand am EM-Pott haben.

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