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10.07.2016

23:58 Uhr

Frankreich im EM-Finale geschlagen

Portugal holt den Titel – Ronaldo mit Freudentränen

Portugal ist neuer Fußball-Europameister. Die Südeuropäer schlagen Gastgeber Frankreich mit 1:0 nach Verlängerung. Es ist der erste große Titel für die Portugiesen. Und das, obwohl ihr Superstar früh verletzt ausschied.

Matchwinner für Portugal: Stürmer Eder trifft mit einem strammen Fernschuss ins Netz. dpa

Eder

Matchwinner für Portugal: Stürmer Eder trifft mit einem strammen Fernschuss ins Netz.

ParisMit Tränen des Glücks in den Augen stemmte Cristiano Ronaldo wild schreiend die EM-Trophäe kurz vor Mitternacht in die Höhe, völlig ernüchtert sahen Antoine Griezmanns Franzosen der portugiesischen Titelparty zu. Trotz des Dramas um die frühe Ronaldo-Verletzung hat sich Portugal den ersehnten ersten EM-Triumph geholt und den Turnier-Gastgeber in Schockstarre versetzt. Joker Eder wurde am Sonntag im Final-Krimi der Fußball-Europameisterschaft mit seinem Fernschuss-Treffer beim glücklichen 1:0 (0:0) nach Verlängerung zum gefeierten Helden. Der Équipe Tricolore um Torschützenkönig Griezmann blieb hingegen der dritte EM-Titel nach 1984 und 2000 verwehrt.

Superstar Ronaldo wurde nach einem bösen Zusammenprall mit Dimitri Payet bereits nach 25 Minuten verletzt vom Platz getragen, weinte wie beim verlorenen EM-Endspiel 2004 bitterlich - und durfte am Ende doch auf der Bank wie entfesselt jubeln. Mann des Abends vor 75 868 Zuschauern im Stade de France war der spät eingewechselte Eder vom OSC Lille, der in der 109. Minute aus der Distanz flach ins linke Eck traf und seine krisengeplagte Heimat ins Glück stürzte.

Mit blankem Oberkörper feierte Ronaldo berauscht den Titel, nachdem er die Verlängerung wie ein Co-Trainer wild gestikulierend an der Seitenlinie verbracht hatte. „Vamos“ rief der Superstar immer wieder bei der Pokalübergabe um 23.48 Uhr und tanzte danach beseelt mit einer portugiesischen Fahne. Diese Leidenschaft trug sein Team letztlich zum Erfolg, während den Franzosen im Verlauf des Endspiels zunehmend der Mut verloren gegangen war.

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Portugal ist Europameister 2016

Fußball-EM: Portugal ist Europameister 2016

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Frankreichs Erfolgscoach Didier Deschamps hatte auf die Startelf vertraut, die zuvor schon Island und Weltmeister Deutschland aus dem Turnier befördert hatte. Die starke Bilanz von zehn Siegen in den vergangenen zehn Spielen gegen Portugal verlieh den Franzosen zusätzlich Selbstvertrauen. Wie die zahlreichen Falter, die den beiden Finalisten beim Aufwärmen zugesetzt hatten, schwärmten die Gastgeber zunächst aus. Aggressiver als in jedem ihrer sechs Auftritte zuvor bedrängten die Franzosen die Portugiesen, die damit sichtbar Probleme hatten und immer wieder schnell den Ball verloren.

Schon nach sieben Minuten dann eine Schlüsselszene: Payet rauschte aus vollem Lauf in einen Zweikampf mit Ronaldo, knallte mit seinem Oberschenkel gegen das linke Knie des dreimaligen Weltfußballers. Ronaldo krümmte sich unter Schmerzen am Boden, der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg ließ jedoch weiterlaufen. Für Ronaldo allerdings war in diesem Moment das nächste Finaldrama nach dem 0:1 im Endspiel der Heim-EM 2004 gegen die Griechen schon perfekt.

Zweimal ließ sich der Superstar von Real Madrid behandeln, weinte bittere Tränen, versuchte es mit einem Tape-Verband nochmal, aber es ging einfach nicht mehr. In der 25. Minute musste sich der EM-Rekordspieler in seinem 21. Einsatz bei Europameisterschaften auf einer Trage vom Platz bringen lassen, Ricardo Quaresma ersetzte ihn. Die ganz auf Ronaldos geniale Momente zugeschnittene Taktik von Trainer Fernando Santos war damit dahin.

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