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17.06.2016

00:18 Uhr

Fußball-EM 2016

Deutschland vergibt den ersten Matchball

Die DFB-Elf verpasst nach einem 0:0 gegen Polen den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Fußball-EM. Deutschland hat gar Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Die Chancen auf den Gruppensieg stehen aber weiterhin gut.

Die deutsche Mannschaft schaffte es viel zu selten, die Polen im letzten Drittel des Spielfeldes entscheidend unter Druck zu setzen. Die Kreativabteilung um Mesut Özil und Co. hatte ihre Probleme. AP

Schwächen in der Offensive

Die deutsche Mannschaft schaffte es viel zu selten, die Polen im letzten Drittel des Spielfeldes entscheidend unter Druck zu setzen. Die Kreativabteilung um Mesut Özil und Co. hatte ihre Probleme.

ParisSchweren Schrittes stapften Manuel Neuer und Co. zu den deutschen Fans, so richtig glücklich wirkten die Mienen der Weltmeister nicht. Es war fast schon das altbekannte Bild im zweiten Gruppenspiel: Kein Torjubel und wieder kein Sieg – Deutschland hat den vorzeitigen Einzug ins Europameisterschafts-Achtelfinale verpasst. Im Stade de France trennte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vom Dauerrivalen Polen 0:0.

Den angepeilten Gruppensieg kann das Team von Bundestrainer Joachim Löw nun erst am Dienstag (18 Uhr) im Pariser Prinzenpark gegen Nordirland einfahren. Parallel spielt Polen gegen die bereits ausgeschiedenen Ukrainer ums Weiterkommen.

Das Team um den Münchener Superstar Robert Lewandowski zeigte besonders im zweiten Durchgang eindrucksvoll, warum es als bester Gruppengegner gilt. Hinten hatten sie gegen erschreckend harmlose Offensivkräfte in der deutschen Elf oft leichtes Spiel – und die offensiven Nadelstiche hätten um ein Haar zum Sieg geführt.

Reaktionen zum Spiel

Joachim Löw

„Insgesamt ist das Unentschieden vollkommen gerecht. In der Defensive haben wir gut gespielt, kaum Chancen zugelassen. Im Spiel nach vorn haben wir nur wenige Lösungen gefunden. Wir müssen jetzt mal mit dem einen Punkt leben. Die Einstellung hat schon gestimmt. Aber wir haben zu wenig Lösungen gehabt, uns durchzukombinieren. Polen hat das gut gemacht, unsere Spieler gut zugestellt, wir hatten wenig Raum. Wir werden uns qualifizieren und das erreichen, was wir wollen. In der Gruppenphase ist es ein Abnutzungskampf. In der K.o.-Phase wird es wahrscheinlich auch ein bisschen offener.“

Quelle: dpa

Jérôme Boateng

„Wir können froh sein, dass wir 0:0 gespielt haben. Wir haben kein Eins-zu-Eins-Duell in der Offensive gewonnen. Wir haben uns als Mannschaft gut defensiv verhalten, besser als gegen die Ukraine. Aber offensiv hat viel gefehlt.“

Toni Kroos

„Es hat einfach ein bisschen was gefehlt, die Bälle waren zu einfach weg. Wir haben defensiv ordentlich gespielt, die Polen hatten vielleicht eine große Chance. Aber vorn fehlte einfach was. Wir müssen jetzt das letzte Gruppenspiel gewinnen und als Erster durchkommen. Dann sehen wir weiter.“

Mats Hummels

„Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu kontrollieren, was eigentlich unsere Stärke ist. Die Polen haben uns öfter in schwierige Situationen gebracht. In der zweiten Halbzeit hatten wir schon einen Haufen Glück. In einigen Momenten hat nach vorn ein bisschen die Präzision gefehlt. Wenn es ein Risiko bei mir gegeben hätte, dann hätte ich nicht gespielt. Ich habe jetzt nicht so viel trainiert. Ich bin sehr froh, dass ich spielen durfte. In den letzten Minuten hat ein bisschen die Kraft gefehlt, auch ein bisschen der Rhythmus.“

Robert Lewandowski

„Deutschland hat super gespielt, aber wir hatten auch klare Torchancen. In der Gruppenphase ist wichtig, dass wir beide weiterkommen. Wir schauen, was danach passiert.“

Jakub „Kuba“ Blaszczykowski

„Wir haben gut gespielt. Deutschland hat das Spiel kontrolliert, aber wir hatten die klareren Möglichkeiten. Wir haben aber noch nichts erreicht.“

Reinhard Grindel

„Defensiv haben wir sehr gut gestanden und bis auf eine Szene nichts zu gelassen. Vorne haben wir die Konsequenz vermissen lassen.“

Dementsprechend unzufrieden fiel die Reaktion von Bundestrainer Joachim Löw nach dem Abpfiff aus. „Das Unentschieden ist vollkommen gerecht. In der Defensive haben wir gut gespielt und kaum Chancen zugelassen. Im letzten Drittel haben uns aber die Lösungen gefehlt. Wir haben wenige Chancen herausgespielt, normalerweise können wir das“, monierte Löw und fügte selbstbewusst hinzu: „Wir werden uns für die K.o.-Runde qualifizieren, das werden wir schaffen.“

Druckvoll und dominant agierte die mit zehn Weltmeistern angetretene DFB-Auswahl, durch schnelle Balleroberungen wurden die Polen zunächst in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Allerdings fehlte oftmals der geniale Moment, um das polnische Bollwerk auszuhebeln. So gab es bereits zum achten Mal in den letzten zehn großen Turnieren keinen Sieg im zweiten Spiel.

In der ersten Halbzeit erarbeitete sich die deutsche Mannschaft ein spielerisches Übergewicht, ohne jedoch eine Fülle an guten Torchancen zu kreieren – der Unterhaltungswert des Spiels war daher gering. Ein Kopfball von Mario Götze (4.), der im Angriff wieder den Vorzug vor Mario Gomez erhielt, und ein Schuss von Hector (6.) waren die ersten Annäherungsversuche.

Gefährlicher wurde es in der 16. Minute bei einer Großchance des omnipräsenten Toni Kroos, nachdem sich Thomas Müller stark gegen den Dortmunder Lukasz Piszczek durchgesetzt hatte. Nur knapp verfehlte der Mittelfeldchef das Tor.

Es fehlte allerdings die nötige Konsequenz und auch mitunter die Ideen gegen eine dicht gestaffelte polnische Mannschaft. Auch weil Mesut Özil, der zum 75. Mal für Deutschland auflief, und Götze wieder einen schweren Stand hatten. Auf der Gegenseite geriet das Tor von Manuel Neuer, der erneut Bastian Schweinsteiger als Kapitän vertrat, nicht einmal in der ersten Halbzeit in Gefahr.

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