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05.07.2016

15:43 Uhr

Griezmann, Hector und Co.

Die fünf Gewinner der Mammut-EM

VonLeonidas Exuzidis, Alexander Möthe

Die Fußball-EM ist nicht nur sportlicher Wettbewerb, sondern gleichzeitig ein Schaulaufen von Spielern. Mit guten Leistungen steigern sie ihren Marktwert – und geraten ins Visier von Topklubs. Fünf Beispiele.

Sichtlich Spaß am Spiel: Antoine Griezmann bejubelt seinen Treffer zum 4:0 gegen Island. AFP; Files; Francois Guillot

Antoine Griezmann

Sichtlich Spaß am Spiel: Antoine Griezmann bejubelt seinen Treffer zum 4:0 gegen Island.

Antoine Griezmann: Auf dem Fußball-Olymp

Frankreichs Hoffnung bei dieser EM ist 176 Zentimeter groß. Und sie wächst dieser Tage sprichwörtlich über sich hinaus und strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Antoine Griezmann verkörpert sportlichen Erfolg mit einer perfekten Mischung aus fußballerischer Klasse, Entschlossenheit und einem fast schon unheimlichen Tatendrang. Das bei großen Turnieren oft mürrische französische Volk ist entzückt von seinem Superstar.

Beim 5:2-Kantersieg im Viertelfinale gegen Island stach Griezmann aus einer starken französischen Offensive einmal mehr heraus. Beweglich, wendig, trickreich, kaltschnäuzig – der junge Stürmer war für die isländische Defensive mindestens zwei Nummern zu groß. Bei seinem Tor zum zwischenzeitlichen 4:0 war Griezmann nach starker Spieleröffnung bereits meterweit entwischt, ehe sich der Isländer Arnasson überhaupt um die eigene Achse gedreht hatte. Von vier Verteidigern verfolgt lupfte Griezmann den Ball lässig über den herausstürmenden Halldorsson ins Netz – ein klasse Treffer.

Mit vier Toren führt Griezmann die Torjägerliste der EM an – vor seinen Teamkollegen Giroud und Payet sowie dem Waliser Bale und Spaniens Morata, die allesamt dreifach trafen. Ähnlich wie die gesamte Tricolore kam auch der 25-Jährige nur mühsam ins Turnier. Die große Last schien anfangs zu schwer für seine Schultern, er wirkte in seinen Aktionen verkrampft und bisweilen unglücklich. In der Gruppenphase wurde er zweimal vorzeitig aus-, gegen Albanien sogar nur eingewechselt.

Dass er trotzdem ein herausragender Fußballer ist, hat Griezmann an höchster Stelle mehrfach bewiesen. Im Achtelfinale gegen Irland drehte er einen 0:1-Rückstand binnen weniger Minuten in ein 2:1. Im Halbfinale der Champions League gegen Bayern München erzielte der Stürmer von Atlético Madrid allein gegen Manuel Neuer das entscheidende 1:1, das den Spaniern letztlich zum Weiterkommen genügte.

Seine Abschlussstärke ist herausragend – und spätestens seit der abgelaufenen Spielzeit zählt Griezmann endgültig zur Weltklasse. Sein Marktwert schießt seit Jahren in die Höhe und auch in diesem Kalenderjahr ist der Franzose noch wertvoller geworden. Das Portal transfermarkt.de schätzt seinen Marktwert auf 70 Millionen Euro, die Fußballforscher des Schweizer Instituts Cies gar auf 120 Millionen.

Griezmann hätte der erste Spieler werden können, der offiziell für über 100 Millionen Euro zu einem anderen Klub wechselt. An Interessenten mangelte es definitiv nicht – doch er entschied sich für einen Verbleib beim Arbeiterklub aus Madrid und verlängerte seinen Vertrag während der EM bis 2021. Er fühle sich wohl, betonte er.

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Es ist eine Charaktereigenschaft, die nicht nur das Umfeld von Atlético Madrid und dessen impulsiver Trainer Diego Simeone sehr schätzen. Griezmann gilt als stets freundlich, demütig und bodenständig – nicht selbstverständlich für einen Fußballer, der in zwei Saisons für einen Champions-League-Finalisten 44 Treffer erzielte. Auch Simeone hievte ihn zuletzt in den Fußball-Himmel und adelte ihn als „einen der drei besten Stürmer der Welt“.

Schon als kleiner Junge hatte der nahe Lyon aufgewachsene Griezmann nur Fußball im Kopf. Seine schüchterne Art und sein schmächtiger Körper brachten ihm zu Jugendzeiten mehrere Absagen bei namhaften französischen Jugendakademien ein. Ein Scout erkannte zufällig sein Talent, lotste ihn schließlich nach Spanien zu Real Sociedad San Sebastian. Dort durchlief er alle Jugendmannschaften, dort schaffte er den Sprung in den bezahlten Spitzenfußball.

Sein starker Charakter machte den häufig unterschätzten Griezmann letztlich zum Vollblutprofi. Einstellung und Mentalität machten schon zu Jugendzeiten körperliche Defizite wett. Vor fünf Wochen verschoss er im Endspiel der Champions League im Duell gegen den Stadtrivalen Real Madrid einen Strafstoß in der zweiten Halbzeit. Wie selbstverständlich lief er im Elfmeterschießen als erster Schütze erneut an – und traf sicher. Sollte es am Donnerstag im Halbfinale gegen Deutschland wieder zum Elfmeterschießen kommen, kann sich Frankreich sicher auf seinen Shootingstar verlassen.

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